Der neue Apple Store in Xiamen (Teil 1)

Der neue Apple Store in Xiamen von innen.
Der neue Apple Store in Xiamen von innen.

Podcasts: die zeitgemäße Form des Radiohörens, so behaupten manche.

 

Früher musste man sich vor dem Fernseher oder Radio zu einer bestimmten Zeit einfinden, um das Neueste vom Tage, den Wetterbericht, oder die Lage der aktuellen Staus zu erfahren. Wer das nötige Interesse an der Technik (und den passenden Geldbeutel) mitbringt, der kümmert sich kaum mehr um Staumeldungen, denn sein Navigationssystem versorgt sich selbständig mit den aktuellen Daten. Oder man benutzt eine entsprechende Software für das Smartphone, die etwas Ähnliches leistet.

 

Um den aktuellen Wetterbericht in Erfahrung zu bringen, schaut man auf sein Handy oder seine Armbandur, fragt Siri oder Cortana oder tippt vielleicht „Wetter“ in eine Suchmaschine ein. 

 

Seit der Einbindung von Podcasts in iTunes bin auch ich süchtig: Sprachkurse, Seminare über Psychologie, Kulturgeschichte, Musik und Linguistik, die neuesten, naturwissenschaftlichen Forschungsberichte nebst Interviews mit deren Autoren, Neues aus der Medizin, und Nachrichtensendungen aus drei Kontinenten. Niemals pünktlich zur vollen Stunde, aber immer auf Abruf bereit, wenn man Zeit und Interesse hat. 

 

Einer meiner Lieblings-Podcasts ist „Mac OS Ken“. Ein technikbegeisterter Mann durchforstet dort täglich die Medien nach Nachrichten über die Firma Apple und ihre Produkte. Dabei gelingt es ihm in der Regel, das Unwichtige oder Uninteressante wegzulassen. 

 

Ken Ray, der Host der Show, berichtet in 10-15 Minuten täglich über alles, was ihm wichtig oder interessant erscheint. Er spricht (amerikanisches) Englisch, und er garniert seine Sendung mit einer Prise seines durchaus nicht alltäglichen Humors. Ich höre diesen Podcast gern, weil er kurzweilig, nicht zu langatmig und oft informativ und unterhaltsam gleichermaßen ist. 

 

Irgendwann Anfang Januar berichete Ken Ray, dass in Xiamen (Fujian) ein Apple Store eröfnet werden sollte. Und zwar in der SM Shopping Mall. (Ja, sie heißt wirklich so!)

 

Der Apple Shop im SM-Center in Xiamen. Ein relativ durchschnittliches Bekleidungsgeschäft, das vermutlich einzig und allein von der Tatsache lebt, dass es einen berühmten Namen trägt. Markenrechte? Egal.
Der Apple Shop im SM-Center in Xiamen. Ein relativ durchschnittliches Bekleidungsgeschäft, das vermutlich einzig und allein von der Tatsache lebt, dass es einen berühmten Namen trägt. Markenrechte? Egal.

Das SM Lifestyle Center in Xiamen

 

Jeder, der einmal in Xiamen gelebt hat, weiß, wo das SM Center ist. Bei meinem nächsten Besuch in Xiamen fuhr ich also ins SM, um den neuen Apple Store zu besichtigen. 

 

Ich fragte zur Sicherheit vorher noch einmal einen chinesischen Freund, ob er auch schon davon gehört hätte. Er verneinte es und meinte, dass er sich nicht vorstellen könne, dass in einer so popeligen Stadt wie Xiamen ein Apple Store eröffnet werden würde. 

 

10 Minuten später schickte er mir eine Kurznachricht, dass der Store tatsächlich eröffnet worden sei. 

 

Das SM Center in Xiamen besteht eigentlich aus zwei, relativ großen Einkaufszentren. Im älteren Teil findet man neben Restaurants auch die üblichen, chinesischen Bekleidungsgeschäfte und Unmengen von Computer-Läden, von denen die meisten auch das Apple Logo tragen. 

 

 

Computer-Malls in China 

 

In den Computer- oder Handy-Geschäften in China mit dem Apple Logo kann man echte, fast echte oder gefälschte Apple-Produkte kaufen. 

 

In der Regel funktionieren die Computer-Malls in China alle nach demselben Prinzip. Äußerlich scheint es sich um konkurrierende, kleine Geschäfte zu handeln. Zig oder Hunderte in einem Einkaufszentrum. In Peking gab es schon vor 10 Jahren einen ganzen Stadtteil in der Größe einer deutschen Großstadt, der hauptsächlich aus Elektronik-Märkten bestand - riesigen Shopping-Malls, in denen sich eine unüberschaubare Menge von kleineren Händlern und Geschäften befand. 

 

Tatsächlich kaufen alle Geschäfte eines Shopping-Centers sämtliche Produkte an einer zentralen Stelle im Haus ein. Wenn dann ein Geschäft ein Produkt nicht vorrätig hat, genügt ein Anruf in der Zentrale irgendwo im Haus, die dann ggf. an einen „Kollegen“ nebenan verweist. Im Prinzip ist es wirklich völlig egal, in welchem der Läden man seine Computer oder Handys kauft. Man sucht sich am besten jemanden aus, der einem sympathisch erscheint. Und mit dieser Person kann man dann langfristig im Geschäft bleiben. 

