Der neue Apple Store in Xiamen (Teil 2)

Der neue Apple Store in Xiamen von innen mit dem zur Zeit größten LED-Display, das weltweit irgendwo in einem Apple Store zu finden ist.
Der neue Apple Store in Xiamen von innen mit dem zur Zeit größten LED-Display, das weltweit irgendwo in einem Apple Store zu finden ist.

Dies ist eine Fortsetzung des Artikels Der neue Apple Store in Xiamen (Teil 1)

 

Immer noch auf der Suche nach dem Apple Store…

 

Ich ging wieder in den neuen Teil des Kaufhauses. Im Erdgeschoss befindet sich vor dem Kaffeehaus ein großer Innenhof. Der Innenhof war leer. 

 

Ich fuhr die Rolltreppe herunter. Im Innenhof rauchten zwei junge Männer, die aussahen, wie viele Söhne reicher Eltern hier zur Zeit aussehen: Hochwasserhosen, halbhohe, rahmengenähte Lederschuhe, ein sehr enges Sakko und eine Mütze bzw. einen Schal. Am Handgelenk eine sehr große Uhr, oft von einer sehr bekannten und teuren Marke, und sie tragen auch oft eine Umhängetasche oder Handtasche, die in Deutschland einen Tick zu feminin aussehen würde - idealerweise von Gucci oder LV.

 

In China ist so etwas ein männliches Statussymbol und wirkt keineswegs effeminiert. 

 

Während ich die jungen Männer so anschaute, fiel mir auf, dass nebenan ein großes Schaufenster war. Nicht besonders grell erleuchtet, eher angenehm und wohnlich. Ein warmes Licht war es. Drinnen standen viele Leute. Es wirkte wie eine Vernissage oder ein Meeting. Vielleicht eine Betriebsversammlung?

 

Seltsam, kein Logo, kein Firmenname, kein Türschild. Nichts. Und auch drinnen einfach gar nichts, auch kein Name und kein Logo. Mobiliar gab es kaum. Einige Tische, aber sonst nichts. Auffallend viele Leute trugen rote Sweatshirts. Rot? War das ein neuer Laden von UniClo, der japanischen Bekleidungsmarke, oder ein neuer H & M oder ein neues Café? 

 

Ich ging näher. Auf den Hemden war ein kleines, weißes Logo zu erkennen, aber sehr undeutlich. Ich ging zur Tür, und dann sah ich es: Es war das Apfel-Logo. 

 

Das Apple Logo im neuen Design. Dies war wirklich der einzige Hinweis darauf, dass es sich hier um einen echten Apple Store handelte!
Das Apple Logo im neuen Design. Dies war wirklich der einzige Hinweis darauf, dass es sich hier um einen echten Apple Store handelte!

Im Apple Store 

 

Am Eingang begrüßte mich ein junger Mann mit kanadischen Akzent: „Welcome to the new Apple Store!“

 

Ich sagte: „Ist das euer neues Design?“

„Ja, schick nicht wahr?“

„Das hat Angela (Arends) gemacht, Eure Chefin, nicht wahr?

„Nein, nein, das war nicht Angela. Die Stores sind alle von Johnny Ive entworfen. Er macht das alles selbst.“

„Und ist sein Ziel, die Firma zu ruinieren?“

„Warum?“

„Naja, es gibt kein Logo. Keiner meiner Freunde und nicht mal die Nachbarn in der Mall wissen, dass es hier einen neuen Apple Store gibt. Euer Laden hier ist ziemlich gut getarnt. Ihr habt nicht mal ein Apple-Logo. Wie wollt ihr hier so was verkaufen?“

„Doch, hier gibt es ein Logo. Ein besonders großes sogar.“

„Wo?“

„Komm, ich zeig’s dir.“

 

Er führte mich vor die Tür und zeigte auf die Seitenwand neben dem Schaufenster. Da war: NICHTS!

 

Ich dachte, er wollte mich auf den Arm nehmen. Wirklich. 

