Wetter in China - Von Luftfeuchtigkeit und Wäschetrocknern (Teil 1)

Wohnen in Küstennähe in Xiamen in Südostchina. Ganzjährig traumhaftes Wetter, ständige Überraschungen inbegriffen. 10 Minuten vor diesem Foto schien die Sonne, drei Minuten danach schien das Ende der Welt nahe, so heftig war der Gewittersturm.
Wohnen in Küstennähe in Xiamen in Südostchina. Ganzjährig traumhaftes Wetter, ständige Überraschungen inbegriffen. 10 Minuten vor diesem Foto schien die Sonne, drei Minuten danach schien das Ende der Welt nahe, so heftig war der Gewittersturm.

China ist anders - auch das Wetter

 

Das Wetter in China unterscheidet sich deutlich von dem, was wir in Deutschland gewöhnt sind. 

 

Es gibt ja auch Fachwörter, die das Wetter hier beschreiben, aber uns Laien hilft das wohl weniger. Kurz gesagt: Es ist anders, ganz anders, als in Deutschland.


Der Norden

 

Im Norden Chinas ist es vor allem trocken. Während meiner ersten Aufenthalte in Peking musste ich mich damit abfinden, stets einen Lippenstift zum Einfetten der Lippen dabeihaben zu müssen. Wenn ich den vergaß, dann genügte schon ein einstündiger Spaziergang im Park, um meine Lippen zum Aufspringen zu bringen. Ebenso war eine kleine Tube Handcreme mein ständiger Begleiter.

 

Vielleicht sind andere Menschen mit einer widerstandsfähigeren Haut gesegnet, aber mir erging es so. Im Sommer war es heiß und trocken, viel heißer als in Deutschland. Und im Winter war es kalt und trocken. Natürlich regnete es auch einmal, aber meist nur kurz und gelegentlich kurz und heftig, was man sonst wohl eher vom Süden erwarten würde. 

 

Wenn es im Winter geschneit hat, dann verschwand der Schnee innerhalb von Stunden, und zurück blieb eine trockene Straße. Er schmolz nicht, er sublimierte. Er „verdampfte“ sozusagen, ohne überhaupt zu schmelzen. Das zu beobachten war schon faszinierend.

 

Im Norden ist es also im Sommer heißer als in Deutschland und im Winter kälter als in Deutschland. Wenn ich „Norden“ sage, dann denke ich an Peking. Wenn man noch weiter in den Norden geht, dann wird das Wetter noch abenteuerlicher. 

 

Eine Bekannte aus Xinjiang im Nordwesten erzählte mir, dass die Sommer wochenlang 40 oder mehr Grad heiß sind, und im Winter in der Regel längere Zeit zweistellige Temperaturen unter Null herrschen. 

 

Bitte stellen Sie sich das ohne Dreifachverglasung und Wärmedämmung vor. Versuchen Sie es wenigstens.

 

Der Süden 


Im Süden wird es im Winter nicht so kalt. Ich wohne hier ungefähr auf halbem Wege zwischen Schanghai und Hongkong. 


Im Sommer wird es selten und nur in den Großstäden, die natürlich hoffnungslos zubetoniert sind, 40 Grad heiß. In den benachbarten Bergen, ca. 20 km entfernt, herrschen deutlich moderatere Temperaturen.


Im Winter schneit es eigentlich nie, die tiefste Temperatur, die ich hier in den letzten sechs Jahren erlebt habe, lag bei ungefähr 5 Grad (Plus), einmal an einem Wintermorgen. Das ist aber wirklich selten. Das typische Winterwetter hat zwischen 9 und 13 Grad bei Wolken oder Regen oder 15 bis 20 Grad, wenn die Sonne scheint. Trotzdem muss ich in den Norden reisen, um im Winter wirklich einmal Winter zu erleben. Auch deshalb bin ich dankbar, wenn mich mein Beruf einmal im Jahr, meist im Winter, nach Peking führt.


Wirklich spannend ist das mit dem Regen hier. Je weiter man in den Süden und je weiter man an die Küste kommt, desto ausgeprägter sind die Winde, die die Hitze sehr gut erträglich machen. Ich habe schon einen gesamten Sommer in Xiamen ohne Klimaanlage im 5. Stock überstanden. Im 18. Stock und direkt an der Küste braucht man sowieso keine Klimaanlage. Fenster auf, und das Südsee-Paradies kommt ins Wohnzimmer. In diesen Genuss kam ich einmal einen ganzen Sommer lang, einfach unvergesslich!


Der Wind bringt aber eben auch überraschende und überaus heftige Regenfälle mit sich. Ich habe es hier in Fujian mehrfach erlebt, dass ein strahlend blauer Himmel innerhalb von Minuten pechschwarz wurde und die zuvor trockenen Straßen sich in Sturzbäche verwandelten. 


Einmal brach die Kanalisation in Xiamen unter der Last der plötzlichen Regenfälle zusammen, das Regenwasser staute sich zurück, und auf dem Campus der Universität schwammen die 1-Meter-Welse aus dem benachbarten Tempelteich auf dem Parkplatz zwischen den Autos umher. Die Mutigen unter den Studenten fingen sie mit den bloßen Händen und posteten die Selfies online.



Farewell, Mistwetter


Es gibt in Südchina aber nicht das typisch deutsche Mistwetter, das uns so vertraut ist: wochenlang grau und kühl und feucht und häufig nieselnd oder regnerisch.