 

Je länger man sich kennt, desto einfacher wird in der Regel die Kommunikation. Das gilt auch und vor allem für China. 

Manchmal kennt man einen Verkäufer oder Händler schon über ein paar Ecken, er ist der Freund oder Verwandte eines Bekannten, aber das ändert auch am Preis oft relativ wenig. Die Gewinnspannen sind hier sowieso überschaubar. 

 

Was sich ändert, das sind vielleicht der Service oder die Lieferzeiten. Ich habe einmal für den Freund eines Freundes in dessen Geschäft ein nagelneues Handy bestellt, dass sonst überall ausverkauft bzw. nicht lieferbar war. Über  Beziehungen bekam ich es trotzdem. Sofort. Ohne Aufpreis.

 

Wer nicht so sehr auf solche kompetitiven Konsum-Orgien steht, der wird sich allerdings in den meisten Computer-Malls in China schnell langweilen. Es gibt hier weder das Allerneueste noch die höchste Qualität. Wer das Neueste, Schnellste oder Beste kaufen will, wird auch im heutigen China vernünftigerweise zu einem Markengeschäft gehen. Und die gibt es in den Großstädten überall.  

 

Natürlich hört man immer wieder Geschichten von genialen Angeboten in irgendeinem Shopping-Center. Aber es sind meist Legenden oder Gerüchte oder gelungene Online-Werbe-Kampagnen, die niemand auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft hat, sondern einfach kopiert und in den sozialen Netzwerken weiterverbreitet.

 

Es gibt für misstrauische Menschen allerdings einen Grund, zum „echten“ Apple Store zu gehen: Das Gefühl, ganz gewiss ein echtes Original-Produkt erstanden zu haben. 

 

Ich wollte einfach sehen, ob es in Xiamen wirklich einen Apple Store gibt. 

 

 

Die Pilgerfahrt zum neuen Apple Store

 

Ich wollte schon gerne diesen kleinen Ausflug machen. So ungefähr, wie wenn in Deutschland jemand am Nachmittag oder am Wochenende zu IKEA geht. Ohne etwas kaufen zu wollen und ohne etwas zu brauchen. Einfach so aus Jux und Gaudi. 

 

In Xiamen war ich sowieso, weil ich dort einen Tag Unterricht hatte.

 

Ich dachte mir, der Apple Store würde sich sicher im neueren Teil des SM-Centers befinden, wo man neben Starbuck’s auch Calvin Klein und andere Marken findet, die in China nach Geld und/oder Luxus klingen. 

 

Ich stand im Erdgeschoss neben besagtem Kaffeegeschäft und schaute mich um. Alles glänzte silbrig und neu, aber weit und breit kein Apple Store. Ich suchte nach einer Informationstafel oder einem Informationsstand. Nicht besetzt. 

 

Also ging ich zur Rolltreppe, die in den ersten Stock führte. Neben der Rolltreppe war eine Orientierungstafel: Apple im Erdgeschoss. Aber da war ich doch gerade, also musste die Tafel fehlerhaft sein. Ich wollte weiter suchen. 

 

Vielleicht hatten sie sich in der Nummerierung vertan. Also suchte ich im ersten Stock (in China 2. Stock genannt). Dort fand ich ein Schuhgeschäft, wo ich aus lauter Übermut ein paar sinnlos überteuerte Schuhe anprobierte. Die Verkäuferinnen hatten Langeweile, weil wie fast überall in China der Einzelhandel ziemlich am Boden liegt. Wir begannen irgendwann einen kleinen Smalltalk.

 

Dabei fragte ich sie: „Sag mal, hast du etwas von einem neuen Apple Store hier gehört?“ Sie sagte: „Ja klar, gibt es ein Apple-Geschäft, und zwar im Gebäude 1 (dem alten Teil) im ersten Obergeschoss.“

 

Ich ging über die (vollkilimatisierte und von Maschinengewehr-bewehrten SWAT-Kämpfern beschützte) Fußgänger-Brücke ins Nachbargebäude, wo ich tatsächlich im Obergeschoss den Apfel-Laden sah. Buchstäblich. Zuerst dachte ich, es müsste ein Witz sein. Aber es war keiner.

 

Dort gab es einen „Apple Shop“. (siehe Bild)

 

Also rief ich meinen Kumpel an und sagte: „Hier gibt’s keinen Apple Store.“ Er erwiderte: „Klar gibt es einen. Und zwar im neuen Teil des SM Centers im Erdgeschoss.“ - „Da war ich schon, da ist nichts. Nicht mal ein Apple Logo.“ - „Na, vielleicht haben die Ärger mit der Regierung, und die haben verboten, einen Laden zu eröffnen.“

 

Mein Bekannter ist Chinese. Nur zur Klarstellung. 

 

(Fortsetzung)

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