Guangbing (光饼)

Guangbing (光饼) aus Fuqing (福清). Wenn man sie so sieht, könnte man meinen, es wären leckere Sesambrötchen. Gemäß der Tradition müssten sie ein Loch in der Mitte haben, denn die Soldaten sollten sie auf eine Schnur aufziehen und über der Schulter tragen.
Guangbing (光饼) aus Fuqing (福清). Wenn man sie so sieht, könnte man meinen, es wären leckere Sesambrötchen. Gemäß der Tradition müssten sie ein Loch in der Mitte haben, denn die Soldaten sollten sie auf eine Schnur aufziehen und über der Schulter tragen.

In Fujian (und vermutlich auch in anderen Gegenden Südchinas) gibt es eine besondere, kleine Delikatesse, den (die/das) Guang Bing.

 

Bing (饼) meint ein Fladenbrot oder einen kleinen Kuchen. Und Guang (光) bezieht sich auf einen Heerführer mit dem Namen Qi Jiguang (戚继光), der einer Legende (bzw. der geschichtlichen Überlieferung) nach im Jahr 1563 einen Feldzug in Südchina anführte und auf der Suche nach besonders Feldzug-tauglicher Verpflegung für seine Soldaten war. 

 

Er entschied sich für diesen kleinen Brote, die die Soldaten an einer Schnur aufgezogen über der Uniform tragen konnten. Sie waren lange haltbar und versorgten die Soldaten mit allem zum Überleben und Kämpfen Notwendigen. Daher haben auch die meisten Guangbing ein kleines Loch in der Mitte. Ich habe aber auch einige gesehen, die das nicht hatten. 

 

 


Einige Menschen in der Gegend um Fuzhou behaupten, die besten oder vielleicht sogar die originalen Guangbing kämen aus Fuqing (福清), einer „kleinen“ Nachbarstadt Fuzhous. „Klein“ in Anführungszeichen, da auch Städte, die so groß wie Berlin sind, in China noch eher als „klein“ gelten.


Diese „originalen“ Guangbing sind mit einer Mischung aus Fleisch, Gemüse und Gewürzen gefüllt. Die Füllung ist auch leicht gesüßt. Deshalb finden meine Freunde aus Nordchina diese Brote widerlich. Menschen aus Fuzhou oder auch aus der Gegend um Shanghai meinen vermutlich, die Süße wäre besonders köstlich. Ohne Zucker fände ich sie besser, aber man kann sich eben nicht alles aussuchen.


So sieht ein Guangbing von innen aus: gefüllt mit Gemüse und Fleisch. Der Geschmack erinnert entfernt an Grünkohl oder Wirsinggemüse, nur eben leicht gesüßt.
So sieht ein Guangbing von innen aus: gefüllt mit Gemüse und Fleisch. Der Geschmack erinnert entfernt an Grünkohl oder Wirsinggemüse, nur eben leicht gesüßt.

Ich mag die ungewöhnliche Verbindung aus Fleisch, Gemüse und osteuropäischen Gewürzen besonders. Was mir aber am meisten gefällt, das ist das harte, fast zähe Äußere dieser Brote. Es ist das erste Mal, dass ich in China etwas gefunden habe, das einem Vollkornbrötchen mit Biss nahekommen könnte. 

 

Einheimische sagten mir wiederholt: „Dies sind die chinesischen Hamburger!“ Und vermutlich meinten sie damit, dass sie lecker wären. 

 

Denn die meisten Chinesen, denen ich begegnet bin, denken, dass ich Amerikaner wäre und dass alle Amerikaner dauernd nur Hamburger essen würden. Der Hinweis auf die Ähnlichkeit mit einem Hamburger scheint für sie eine Bekräftigung dessen zu sein, dass ein Guangbing besonders gesund oder lecker wäre.

 

Übrigens habe ich ganz verschiedene Kuchen oder Brote gefunden, die von den Verkäufern jeweils „Guangbing“ genannt wurden. Ich vermute, das ist eher ein Verkaufstrick, weil diese Namen symbolhaft für eine berühmte, lokale Spezialität stehen. Es geht also um Tourismus und geschicktes Marketing.

 

Einige Chinesen werden vermutlich sagen, die Guangbing, die auf den Fotos hier zu sehen sind, wären keine „echten“ Guangbing. Aber das spielt eigentlich auch keine Rolle. Diese Guangbing hier sind nämlich extrem lecker, und deshalb wollte ich kurz davon erzählen. Ich habe einmal drei Stück gegessen und war wirklich pappsatt. Es ist gut nachvollziehbar, dass ein Soldat mit 3-5 Guangbing pro Tag auskommen und marschieren konnte. Wenn man heute mehr als einen pro Tag isst, dann kann man sich sicher sein, dass ein paar zusätzliche Pfunde auf den Hüften hängen bleiben werden. 

 

Die Guangbing sind wirklich erstaunlich haltbar. Frisch, noch warm, schmecken sie selbstredend hervorragend. Aber auch nach einem,  zwei oder drei Tagen schmecken sie noch ausgesprochen gut. Es macht ja auch Sinn, dass eine Feldration länger haltbar ist als normales Essen.

 

Guangbing sind am ersten Tag schon richtig zäh. Knusprig wäre vielleicht wirklich zu viel geschmeichelt.  Aber genau deshalb mag ich sie ja auch so sehr, denn alles andere, das hier in China „Brot“ genannt wird ist so weich, „lätschig“ würden die Schwaben sagen, dass einem davon und darauf der Appetit recht schnell vergehen kann.   

 

Da ich bisher die „originalen“ Guangbing außer in Fuqing noch in keiner anderen Stadt entdeckt habe, muss ich also hinzufügen: Kommen Sie nach Fuqing und fragen Sie nach Guangbing - in der Hoffnung, dass man ihnen dann einen guten Guangbing-Stand zeigt.

 

Guten Appetit! 

Kommentar schreiben

Kommentare: 3
  • #1

    Linh (Donnerstag, 23 April 2015 12:16)

    Hallo, das klassische Gästebuch gibts ja nicht mehr, daher die Grüße hier rüber!
    Vielen Dank für die vielen tollen Post (ich habe alle gelesen!), die sehr aufschlussreich sind und dazu beitragen, dass ich die Chinesen (unsereiner wird ja Banane genannt) besser verstehe. Jetzt weiß ich, warum sie auf meine Berliner Schnauze teilweise gar nicht reagieren oder einfach nur loslachen. Man lernt nie aus.

  • #2

    Rainald Runge (Donnerstag, 23 April 2015 12:53)

    Hallo Linh,
    herzlichen Dank für Deinen lieben Kommentar!
    Ja, leider haben die Blogs bei Jimdo, meinem Provider, sehr wenige Funktionen und erscheinen in mancherlei Hinsicht schon etwas steinzeitlich.
    Auf der anderen Seite geht es ja um den Inhalt bzw. darum, dass man etwas über den Alltag in China erzählen kann. Und dafür reicht es eigentlich auch.
    Dir auch alles Gute und weiterhin viel Freude beim Lesen!
    RR

  • #3

    Barbara (Donnerstag, 02 Juli 2015 04:46)

    Wunderbar zu lesen, wir haben uns sehr gefreut. liebe Grüße Barbara

TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogverzeichnis > </a> </body> </html>
blogwolke.de - Das Blog-Verzeichnis </body
Blogverzeichnis