Gesund leben in China - Trinkwasser (Teil 5)

Ein Wasser-Reservoire in Zhangzhou, Südostchina. Zahlreiche große Stauseen wurden in den letzten Jahrzehnten in China gebaut, um die Wasserversorgung zu sichern und die Hochwassergefahr zu verringern - mit Erfolg.
Ein Wasser-Reservoire in Zhangzhou, Südostchina. Zahlreiche große Stauseen wurden in den letzten Jahrzehnten in China gebaut, um die Wasserversorgung zu sichern und die Hochwassergefahr zu verringern - mit Erfolg.

Dies ist eine Fortsetzung des Textes Gesund leben in China - Trinkwasser (Teil 4)


Kochen heißt reinigen


Als ich im Sommer 2014 an meinem neuen Wohnort einen neuen Wasserlieferanten suchte, fragte ich in der Nachbarschaft herum. Die Leute sagten mir immer wieder: „Mineralwasser zu Hause? Das braucht man doch nicht! Wir kaufen auch kein Wasser. Das ist unnötig. Das ist Geldverschwendung. Wir trinken nur gekochtes Wasser. Das ist gesund und sauber.“


Gekochtes Wasser ist per definitionem nicht nur keimfrei, sondern generell gesund und sauber. Auch alle chemischen Verunreinigungen verschwinden durchs Kochen. Und selbstverständlich auch alle Belastungen durch Schwermetalle und ähnliche Gifte.


Leider glauben das die meisten Leute hier, sofern sie sich überhaupt für die Art der Verunreinigungen und Gifte interessieren. Viele ahnen überhaupt nicht, was alles im Wasser oder in der Umgebung sein könnte.  

 

In Restaurants wird das Gemüse nur kurz unter fließendem Leitungswasser abgespritzt, nicht gewaschen, und schon gar nicht gründlich gewaschen. Gurken, Karotten und anderes Gemüse werden oft nicht geschabt oder geschält. Dass sich vor allem in der Schale die Gifte ansammeln, will niemand hören, denn das Gemüse wurde ja gekocht.

 

Viele glauben, dass das Dünsten in Öl sämtliche Gifte aus dem Gemüse herauswaschen würde. Wohin das Gift dann allerdings gehen sollte, das weiß keiner. Denn selbstverständlich wird das Essen immer in dem Sud, in dem es gedünstet wurde, serviert. Man isst die Gifte also mit. So oder so. 

 

In China sind ganz viele Leute tatsächlich davon überzeugt, dass allein durch das Kochen oder Erhitzen des Essens sämtliche gefährlichen oder giftigen Inhaltsstoffe oder Verunreinigungen beseitigt würden. 

 

 

Kochen oder Braten befreit nicht von Umweltgiften

 

Ich habe nur ein einziges Mal mit einem Studenten, der naturwissenschaftlich orientiert war, versucht, darüber zu diskutieren. Ich versuchte, ihn davon zu überzeugen, dass allein durch Kochen oder Dünsten in Öl keine wirklich gefährlichen Gifte verschwinden können, sondern sich stattdessen sogar möglicherweise im Sud anreichern könnten. 

 

Nach langem Hin und Her sagte sinngemäß: „Schaden kann es nicht. Außerdem tun das die Chinesen seit langer Zeit. Und bevor ich etwas Anderes tue, von dem ich nicht weiß, welche Vor- oder Nachteile es hat, bleibe ich lieber bei dem, was alle tun. Ich koch alles Gemüse und esse es, weil es gesund und einwandfrei ist."

 

Also wechselte ich das Thema. Seitdem habe ich nie wieder mit irgendjemandem darüber gesprochen. Aber ich denke fast täglich daran, wenn ich irgendwo etwas esse oder Gemüse kaufe. Dies ist übrigens ein Grund dafür, warum viele Chinesen Salat oder Rohkost für ungesund, ja sogar gefährlich halten, und warum alle, die es sich leisten können, auch nur Gemüse kaufen, auf dem "Import" steht. Und die oberen Zehntausend (in China sind es wohl mehr die oberen 10 Millionen) essen sowieso ganz anderes Essen und kaufen in ganz anderen Geschäften ein. Die sind relativ sicher und würden auch relativ gesund leben, wenn sie nicht so viel rauchen und so viel Alkohol trinken würden. Aber das ist eben ein Teil der aristokratischen Kultur hier.


Und wer es zu etwas bringen will, der gewöhnt sich am besten schon als Teenager das Rauchen und Saufen an. Etliche Chancen für gute Geschäfte und interessante Zusammenarbeit habe ich abgelehnt, weil ich mich - auch nach etlichen Jahren in China - noch weigere, meine Gesundheit durch Alkohol, Zigaretten und Sex mit Fremden zu ruinieren. Denn das ist die Basis vieler Geschäfte mit dem Mob oder mit der Aristokratie in China. In China glaubt mir einfach niemand, dass meine Leber schon in jungen Jahren angeschlagen war (nicht durch Alkohol natürlich!). Und daher meide ich Alkohol wirklich, obwohl ich mich über jeden teuren, französischen Wein, der mir geschenkt wird, freue. Aber letzten Endes verschenke ich ihn doch immer nur weiter. Denn ein Achtele Rotwein hat auf mich ungefähr die gleiche Wirkung wie ein halber Liter Schnaps auf einen Durchschnittschinesen. Und das ist nicht lustig.


