Essen in China - Bao Zai Fan (煲仔饭), Teil 1

Bao1 Zai3 Fan5 (煲仔饭): gedünsteter Reis mit Gemüse und Fleisch oder Fisch
Bao1 Zai3 Fan5 (煲仔饭): gedünsteter Reis mit Gemüse und Fleisch oder Fisch

 

Dies ist eine Fortsetzung des Artikels Warum reden Chinesen so oft übers Essen?

 

 

Zeit, über ein weiteres meiner absoluten Lieblingsgerichte zu sprechen: Bao1 Zai3 Fan5 (煲仔饭)

 

Nicht irgendein Bao Zai Fan! In einem Restaurant in der Nähe der Zhongshan Straße in Xiamen habe ich einen Bao Zai Fan gefunden, der wirklich ein Gedicht ist.


In anderen Restaurants habe ich weit langweiligere oder sogar widerlich schmeckende Bao Zai Fan gegessen. Deshalb empfehle ich diesen Platz in Xiamen wirklich gerne weiter.

 

Eine vereinfachte Beschreibung eines Bao Zai Fan wäre ein Reistopf, also ein kleiner Tontopf, in dem sich Reis befindet und oben drauf noch Gemüse oder Fleisch. 

 

 

Ein kantonesisches Restaurant in Xiamen, Südostchina, das den besten Bao1 Zai3 Fan5 (煲仔饭) der Welt serviert.
Ein kantonesisches Restaurant in Xiamen, Südostchina, das den besten Bao1 Zai3 Fan5 (煲仔饭) der Welt serviert.

Zuerst umrühren!

 

Wenn man diesen Topf oder diese Schüssel serviert bekommt, muss man zuerst umrühren. In unserem Restaurant gehört das Umrühren zum Service des Restaurants. Das wäre dann der erste Teil des Genusses sozusagen. 

 

Ich bin mir übrigens nicht ganz sicher, warum der Reis für die Gäste umgerührt wird. 

 

Manchmal dachte ich schon angesichts des schmuddeligen Löffels oder der schwarzen Fingernägel des Kellners: „Och nee, da würde ich dann doch lieber selbst umrühren.“ Aber man gibt sich ja nicht diese Blöße und dem Kellner auch nicht. 

 

Und dann ist ja da noch das Problem mit dem Guanxi. Dieses Restaurant gehört Freunden von mir. Und die kann ich ja schlecht blamieren. Würde ich mich beim Chef direkt beschweren, dann bekäme der Kellner einen Anschiss, der sich gewaschen hat, was zur Folge haben könnte, dass er mich in Zukunft nicht mehr oder nicht so gerne bedient. Oder vielleicht Strychnin in den Reistopf mischt. Wer weiß. Also Kritisieren ist ja sowieso eine ganz schlechte Idee in China. In dem Restaurant mit dem besten Bao Zai Fan in der Stadt tut das gleich zweimal nicht, und wenn es das Restaurant meiner Freunde ist, dann beißt man sich erst recht auf die Zunge. Oder man isst einfach, und beim nächsten Mal schaut man weder auf den Löffel noch auf die Fingernägel des Kellners. Dann schmeckt’s nämlich hervorragend.

 

Ich bin mir übrigens wirklich nicht sicher, warum der Reistopf für die Gäste umgerührt wird. Wird das gemacht, damit man nicht jedem Gast einzeln erklären muss, dass man umrühren sollte? Oder macht man das, um dem Gast eine besondere Freundlichkeit zu erweisen? Oder gibt es überhaupt keinen Grund, sondern es ist einfach eine Gewohnheit, die dann irgendwann nicht mehr hinterfragt wird.

 

 

 

Zunächst wird der Reis für die Gäste umgerührt.
Zunächst wird der Reis für die Gäste umgerührt.

Lasst es Euch schmecken!

 

Anschließend ruft der Kellner: „Lasst es Euch schmecken!“, und dann wird der "Reiseintopf" mit einem Löffel gegessen. Wer will, kann die großen Fleischstücke zuerst mit den Essstäbchen herausfischen. Aber früher oder später muss man zum Löffel greifen. 

 

Dieses Gericht stammt übrigens aus Südchina. Die Besitzer des oben erwähnten Restaurants in Xiamen kommen aus der Provinz Kanton (Guangdong), aus einem kleinen Städtchen weit von der Stadt Kanton (Guangzhou). Er erzählt immer, dass dies ein typisch kantonesisches Gericht wäre und dass auch dieser Ausdruck, Bao Zai Fan (煲仔饭), typisch Kantonesisch wäre. 

 

Ein anderer Freund, der aus Hunan (auch in Südchina) kommt, erzählt mir, dass das ein typisches Gericht aus Hunan wäre. Und ich wette, die Jungs und Mädels aus Guilin und aus Guangxi und aus Hainan und den anderen Provinzen im Süden Chinas erzählen haargenau das Gleiche. Ist ja auch egal. Das Wichtigste - wie so oft beim Essen - ist, dass es schmeckt. Und es schmeckt, sag ich Ihnen! Es schmeckt phantastisch!

 

Das Besondere daran ist, dass es eben keinen aufregend schrägen oder seltsamen oder gewöhnungsbedürftigen Geschmack hat. Dieses Gericht kann man auch als spießiger, nicht weit gereister Deutscher, jederzeit bedenkenlos essen. 

 

Die meisten Chinesen würden dies natürlich auch lecker finden. Und daher empfehle ich allen chinesischen und ausländischen Freunden, die irgendwelche Verwandte zu Besuch haben, dieses Restaurant aufzusuchen. Und bisher lag ich immer richtig, oder man sagte mir nur aus Höflichkeit, dass es sehr gut geschmeckt hätte. Auf jeden Fall war das Feedback immer positiv.

 

Wenn es nicht so teuer wäre und nicht so sehr auf die Hüfte schlagen würde, wäre ich dort glatt mehrmals pro Woche zu Gast. Aber ein- oder zweimal im Monat muss es schon sein. Auch um meine Freunde, die Chefs, dort zu besuchen und mein Gesicht zu zeigen. 

 

 

 

(Fortsetzung)

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Kommentare: 3
  • #1

    YYS (Sonntag, 14 Dezember 2014 12:13)

    Schenk dem Kellner einen Nagelknipser als Weihnachtsgeschenk. :-)

  • #2

    Bernd Paysan (Mittwoch, 01 März 2017 14:33)

    In den Baozaifan-Restaurants in Foshan, in denen ich den mit meiner Frau esse, rührt kein Kellner den um, und statt direkt aus dem Topf füllen wir ihn selbst (mit dem unvermeidlichen Löffel) erst mal portionsweise in die kleine Schüssel um. Für 28 Yuan gibt's in Foshan im Lieblingsrestaurant meiner Süßen eine Portion Reistopf+Suppe+extra Gemüse+Nachtisch, teuer ist das nicht.

  • #3

    Max Mustermann (Sonntag, 03 September 2017 05:25)

    Ich habe damals für eine Suppe, Tee, hausgemachte Chilisoße und Bao Zai Fan mit verschiedenen Fleischsorten drin 15 RMB gezahlt. Das beste ist das auskratzen vom Goa Ba wenn man fertig gegessen hat... Und dann in die Soße dippen. Schade dass es in Deutschland keinen Bao Zai Fan gibt, ich vermisse den Geschmack...

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