In China leben, über China schreiben: Über diesen Blog

Nicht Hongkong, sondern Xiamen in der Provinz Fujian im Südosten Chinas im Frühjahr 2014.
Nicht Hongkong, sondern Xiamen in der Provinz Fujian im Südosten Chinas im Frühjahr 2014.


Weil sich China so schnell verändert - „entwickelt“ heißt es im offiziellen Sprachgebrauch -, scheint ein Blog die Methode der Wahl, um über oder aus China zu berichten. Ein Buch ist oft schon an dem Tag, an dem es erscheint, veraltet. China scheint in vielerlei Hinsicht wie ein Land im Turbogang oder auf der Überholspur.


Dieser Blog begann mit der Publikation zahlreicher, unsystematischer Notizen der letzten 10 Jahre, flüchtig auf dem Mobiltelefon oder im Computer notiert auf Reisen, im Bus, in Pausen, während schlafloser Nächte.

 

Ein großer Teil der Texte versucht, die verschiedenen - oft unausgesprochenen oder nicht wahrgenommenen Emotionen -, die hinter dem Verhalten oder in den Äußerungen der Chinesen und der Ausländer in China vermutet werden können, darzustellen. Ganz bewusst im Stil der Sprache eines Tagebuches oder eines Gespräches im Unterhaltungston sollen hier der Spott, der Zynismus, die Skepsis und das Misstrauen, das sich Ausländer und Einheimische in China oft entgegenbringen, dargestellt werden. Oft geschieht dies in überzeichneter oder übertriebener Weise. Und allzu oft widmen sich die Texte hier den eher negativen Gefühlsanteilen. Denn im öffentlichen Raum ist in China alles gut, schön, wunderbar, verantwortungsbewusst, zivilisiert, friedlich, sauber, harmonisch und auf dem Weg des Fortschritts.

 

China lässt niemanden kalt. Die Allerwenigsten können sich einer recht klaren Meinung über China enthalten. Diejenigen, die sich zurückhalten, haben oft ganz konkrete politische oder wirtschaftliche Interessen in China, die sie nicht durch unbedachte Äußerungen gefährden möchten. So entstanden auch die zwei Lager der "China-Basher" und der "China-Bewunderer", die sich unversöhnlich gegenüber zu stehen scheinen. 

 

Wie lebt es sich aber tatsächlich in China? Wie spielt sich das Leben fernab der Tourismuszentren oder der für den Durchschnittschinesen unerschwinglichen Wohngegenden für die "Expats" ab? Wie lebt es sich in China mit einem auch aus chinesischer Sicht eher unterdurchschnittlichen Einkommen? Und schließlich: Welche Integrationsmöglichkeiten gibt es für Ausländer in China, vor allem, wenn man keine(n) Einheimische(n) heiraten möchte?

 

Die persönliche Meinung des Autors spielt hier - auch wenn es beim Lesen nicht so erscheinen mag - eine untergeordnete Rolle. Es geht in diesem Blog vielmehr darum, die vielen widersprüchlichen Beobachtungen, Ansichten, Meinungen und Emotionen darzustellen, denen man in China begegnen kann, und die uns tatsächlich häufig nicht kalt lassen.

 

Auch wenn oder obwohl einige Äußerungen auf manche Leser verletzend wirken mögen, ist es nicht das Ziel dieses Blogs, Menschen zu verletzen. Andere zu verletzen und von anderen verletzt zu werden scheint aber ein Aspekt der interkulturellen Kommunikation zu sein. Man mag es leugnen, man kann versuchen, immer alles richtig zu machen. Es wird immer zu Missverständnissen oder gar zu Konflikten kommen.

 

Tatsächlich liegt möglicherweise der einzige Schutz gegen Kränkungen durch einen Angehörigen einer anderen Kultur in der völligen Abschottung nach Außen. In einer globalisierten Welt scheint dies ein Grund dafür zu sein, warum "rechtes" Gedankengut in vielen Gesellschaften auf dem Vormarsch ist: Es ist der Versuch, Kränkungen, Verletzungen und andere Konflikte in der inneren Auseinandersetzung mit dem Anderen zu vermeiden. 

 

China ist kein Einwanderungsland und möchte dies auch nicht werden. Eine Grunddimension des chinesischen Denkens ist die Trennung zwischen "Innen" und "Außen" in allen Lebensbereichen. Vor diesem Hintergrund scheinen sämtliche Integrationsversuche von vornherein zum Scheitern verurteilt. Ein Ausländer bleibt für immer ein Ausländer. Aber er kann seinen Platz in der chinesischen Gesellschaft finden, wenn er bestimmten Regeln folgt und wenn er bereit ist, bestimmte altvertraute Verhaltensweisen abzulegen. 

 

Dazu gehören auch das offene Kritisieren und das Bloßstellen von Fehlern, Problemen und Missständen. Als Maß für die erfolgreiche oder erfolgte Integration in China kann also auch immer der Anteil der emotionalen oder sachlich begründeten Kritik dienen, den man in einem Text oder in einer Äußerung eines Ausländers in China entdecken kann. Wenn jemand in China kritisieren darf, dann ist es ein Chinese, so denken viele Einheimische. Darüber hinaus gehört Kritik nicht in den öffentlichen Raum, es sei denn, sie erfolgt "von Oben", also durch ein Parteiorgan. So sieht es die überwiegende Mehrheit der heutigen Chinesen.

 

Dieser Blog möchte das alltäglichen Leben eines Ausländers in Fujian in Südostchina greifbarer machen und so auch die Veränderung der Perspektive eines Ausländers auf dem Weg zur Integration, oder zumindest im Verlauf der Zeit, dokumentieren. An manchen Stellen ist dieser Blog lediglich ein Bildband mit eher irrelevanten Kommentaren, und hier und da einfach nur ein Spiel mit der Sprache.

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