Genmanipulierte Babys in China geboren (1)

Eine Nachricht, die die Welt aufhorchen lässt

 

He Jiankui, ein Wissenschaftler an einer Universität in Shenzhen, hat am 26. November 2018, kurz vor einem bedeutenden Forschungs-Kongress, einige Videos in seinem YouTube-Kanal „The He Lab“ veröffentlicht. 

 

Dieser Vorfall bietet der internationalen Öffentlichkeit eine seltene Gelegenheit des Einblicks in die Funktionsweise der modernen chinesischen Gesellschaft. Vieles im Zusammenhang mit diesem Ereignis scheint keinen Sinn zu ergeben - das heißt,  wenn man sich für dieses Fachgebiet und/oder gesellschaftliche Zusammenhänge in China interessiert. 

Ein junger Forscher mit großem Ego?

 

He ist Leiter einer Forschungsgruppe an der Universität und außerdem Inhaber eines Gentechnik-Startup-Unternehmens. 

 

Shenzhen liegt im Süden Chinas zwischen den Mega-Städten Guangdong (Kanton) und Hongkong. Hier befinden sich die modernsten Projekte der Stadtentwicklung Chinas, viele erfolgreiche High-Tech-Unternehmen und Unternehmen, die international verflochten sind oder solche Beziehungen aufzubauen versuchen. 

 

International war He bisher weitgehend unbekannt. 

 

Er wollte das natürlich vor dem bevorstehenden internationalen Kongress zum „Human Genome Editing“ in Hongkong ändern, und er nutzte dazu unter anderem die Plattform, die von China aus nicht erreichbar ist. YouTube ist in China gesperrt und liegt hinter dem sog. „Großen Firewall“. 

 

 

Routiniert im Verstoß gegen Normen und Regeln

 

Man könnte sagen, dass He aus chinesischer Sicht auch durch die Veröffentlichung der Videos gegen Regeln und Gesetze verstoßen hat, denn ohne VPN-Software kann man auf YouTube nicht zugreifen. 

 

Eine Lappalie? Keinesfalls. 

 

Fragen Sie mal die in China ansässigen ausländischen Firmen oder Journalisten. Es ist tatsächlich schon seit längerem illegal, ein VPN-Tool zu verwenden. Neu seit 2018 ist allerdings, dass ausländische Firmen und Verkäufer solcher VPN-Programme in China überprüft, bedrängt oder gar bestraft werden.

 

Doch hier und bei diesem Thema ist dieses Detail eher irrelevant, weil es eigentlich um die Deutungshoheit dieser Nachricht geht. 

Man könnte zugespitzt sagen, He Jiankui hat sich in folgendem Punkt in China Feinde gemacht: 

 

Er hat eigenmächtig auf YouTube die Videos veröffentlicht und so die staatlichen Behörden umgangen. Er hat die Zensur umgangen, seine Vorgesetzten an der Uni brüskiert,  allen voran die Parteisekretäre an der Uni, die in jeder Abteilung installiert sind und darüber wachen, dass alles an der Uni zum Wohle der Partei und der Regierung geschieht. An jeder Uni und in jeder Fakultät gibt es mindestens einen Parteisekretär, dessen Aufgabe genau darin besteht.

 

Hes Aktionen haben in keinster Weise dem Wohle der Partei und der Uni gedient. Er hat sich angemaßt, eigenmächtig etwas zu publizieren, das nur auf bestimmten Kanälen an die Öffentlichkeit hätte gelangen dürfen.

 

 

Alles nur „Fake News“?

 

Hat He Jiankui die offiziellen Kanäle oder Regeln zur Publikation wissenschaftlicher Durchbrüche in China gebrochen? 

 

Oder war allen staatlichen Stellen den Verantwortlichen der Partei und den wissenschaftlichen Kontrollbehörden längst bekannt, was geschehen war?

 

War die Veröffentlichung staatlich sanktioniert oder geduldet, so dass also alle juristischen Streitereien, die jetzt angeblich in China stattfinden, bloße Augenwischerei sind?

 

Möchte man damit lediglich die internationale Öffentlichkeit wieder besänftigen, den Schaden an der chinesischen Reputation bestmöglich reparieren oder zumindest den weiteren Verlauf der Diskussion beeinflussen? 

 

Vermutlich geht es hier zunächst um die Deutungshoheit, das wichtigste Gut in der chinesischen Bildungs- und Medienwelt oder vielleicht in jedem totalitären System überhaupt.

 

(Fortsetzung)

TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogverzeichnis > </a> </body> </html>
blogwolke.de - Das Blog-Verzeichnis </body
Blogverzeichnis