Essen in China - Bao Zai Fan (煲仔饭), Teil 2

Bao Zai Fan (煲仔饭). So sieht er aus, wenn er gerade umgerührt wurde. Guten Appetit!
Bao Zai Fan (煲仔饭). So sieht er aus, wenn er gerade umgerührt wurde. Guten Appetit!

 

Dies ist eine Fortsetzung des Artikels Essen in China - Bao Zai Fan (煲仔饭), Teil 1

 

 

Zur Wortbedeutung

 

Die Wortbedeutung ist relativ schnell erklärt. Das Wort 饭 (fan4) meint gekochtes Essen und gehört zum chinesischen Basiswortschatz. Manchmal assoziiert man dieses Wort auch einfach mit gekochtem Reis, der ja in Südchina sowieso immer zu jeder Mahlzeit dazugehört. 煲 (bao1) bedeutet entweder Topf, Kochtopf oder kochen. 仔 (zai3) ist eine einfache Variante eines relativ kompliziert aussehenden chinesischen Wortes mit derselben Bedeutung, und die Bedeutung geht in die Richtung von „klein, zart“. Wenn man von einem jungen Fohlen spricht, könnte man dieses Adjektiv gebrauchen. Es könnte auch andeuten, dass etwas vorsichtig getan oder ausgeführt (hier: zubereitet) wird. 

 

 

In meiner Phantasie bedeutet Bao1 Zai3 Fan4 also ein in einem Tontopf vorsichtig zubereiteter Reis oder ein Reisgericht. 

 
Hier sieht man schon gut, wie beim halb leergegessenen Reistopf der Reis immer knuspriger wird. Denn der Tontopf war ja schließlich sehr heiß beim Servieren.
Hier sieht man schon gut, wie beim halb leergegessenen Reistopf der Reis immer knuspriger wird. Denn der Tontopf war ja schließlich sehr heiß beim Servieren.

Zur Zubereitung

 

Ich war ganz enttäuscht, als ich einmal in Fuzhou (Fujian) und einmal in Beijing (Peking) etwas vorgesetzt bekam, das Bao1 Zai3 Fan4 hieß, aber schlicht ein großer Schlag Reis auf einem Teller oder in einem Tontopf war, auf den oben drauf noch etwas Gemüse und Fleischstücke geklatscht worden war. 

 

Schmeckt genauso langweilig, wie es klingt.

 

Hier im Restaurant meiner Freunde wird der Reis zunächst im Tontopf langsam gedämpft. Es wird also nicht gekochter oder gedämpfter Reis in den Tontopf gekippt, sondern der Reis wird langsam im Tontopf gedämpft. Schon alleine dadurch schmeckt er um Klassen besser als normaler Reis. Offenbar kommt aber auch noch ein Schuss Öl dazu oder der Tontopf wird zunächst mit Öl ausgestrichen, sonst bliebe der Reis ja nur kleben und würde später am Rand auch keine Kruste bilden.

 

Der fertig gedünstete Reis kann im Prinzip sofort weiter verarbeitet werden oder aber erst dann in die zweite Bearbeitungsstufe übergehen, wenn das Essen kurz bevorsteht. Oder wenn der Gast im Restaurant bestellt hat. 

 

Jetzt kommt oben ein wenig Gemüse drauf. Und wenn es nur ein oder zwei Salatblätter sind. Und ein paar Esslöffel mit einer Fleisch- oder Fisch-Zubereitung. Also bereits fertig gekochter oder gebratener Fisch oder Fleisch oder irgendwelche Tiere aus dem Meer in einer Marinade, damit noch ein wenig Geschmack dabei ist. 

 

 

Der Topf wird dann zugedeckt und kurz auf starker Flamme erhitzt. Gerade so, dass alles heiß ist und vor allem der Tontopf sehr heiß ist. Denn - ähnlich wie bei einigen koreanischen Gerichten - liegt ein Reiz dieses Gerichtes darin, dass, wenn man langem isst, der Reis außen durch den Kontakt mit dem heißen Tontopf weiter brät und eine knusprige Kruste ausbildet, die man dann spätestens zum Schluss essen kann. 

 
Razeputz leergegessen.
Razeputz leergegessen.

Schon alleine das macht großen Spaß, ein an sich einfaches Essen serviert zu bekommen, dass während des Verzehrs evolviert und sozusagen immer leckerer wird. 

