Gesund leben in China - Trinkwasser (Teil 1)

Ein Garten in einem Dorf am Rande von Xiamen (Fujian). Der Hausbesitzer sagte mir: Das Wasser in dem Brunnen darf man auf gar keinen Fall trinken. Wir nehmen es auch nicht zum Gießen des Gemüses. Es ist seit vielen Jahren ungenießbar. Giftig.
Ein Garten in einem Dorf am Rande von Xiamen (Fujian). Der Hausbesitzer sagte mir: Das Wasser in dem Brunnen darf man auf gar keinen Fall trinken. Wir nehmen es auch nicht zum Gießen des Gemüses. Es ist seit vielen Jahren ungenießbar. Giftig.

 

Hier in China gibt es wenige Orte, an denen man das Leitungswasser bedenkenlos trinken könnte. Das berichten nicht nur westliche Medien, das sagen so alle meine chinesischen Freunde und Bekannten. Sie sagen es sogar noch viel deutlicher: „Trinke auf keinen Fall Wasser aus der Leitung. Niemals. Nirgendwo.“

 

Eigentlich ist das ja fast überall so auf der Welt. Nur in Deutschland und in manchen anderen Gegenden Europas haben wir uns daran gewöhnt, dass sogar in den Städten das Leitungswasser gut oder besser ist als das in Flaschen verkaufte Mineralwasser.

 

Bevor ich vor etlichen Jahren zum ersten Mal nach China, und zwar nach Peking, kam, las und hörte ich überall: „Trink bloß nicht das Wasser dort.“ Und was man nicht alles davon bekommen könnte! Ich hab’s wie immer geglaubt, und damals sogar zum Zähneputzen Mineralwasser benutzt. 


Heute würde ich sagen: Lächerlich!


Ich erinnere mich an meinen ersten Wochenendaufenthalt in Shanghai in einem nicht allzu billigen Hotel im Jahr 2007. Der Tee, der uns dort in einem Restaurant serviert wurde, roch nach Terpentin und schmeckte auch genau so, wie ich mir den Geschmack von Terpentin vorstelle. 


Als ich um einen anderen Tee bat, weil dieser ungenießbar wäre, reagierte die Kellnerin ziemlich empört, und sie fügte hinzu: „Das Wasser hat doch gut gekocht.“ 


Erst viel später erinnerte ich mich wieder an diese Szene. Denn was die Frau tatsächlich meinte, war, dass das Wasser - weil es einmal gekocht hatte - schließlich sauber oder sogar rein war.


In China trinken viele Leute zu Hause und fast alle Leute im Büro heißes Wasser. Auch auf Bahnhöfen, Flughäfen, in Büros, in Schulen und Universitäten kann man Wasserspender finden, in denen (angeblich) 100 Grad heißes Wasser - Leitungswasser - kostenlos zur Verfügung steht. Und weil das Digitalthermometer auf dem Auslasshahn „100“ sagt, deshalb denken die allermeisten, das Wasser dort wäre gesund oder zumindest in Ordnung.


Sie sagen, es wäre abgekocht, aber tatsächlich ist es doch oft nur erhitzt. Mit diesem Wasser kochen sie Tee, manchmal Instantkaffee, und man trinkt es auch ganz allgemein gegen Durst. 



Wasser - Das Nationalgetränk Chinas 


Wasser - nicht Tee! - ist übrigens eigentlich das traditionelle Alltagsgetränk in China. Tee war ja früher viel zu teuer. Und weil Wasser mitunter Keime enthält, lohnt es sich, nur abgekochtes Wasser zu trinken. Das ist auch heute noch in den meisten Ländern der Erde so. 


Früher war es natürlich auch in China deshalb üblich, das Wasser immer vor dem Trinken abzukochen. Hier ist die chinesische Kultur oder Tradition also wirklich sinnvoll und langerprobt: Abgekochtes Wasser verlängert das Leben und reduziert die Anzahl der Tage, an denen man Durchfall hat.

Eine der üblichen Wasserzisternen in einem Wohnhaus in China. Eigentlich wollte ich dieses Haus mieten. Als ich aber den auf dem Boden liegenden Deckel der Zisterne sah, überlegte ich es mir anders. Viele nehmen Hygiene nicht ernst genug.
Eine der üblichen Wasserzisternen in einem Wohnhaus in China. Eigentlich wollte ich dieses Haus mieten. Als ich aber den auf dem Boden liegenden Deckel der Zisterne sah, überlegte ich es mir anders. Viele nehmen Hygiene nicht ernst genug.

 

Nun hat sich die Situation aber in den letzten Jahrzehnten stark verändert. Nicht Bakterien sind das Hauptproblem der Wasserqualität, sondern chemische Verunreinigungen. Und zwar nicht nur Rückstände von Pestiziden, Insektiziden, Düngern und Waschmitteln, sondern eben auch Benzole und sonstige höchst gefährliche Kohlenwasserstoffe. Und natürlich Schwermetalle. 

 

Man könnte die Wasserqualität regelmäßig testen, auch von öffentlicher Seite aus. Vielleicht wird das auch getan - vielleicht nicht ganz so engmaschig wie in Deutschland, und die Ergebnisse werden auch nicht immer öffentlich gemacht. Es wird gewiss irgendwo und irgendwie getestet.

 

Aber anders als in Deutschland gibt es hier eben keine strengen Gesetze zur Wasserqualität, die auch von unabhängiger Stelle regelmäßig kontrolliert werden würde und auf deren Einhaltung streng geachtet werden würde. Manche würden sagen, China wäre zu groß und der Kontrollaufwand zu groß. Deshalb würde das keinen Sinn machen.

 

Oft würde die Kontrolle ja auch deshalb kaum einen Sinn machen, weil es ja kaum Kläranlagen  gibt und weil man wenig gegen viele chemische Verunreinigungen tun könnte. Zudem würde eine transparente Informationspolitik möglicherweise Panik auslösen. Auch das glauben viele. 

 

Auf Chinesisch sagt man: 没办法 (mei2 ban4 fa3 - man kann doch sowieso nichts dagegen machen).

 

(Fortsetzung)

 

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