Hier in Südostchina ist das Wetter grundsätzlich besser und angenehmer, wären da nicht die plötzlichen, sintflutartigen Regenfälle.


Der ganz normale Wahnsinn: Für Frauen waren Sandalen im Obst-Design der letzte Schrei in den letzen Jahren.
Der ganz normale Wahnsinn: Für Frauen waren Sandalen im Obst-Design der letzte Schrei in den letzen Jahren.

Die Rettung: Badelatschen


Das klingt nicht so schlimm, aber zwischen April und November laufen die Einheimischen (und ich irgendwann auch einmal) nur noch in Badelatschen rum, und am besten auch noch mit kurzen Hosen oder den in China seit einigen Jahren so modernen Dreiviertel-Hosen.


Wenn man aber einen Beruf ausübt, bei dem offizielle oder gepflegte Kleidung wichtig ist, dann muss man sich daran gewöhnen, entweder den ganzen Arbeitstag in feuchten Kleidern und mit nassen Socken zu verbringen, oder man macht’s so wie die Einheimischen: Sie tragen fast nie Socken - auch nicht in schwarzen Lederschuhen, und im Büro hat man notfalls noch ein Paar Schuhe herumstehen. 


Oder aber man läuft auch im Anzug noch mit Badelatschen herum. Auch keine Seltenheit.



 

260 km weiter nördlich: eine andere Klimazone

 

Im letzten Sommer bin ich 260km weiter nach Norden in die Provinzhauptstadt gezogen. Das Wetter dort hat mich dann doch überrascht. 

 

Im Juli und August herrschten in der Stadt tatsächlich täglich weit über 40 Grad, und im Winter wochenlang um die 10 Grad. Dazu kommt noch im Sommer der tägliche Gewitter-Regen, der gegen 16 Uhr einsetzte und manchmal mit mehreren Unterbrechungen bis nach 20 Uhr andauerte. Was für ein Sommer! Zum Glück konnten wir die meisten Ferientage in den benachbarten Wäldern und Bergen verbringen. Wir mussten eben vor 16 Uhr wieder zu Hause sein. 

 

Mehr als einmal standen wir mit dem Motorrad um 16:30 Uhr im Platzregen unter einer Brücke. Es macht Sinn, im Sommer zu verreisen. Oder man kauft sich ein Häuschen in den Bergen. So tun es viele Einheimische. 

 

Der Herbst ist im Süden Fujians sehr, sehr angenehm, und er dauert eine gefühlte Ewigkeit. Sommer und Winter kommen mit Gewalt, dauern aber nicht so lang. Der Frühling ist die qualvollste Jahreszeit, denn hier fällt anscheinend der meiste Regen. Die Wasserreservoirs und Stauseen zeigen zu Frühlingsbeginn oft gähnende Leere, weshalb sich die Einheimischen über den Frühlingsregen oft freuen. 

 

 

Wenn der Straßenbauingenieur nicht zuende denkt…

 

Das wäre ja alles kein Problem, gäbe es da nicht das Problem mit den ständig nassen Füßen. Das Wasser auf den Straßen läuft nämlich nicht ab, wie wir das aus Deutschland kennen. Es gibt weder ebene Straßen - und seien sie auch noch so neu! - in China, noch gibt es links und rechts Gullys, in die das Wasser einfach abfließen könnte. Natürlich gibt es sie hier auch, aber das Ganze scheint hier nicht zu funktionieren. 

 

Beim kleinsten Regen stehen überall riesige Pfützen, vor allem dort, wo man sie nicht braucht, z.B. an Bushaltestellen, auf Parkplätzen, an der Fußgängerampel, vor dem Hauseingang. Es scheint manchmal so, als würden sie Straßenarbeiter absichtlich solche Wasserfallen in den Straßenbelag integrieren, um den Rest der Menschheit zu ärgern. 

 

Dies ist eines der (ganz wenigen) Ärgernisse in China, die mich bis heute noch einiges an Nerven kosten. Ein Ärgernis ist es eben, weil es ja auch anders geht. Aber dazu bräuchte es einen Straßenbauingenieur oder einen Straßenplaner, dem das auch wichtig ist. Ich vermute nur, die zuständigen hohen Herren haben das Laufen längst eingestellt und bewegen sich nur mit Chauffeuer fort. Die wissen möglicherweise überhaupt nichts von diesem Problem.

 

Ich hoffe inständigst, dass im Zuge des allgemeinen Fortschritts in China auch irgendwann einmal jemand auf die Idee kommt, die Straßen „regentauglich“ zu bauen. Dann kann ich auch wieder mit anständigen Schuhen herumlaufen. 

 

Bis dahin allerdings genieße ich weiterhin die Badelatschen, von denen ich inzwischen etliche Paare in allen Farben und Formen habe.

 

(Fortsetzung)

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Uli (Sonntag, 15 März 2015 14:18)

    Lieber Rainald,

    ja lustig mit den Badelatschen :-)
    Dies erinnert mich ein wenig an Australien, wo ich mal ein paar Bankangestellte mit kurzen Hosen und Jacket kennen lernen durfte - "kurze Hosen: alles ganz normal" hieß es.

    Danke für die ausführliche Schilderung - ist in unseren gemäßigten Breiten ja kaum nachvollziehbar.
    Ständig nasse Füße - bäh, wie unangenehm...

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