 

Man täuscht sich übrigens. Man denkt vielleicht: „Och, so wenig.“ Tatsächlich schafft diesen Topfinhalt zunächst ganz gut, ist aber danach wirklich satt. 

 

Man kann dazu noch eine Suppe bestellen - im Restaurant meiner Freunde in Xiamen gibt es hervorragende kantonesische Suppen. Oder man kann noch ein kleines Gemüse dazu bestellen. Aber dann schafft man alles wirklich nur mit Mühe und Not. 

 

 

Die Geschmacksrichtungen

 

Im Restaurant hier in Xiamen das absolut genialste Gericht ist der Bao Zai Fan mit gebratener Taube drin. Ich habe hier im Jahr 2012 überhaupt zum ersten Mal in meinem Leben Tauben gegessen. Und eigentlich hatte ich zuerst Hemmungen. Denn in manchen Gegenden Chinas nennt man Tauben schlicht „fliegende Ratten“. Und sowas wollte ich dann doch nicht essen. Die Wirtin empfahl es mir aber, und so habe ich es einmal probiert. 

 

Lecker, sag ich Ihnen.

 

Die weiteren hervorragenden Alternativen sind Reistopf mit gebratenem Hühnchen (oder mit noch ganz anderen Vögeln), mit gebratenen Fröschen (Keine Sorge, die werden hier nicht auf so brutale Weise wie in Frankreich zubereitet. Und man isst auch keine selten Froscharten, sondern große, eher widerlich aussehende, krötenartige Frösche; die aber lecker schmecken.), mit Shrimps, mit Tintenfisch, oder ganz banal mit Rindfleisch oder Schweinefleisch. In Hunan wird der Bao1 Zai3 Fan4 natürlich auch gerne mit La1 Rou4 (腊肉) serviert, das ist getrocknetes oder geräuchertes Schweinefleisch, das auch ziemlich lecker zum Reis schmeckt.

 

Ich gestehe, dass auf Platz eins meiner persönlichen Hitliste die Tauben liegen, dicht gefolgt von den Fröschen und von den anderen Vögeln, je nach Angebot. 

 

 

 

Das Besteck liegt in diesen Schachteln bereit. Man nimmt es sich selbst. Die gehackten Peperoni stammen aus der Eigenproduktion.
Das Besteck liegt in diesen Schachteln bereit. Man nimmt es sich selbst. Die gehackten Peperoni stammen aus der Eigenproduktion.

„Lieber den Magen verrenkt, als dem Wirt etwas geschenkt“ (Schwäbisches Sprichwort)

 

Die meisten Freunde, mit denen ich hier war, schafften den Reistopf nicht ganz. Bei mir sieht die Schüssel hinterher immer „wie geleckt“ aus, wie die Schwaben sagen. Einfach unwiderstehlich köstlich. 

 

Weil ich vorher davon sprach, dass es teuer wäre: Wir sprechen hier von 25 RMB pro Reistopf. Das sind rund 3 Euro. Auch für chinesische Verhältnisse ist das kein Vermögen. Aber es ist eben mehr als die 6 bis 8 RMB, die sonst ein Mittagessen in der Mensa oder in den kleinen Schnellküchen kostet, wo ich sonst zum Essen gehe. Rechnen Sie noch ein Gemüse oder eine Suppe dazu, und Sie sind pro Person ganz schnell bei 40 RMB. Wie viel sind 40 RMB gefühlt in China?

 

Wie gesagt, wenn Sie ein normales Gehalt haben, kein ausländischer Manager sind, der in US-Dollar oder EUR sein Gehalt bekommt, wenn Sie nicht Parteimitglied sind, der dadurch hauptsächlich von irgendwelchen Bonuszahlungen und anderen Zuwendungen lebt, dann sind 40 RMB ungefähr so viel, wie 40 EUR für einen Durchschnittsdeutschen sind.

 

Könnten Sie täglich für 40 EUR zum Essen gehen? Eben.

 

Aber wenn Sie in China sind, dann probieren Sie einmal den Bao1 Zai3 Fan4. Und vor allem, wenn Sie in Xiamen sind, dann gehen Sie in das Restaurant in der Siming Xilu (思明西路), direkt neben der Zhongshan Lu (中山路). Dort wird es Ihnen garantiert schmecken!

 

Guten Appetit!

 

Rainald Runge

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