Zurück zum Thema!

 

 

Sauberes Wasser und Mineralwasser

 

Meine deutschen Kollegen - und auch viele Chinesen - zweifeln auch den Reinheitsgehalt des sogenannten Quellwassers an und kaufen deshalb auch kein Quellwasser, sondern nur „gereinigtes Wasser“, das sie anschließend gründlich abkochen, bevor sie es trinken. 

 

Noch einmal zur Wiederholung:

Leitungswasser ist zu ungesund und gefährlich. Deshalb kauft man Trinkwasser in großen Wasserflaschen. Dieses Wasser gibt es in zwei Qualitätsstufen: gefiltertes oder gereinigtes Wasser und Mineral- oder Quellwasser. Weil das Mineralwasser nach Meinung einiger in der Regel verschmutzt, giftig oder nur umetikettiertes, gereinigtes Wasser ist, kauft man also das billigere gefilterte Wasser. Weil das aber untrinkbar ist, kocht man das ab und trinkt es dann.

 

Logisch? Logisch!

 

Ein Freibad in einem der Außenbezirke von Xiamen. Es liegt am Fuße eines Berges. Das Freibad wird mit Quellwasser aus den Bergen gespeist. Erstaunlich für ein Land, in dem sauberes Trinkwasser angeblich schwer zu finden ist.
Ein Freibad in einem der Außenbezirke von Xiamen. Es liegt am Fuße eines Berges. Das Freibad wird mit Quellwasser aus den Bergen gespeist. Erstaunlich für ein Land, in dem sauberes Trinkwasser angeblich schwer zu finden ist.

Importiertes Wasser

 

Eine ziemlich reiche Bekannte in Xiamen trinkt nur importiertes Wasser. Nur das! Sie trinkt nur Evian und anderes französisches Quellwasser. Und sie sagt, alle ihre Freunde und Freundinnen, ihre gesamte Familie sogar, würden das ebenso tun. 

 

Wohl bemerkt: Wenn ich täglich nur Evian trinken würde, ginge mein gesamtes Gehalt ausschließlich für Wasser drauf. Sie schenkt mir im Sommer oft eine 2-Liter-Evian-Flasche, wenn wir uns treffen, weil sie Mitleid mit mir hat. Und dabei wissen wir Europäer nach den letzten Skandalen ja auch, dass Evian keinesfalls unbedingt gesünder ist als das Leitungswasser in deutschen Großstädten. Evian sieht gesund aus, klingt gesund, ist teuer, kommt aus Europa, muss daher also gesund sein.

 

 

Gesund leben in China - Trinkwasser. Ein (vorläufiges) Fazit

 

Dies waren nur einige Beispiele für die paradoxe, wenn nicht sogar kafkaeske Situation, in der man sich hier in China befinden kann, wenn man beginnt, über gesunde Ernährung oder über die Erhaltung der Gesundheit nachzudenken.

 

Das Seltsamste an diesem Thema ist aber, dass man darüber so viel schreiben kann. Ich bin fest davon überzeugt, dass Leitungswasser in den meisten Ländern der Erde nicht bedenkenlos getrunken werden kann. Und Millionen Menschen auf diesem Planeten ernähren sich von Fast Food und anderen höchst ungesunden Dingen. Freiwillig. Sie interessieren sich also nicht wirklich für ihre Gesundheit.

 

Und dann kommt so ein kleiner Ausländer wie ich nach China und schreibt Romane über die Trinkwasserqualität in China, als ob China ein besonders herausragendes Beispiel für schlechte Wasserqualität oder Umweltverschmutzung wäre. 

 

Meine Freunde meinten - wie in einem der letzten Blogs bereits erwähnt -, mein immer lichter werdendes Haar hat nichts mit meinem Alter zu tun, sondern mit der vermutlich längst erfolgten Übersättigung meines Körpers mit Kadmium und ähnlichen Giften. Das weiß ich leider nicht. Und ich will es auch nicht (mehr) wissen.

 

Gleichmut - und manchmal Gleichgültigkeit - ist etwas, das man in China lernen kann. Keine gute Eigenschaft, wenn es um Qualität oder sicherheitsrelevante Produktionsprozesse geht, aber äußerst hilfreich, wenn man dazu neigt, sich mehr Sorgen als nötig über alltägliche Dinge zu machen. 

 

Ich trinke Mineralwasser aus der großen Flasche in meinem Wasserspender. Dieses Wasser verwende ich auch zum Kochen und für meinen Tee oder Kaffee zu Hause. Es schmeckt neutral, und ich bin damit zufrieden. 

 

Und damit ist das Thema für mich beendet. Diese Einstellung lernt man, wenn man in China lebt. Nicht zu viel nachdenken! Es bringt nämlich nichts.

 

你想太多了 (ni3 xiang3 tai4 duo1 le5) - du denkst zu viel. Eigentlich müsste man es so übersetzen: „Mach dir nicht so viele Gedanken darüber!“

 

Und wenn es ganz schlimm kommt, dann fügt man noch hinzu:

没办法 (mei1 ban4 fa3) - man kann sowieso nichts machen.



Hier finden Sie noch Tipps zum Thema Trinkwasser in China. 

Hier finden Sie noch einen Bericht zu europäischem Mineralwasser in chinesischen Supermärkten.


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