Essen aus Henan - Eselsfleisch und Hu-La-Tang (Teil 1)

Ein Fladenbrot mit Eselsfleisch, eine Spezialität aus Henan in Nordchina.
Ein Fladenbrot mit Eselsfleisch, eine Spezialität aus Henan in Nordchina.

Vorgestern habe ich zum ersten Mal in meinem Leben bewusst Eselsfleisch gegessen. 

 

Übrigens hat es eine ganze Weile gedauert, bis ich in verschiedenen Wörterbüchern die Antwort auf die Frage gefunden habe, ob es Eselfleisch oder Eselsfleisch heißt. Es heißt ja auch nicht Schweinsfleisch und auch nicht Rindsfleisch, aber offenbar in der Tat Eselsfleisch. 

 

Es ist wirklich eine Zumutung für jeden, der nicht mit Deutsch aufgewachsen ist, die verschiednen Wortverbindungen (oder Komposita) zu lernen. Vernünftige Regeln gibt es hierfür nämlich kaum. Oder - wie ich oft sage - die Regel ist komplizierter als, eine Liste von Wörtern auswendig zu lernen. 

 

Also: Eselsfleisch.

 

Wer in Frankreich oder in Italien schon einmal eine gute Salami gegessen hat, der hat vermutlich schon einmal Eselsfleisch oder Pferdefleisch gegessen. Aber ich habe noch nie irgendwo in einer Auslage Eselsfleisch gesehen. 

 

Aber ich bin ja auch nicht weit rumgekommen in der Welt. In sofern ist das auch kein Wunder.

 

Die Taxifahrer in Xiamen stammen aus Henan

 

Gestern spazierten wir durch eine Nebenstraße, in der es einige interessante Restaurants gibt. Man könnte sagen, es war eine kleine Fressmeile. In jeder größeren Stadt in China gibt es so etwas, oft in der Nähe von Hotels oder in der Nähe von „Ghettos“, in denen bestimmte Berufsgruppen oder Angehörige einer Minderheit leben. 

 

In Xiamen kommt die überwiegende Mehrheit der Taxifahrer aus der Provinz Henan. Nur in Xiamen, nicht in den Nachbarstädten Quanzhou oder Zhangzhou. Natürlich gibt es in Xiamen auch sehr viele Anekdoten und Gerüchte, die die Ruchlosigkeit der Taxifahrer bezeugen sollen. Die Leute in Xiamen sind überhaupt nicht besonders aufgeschlossen gegenüber Zugereisten, obwohl die Mehrzahl Zugereiste sind. Aber Fremdenhass war noch nie etwas Logisches. In Dresden nicht, und in Xiamen auch nicht. 

 

Ich genoss übrigens die Gespräche mit den Jungs aus Henan im Taxi sehr. Denn da ich sehr gerne Essen aus Henan esse und dies in Südchina sehr schwer zu bekommen ist, hat man wirklich immer sofort ein Gesprächsthema. Überhaupt liebe ich ja an den Chinesen, dass man immer und überall übers Essen reden kann. 

 

Hier in der Provinzhauptstadt gibt es wirklich kaum Leute aus Henan. Und die Taxifahrer sind (meist extrem schlecht gelaunte) Einheimische. Der einzige Trumpf, den ich in der Hand halte, ist, wenn es Probleme gibt, dass ich plötzlich auf

Chinesisch losschimpfe, wenn der Taxifahrer einen Aufschlag verlangt oder einen Umweg nehmen will oder schwarz zusätzliche Fahrgäste einladen will. Meist ist er dann so überrascht und verdutzt, dass er alles tut, was ich will, nur um sich nicht noch mehr Ärger einzuheimsen. In Fuzhou lernt man streiten, glaube ich.

 

Wie sagt doch ein chinesischer Freund immer? „Hier in Fuzhou muss man immer zuerst mit den Leuten einen riesigen Streit anfangen, bevor man irgendetwas bekommt.“ Er findet das anstrengend.

 

Ich finde das amüsant, und ich bin stolz darauf, dass ich zu diesem „letzten Mittel“ nur ganz, ganz selten greifen muss. Die Leute sind hier ganz in Ordnung. Aber eben nicht so entspannt wie die Taxifahrer aus Henan, die es in Xiamen gibt.

Der allergrößte Vorteil der Taxifahrer in Xiamen ist, dass sie im Osten der Insel in einem regelrechten Ghetto leben.  

 

Verzeihen Sie diese Wortwahl. Aber es kommt der Realität wirklich ziemlich nahe. Und dort gibt es eine Fülle von Restaurants mit den Spezialitäten aus ihrer Heimat. Und zwar richtig gute mit richtig gutem Essen und zu wirklich vernünftigen Preisen. 

 

(Fortsetzung)

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Kommentare: 2
  • #1

    YYS (Sonntag, 21 Dezember 2014 09:42)

    Fladenbrot (Huoshao) mit Eselsfleisch war ein wichtiger Bestandteil des alltäglichen Frühstücks in meiner Kindheit. Ein Lürou-Huoshao mit der Füllung aus Eselsfleisch sowie geschnittenem Koriander und Paprika hat nur 2 Yuan gekostet. Man durfte auch lediglich ein mit Fleischsoße aufgegossenes Fladenbrot kaufen (5 Jiao), was aber für viele ein richtiges Armutszeichen galt.

    Ein Hirsebrei kostete auch 5 Jiao, wie ein Huoshao. Eingelegtes Gemüse umsonst. Ein Schulfreund von mir, der Kugelstoß geübt hat, hat an einem Morgen 10 Stück Brot (natürlich mit Fleisch) und 3 Schüsseln Brei geschafft.

  • #2

    Rainald Runge (Sonntag, 21 Dezember 2014 10:33)

    Lieber YYS,
    herzlichen Dank für Deinen Beitrag! Ich habe noch einmal recherchiert. Ja, viele Leute sagen 烧饼 (shao1 bing5), und viele Leute sagen 火烧 (huo3 shao1). In erster Linie - so sagen meine Quellen - ist das ein regionaler Unterschied. In Shandong und in Süd-Henan würde man eher Shaobing sagen, in Nord-Henan und den anderen nördlichen Provinzen (also auch Peking) eher Hongshao.
    Für mich war es immer nur ein Henan-Bing, und dann wurde ich meistens korrigiert. Übrigens habe ich festgestellt, dass die Unterschiede in der Herstellung, Größe und in den Gewürzen des Fadenbrotes ganz erheblich sind. Der Bäcker in Xinglin kam aus einer Ecke keine 50 km entfernt von dem Dorf meines Freundes. Die Brote schmecken völlig anders und sehen auch etwas anders aus. Ich finde so etwas faszinierend.
    Und was Du von Deiner Kindheit erzählst, das finde ich sehr interessant. Danke dafür. Wenn wir uns das nächste Mal in Peking treffen, essen wir zusammen Huoshao, abgemacht?
    Jetzt der Schock für alle Insider: Das "leere" Fladenbrot kostet hier 2,5 RMB, das mit Eselsfleisch gefüllte kostet 8 RMB. Das ist ja schon fast ein Skandal, ich weiß. Aber in meiner Heimat gab es eine Redensart: "Umsonst ist der Tod." - Das heißt, alles, und vor allem die guten Dinge, ist teuer.

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