 

Ich sagte: „Ich sehe nichts.“

„Doch, hier. Schau doch mal genau hin!“

 

Tatsächlich! Kaum zu erkennen war da ein Apple-Logo auf der Aluminium-ähnlichen Oberfläche zu sehen. Oder besser: der Schatten eines Apple-Logos.

 

Ich fragte ihn: „Das ist provisorisch, nicht wahr?“

 

Er: „Nein. Hier in China gibt es so viele falsche Apple-Shops mit einem großen Apple-Logo, da wollten wir einen Akzent setzen und verzichteten auf das Logo in der üblichen großen, weißen Form. Außerdem möchten wir unsere Kunden darauf hinweisen, worauf es bei Apple wirklich ankommt.“

 

„Und das wäre?“

„Die inneren Werte.“

 

Fast hätte ich jetzt losgeprustet. Ich konnte es mir gerade noch verkneifen. Innere Werte… Amen. 

 

Innere Werte. Zum Beispiel die grüne Wand mit echten Pflanzen! Ein bisschen Grünzeug in einem Apple Store gilt hier schon als Revolution.
Innere Werte. Zum Beispiel die grüne Wand mit echten Pflanzen! Ein bisschen Grünzeug in einem Apple Store gilt hier schon als Revolution.

Ich habe nichts gegen Apple. Schließlich benutze ich seit 15 Jahren keinen Windows-Computer mehr.

 

Aber dieser Apple Store in Xiamen? Ich dachte wirklich, die haben einen Knall.

 

Der nette Kanadier wollte mir unbedingt den ganzen Laden zeigen, und ich genoss es, eine individuelle Vorführung all der neuen Design-Elemente des Shops und der neueren Produkte zu erhalten. Es war wie eine Schlossführung, nur lustiger. Er erklärte viele Details, und ich interessiere mich immer für Details.

 

Er wies mich darauf hin, dass sich in dem Laden das aktuell größte Video-Display in einem Apple Store weltweit befinde, und dass die grüne Wand an der Seite mit echten Pflanzen bewachsen sei. 

 

Mir gefällt der Laden wirklich. Ich mag diese quasi-minimalistische Präsentationsform. Aber eben nur quasi…

 

Im Laden kamen auf jeden Kunden gefühlte 10 Verkäufer. Irgendwie trugen fast alle rote Hemden. Klar, sie hatten gerade eröffnet und waren dabei, ihr neues Personal zu trainieren. 

 

Mein erster Versuch, ein kleines Kabel zu kaufen, ging dann auch partout in die Hose. Der junge Kanadier nahm wieder seine Aufgabe an der Tür wahr und schickte mich zu einer jungen, chinesischen Dame, die mich sehr enthusiastisch begrüßte. 

 

Sie bestand übrigens hartnäckig darauf, mit mir Englisch zu sprechen, obwohl ich das Gespräch mit ihr auf Chinesisch eröffnet hatte. Ich lud sie ein, mit mir Chinesisch zu sprechen.

 

Ihre Antwort: „Aber ich kann doch Englisch. Wir können Englisch sprechen.“ 

 

Vermutlich war die Tatsache, dass ich das Gespräch auf Chinesisch eröffnet hatte und dann auch weiterführte, das tatsächliche Problem. Die Mitarbeiterin versuchte ziemlich lange, weiter auf Englisch mit mir zu kommunizieren, ohne zu merken, dass ich jeweils auf Chinesisch antwortete. 

 

Ich dachte eigentlich, ich könnte einfach ein Kabel schnappen, bezahlen und wieder gehen. Mehr wollte ich ja eigentlich nicht.

 

Weit gefehlt!

 

Sie fragte mich, ob ich sonst noch etwas wolle. Ich verneinte und stellte fest, dass ich kein Kleingeld mehr im Portemonnaie hatte. Das war aber eigentlich kein Problem. 

 

In China habe ich mich daran gewöhnt, fast alles mit dem Handy zu bezahlen. Es gibt dafür verschiedene Software-Lösungen, und alles ist extrem praktisch und gebührenfrei. Aber bei Apple geht das natürlich nicht, denn die möchten ja bald ihr eigenes Zahlungssystem anbieten. Da werden sie wohl kaum das der Konkurrenz zuerst verwenden. 

