Wetter in China - Von Luftfeuchtigkeit und Wäschetrocknern (Teil 2)

Der Blick vom Balkon im 18. Stock auf die Mündung des Drachenflusses in Xiamen. Wer so weit oben wohnt, braucht an der Küste wirklich keine Klimaanlage.
Der Blick vom Balkon im 18. Stock auf die Mündung des Drachenflusses in Xiamen. Wer so weit oben wohnt, braucht an der Küste wirklich keine Klimaanlage.

Dies ist eine Fortsetzung des Artikels Wetter in China - Von Luftfeuchtigkeit und Wäschetrocknern (Teil 1)

 

 

Luftfeuchtigkeit

 

Während der Norden also generell eher trocken ist, ist der Süden eher feucht. 

 

Wenn man hier lebt, fällt einem das überhaupt nicht auf. Aber als ich zum ersten Mal nach Xiamen flog - ich kam gerade aus Peking - da verschlug es mir schon am Flughafen den Atem. Es fühlte sich an wie in einem Gewächshaus. Und wir hatten erst April damals. Als ich im Juni ein zweites Mal hierher kam, da dachte ich tatsächlich, ich könnte den Sommer hier nicht überstehen. Es schien unerträglich heiß und schwül.

 

Jetzt finde ich das Wetter hier zwischen April und Oktober - abgesehen vom Regen - einfach nur grandios. Ich kann mir schon kaum mehr vorstellen, irgendwo anders zu leben. Und das Wetter ist sicher auch ein Grund dafür. 

 

Dank des Windes und der Sonne trocknet die Wäsche meist trotzdem recht schnell. Man muss sie aber vor ca. 17 Uhr wieder abhängen, sonst wird sie von der Abendfeuchte wieder nass. In der Regel sind die meisten Kleidungsstücke nach ein paar Stunden völlig trocken.

 

Hier in Nordfujian, wo ich jetzt lebe, sind der Winter und der Frühling aber eine kleine Geduldsprobe. 

Der Winter geht eigentlich. Er ist ungefähr so wie in Deutschland: feucht und kalt, aber eben ohne Zentralheizung und mit kaum schließenden Fenstern. 

 

Man friert also wie ein Schneider, man zieht sich zwei lange Unterhosen an oder man heizt für die Straße. Meist suche ich einen Mittelweg. Die Stromkosten im Winter sind dank des Heizlüfters jedoch enorm. 

 

Fenster auf - Fenster zu!

 

Hier fällt im Winter und im Frühling kein Platzregen, sondern eher Nieselregen. Mit anderen Worten: wochenlang 100% Luftfeuchtigkeit.

 

Mein Nachbar erzählte, im Jahr 2014 hätte es zwischen Februar und Juni jeden Tag geregnet, bis sämtliche Möbel, die Matratze und seine gesamte Wäsche angeschimmelt waren oder vermodert rochen.

 

Es gibt nur einen Grund dafür: Er ist Deutscher und hat nach deutscher Tradition gelüftet, also praktisch nie. Das mag (scheinbar) für den Energieverbrauch gut sein, aber es fördert auch das Schimmelwachstum in der Wohnung. 

 

Auch dies ist ein Grund dafür, warum die Südchinesen ganzjährig die Fenster im Haus geöffnet halten. Nur wenn die Luft zirkuliert, kann man Schimmel und andere Krankheitskeime in Schach halten. Dementsprechend gut abgehärtet erscheinen mir auch viele Studenten hier. Sie verbringen ein gesamtes Leben neben geöffneten Fenstern. 

 

Übrigens gibt es in den allermeisten Schulen und Universitäten hier weder Klimaanlage noch Heizung. Wer die Schulzeit überlebt, den haut so schnell nichts mehr um. Sitzen Sie mal bei 12 Grad und 100% Luftfeuchtigkeit und geöffneten Fenstern den ganzen Tag am Schreibtisch. Das härtet ab.

 

(An dieser Stelle sei auf einen kurzen Bericht zum Thema Fenster verwiesen.)

 

Ein typischer Wäschetrockner, wie sie hier in Südchina vor allem verkauft werden.
Ein typischer Wäschetrockner, wie sie hier in Südchina vor allem verkauft werden.

Wäschetrockner


Nun zum eigentlichen Thema. Im Winter und im Frühling wird die Wäsche hier einfach nicht trocken. Überhaupt nicht.


Ich glaube, ich muss mir auch einen Wäschetrockner kaufen. 


Wie sieht hier ein Wäschetrockner aus? Hier kann man auch diese den Waschmaschinen ähnlichen Geräte kaufen, die wir in Deutschland kennen. Sie kosten eben nur, gemessen am Einkommen, das Zehnfache. 


Der Durchschnittsmensch hier im Südosten kauft sich so ein Ding, wie es oben auf dem Foto zu sehen ist. Es ist eigentlich ein äußerst billiger und primitiver Stoff- oder Plastik-Kleiderschrank, an dem unten ein größerer Fön angebracht ist. Dort hinein hängt man seine Kleider und Schuhe. Nach angeblich 90 Minuten ist alles trocken. 


Ich habe mich gefragt, wohin man dieses Ding stellen sollte. Ins Badezimmer, das dann von der Abwärme geheizt werden kann? Ich vermute, die meisten Leute stellen es sich auf den Balkon oder ins Wohnzimmer neben das (geöffnete) Fenster.


Im Prinzip ist das ja eine genial einfache Erfindung. Egal ob es nun aus deutscher Sicht Energieverschwendung ist oder nicht, man braucht hier so etwas. Oder aber man zieht ständig feuchte Kleidung an.


Der Wäschetrockner besteht aus einem billigen Stoff-Kunststoff-Kleiderschrank mit einem großen Fön drin. Genial einfache Konstruktion.
Der Wäschetrockner besteht aus einem billigen Stoff-Kunststoff-Kleiderschrank mit einem großen Fön drin. Genial einfache Konstruktion.

Du holst dir noch den Tod…


Apropos feuchte Kleidung. Ich habe im Fitness-Studio beobachtet, wie sich viele Einheimische nach dem Duschen nicht abtrocknen. Sie haben überhaupt kein Handtuch dabei. Sie waschen sich mit einem großen Waschlappen, und nach dem Duschen wird dieser ausgewrungen und dient quasi als Handtuch. Auf die noch feuchte Haut zieht man die Kleidung an. 


Die deutsche Oma würde sagen, man holt sich den Tod davon, vor allem, wenn es im Winter unter 15 Grad hat. Aber die Menschen hier im Süden sind es wohl gewöhnt. 


Deshalb vermute ich eigentlich auch, dass nur die „Weicheier“ und wir Ausländer uns so einen Wäschetrockner kaufen würden. Die echten Einheimischen trocknen ihre Kleider am Körper mithilfe der eigenen Körperwärme.


Wenn Ihnen Ihre Mutter oder Oma das nächste Mal sagt, sie würden sich den Tod holen, wenn Sie mit feuchter Kleidung am Leib herum laufen, dann erzählen Sie ihr doch einfach von den Menschen in Fujian. 


Die sind robust, gesund und lebenslustig - trotz feuchter Kleidung am Leib.

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