 

Ich musste also meine Bank-Karte verwenden. Eigentlich auch kein Problem.

 

Eigentlich.

 

Die Frau erschrak, nahm die Karte langsam in die Hand, drehte sie zweimal herum, zeigte auf meine Unterschrift und meinte: „Wir können hier keine ausländischen Kreditkarten akzeptieren.“

 

Ich meite: „Das ist keine Kreditkarte, und es ist auch keine ausländische.“

Sie sagte: „Doch. Du bist ja kein Chinese.“

 

Ich schnappte nach Luft. „Stimmt, aber die Karte ist wirklich eine chinesische.“ 

 

(Willkommen bei Loriot…)

 

"Aber wir könnne hier diese Karte nicht akzeptieren.“

 

Wir diskutierten noch eine Weile herum, sie holte einen chinesischen Kollegen zu Hilfe, der mir quer durch den Apple Store entgegenrief: „Sorry, Sir, but we have to insist to use (sic!) the IC card instead of your bank card.“

 

Hä? Was war denn jetzt kaputt. Konnte der nicht einfach meine Karte nehmen und gut iss? Ich habe keine andere Karte. Und bis jetzt hat die überall funktioniert. Aber wie sollte ich mit dem guten Mann darüber diskutieren? 

 

Ich gab schließlich auf und ging. 

 

An der Tür fragte mich der nette Kanadier: „Na, was hast du gekauft?“

„Nichts. Die lassen mich nicht bezahlen.“ 

„Warum das denn?“

„Meine Karte würde hier nicht funktionieren, sagen deine Kollegen.“

„Was hast du denn für eine Karte?“

„Eine ganz normale, chinesische Bankkarte.“

„Natürlich funktioniert die. Warte mal, ich helfe dir.“

 

Er nahm meine Karte, führte die Bezahlung durch, und zwei Minuten später war alles erledigt. Ich machte mich auf den Weg zum Abendessen zu meinen Bekannten.

 

 

Und die Moral von der Geschichte?

 

Über dieses Erlebnis habe ich anschließend mit einigen chinesischen Freunden gesprochen. Sie haben mich jeweils gar nicht zuende erzählen lassen und meinten nur: „Mann, sind die doof bei Apple! Klar, die finden hier kein vernünftiges Personal. Wir sind hier nicht in Hongkong oder Shanghai. Wer hier nach Arbeit sucht, gehört zu den Losern.“ 

 

(Ja, Chinesen drücken ihre Meinung oft ziemlich unverblümt aus. Das überrascht mich auch immer mehr.)

 

Meine Vermutung ist vielmehr, dass bei Apple in Xiamen einige junge Leute mit einem abgeschlossenen Anglistik-Studium arbeiten, also wirklich keine Schlafmützen. Aber ich vermute, dass der Druck vor und nach der Eröffnung enorm war. Und unter Druck funktioniert meistens nichts wirklich. 

 

Man stelle sich vor: Bei einem Laden mit 50 chinesischen Mitarbeitern wurden 10 ausländische Trainer engagiert, die ihnen bei jeder Handbewegung auf die Finger schauen, weil alles Apple-typisch perfekt und stromlinienförmig zu laufen hat. 

 

Und dann noch diese idiotische Methode, keine vernünftige Kasse zum Bezahlen mehr zu haben, sondern nur noch Mitarbeiter mit einem Handy-artigen Zahlungsapparat auszustatten, der offenbar nicht alle Arten von Karten akzeptiert. Sehr seltsam.

 

Der Besuch im Apple Store in Xiamen war wirklich ein sehr seltsames Erlebnis.

 

 

Ich bin neugierig, was mit den Dutzenden falscher Apple-Läden in der Umgebung passieren wird. Werden sie trotzdem noch Umsatz machen, obwohl ein „echter“ Apple Store um die Ecke ist? Oder wird Apple nach einer gewissen Zeit doch noch ein großes, weißes Logo installieren?

 

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