Essen in China - süß und salzig (Teil 2)

Frittierte geflochtene Teigstangen. Das Weiße außen ist tatsächlich eine dicke Zuckerschicht. Der Teig ist salzig, das Grüne sind Schnittlauch-Stücke.
Frittierte geflochtene Teigstangen. Das Weiße außen ist tatsächlich eine dicke Zuckerschicht. Der Teig ist salzig, das Grüne sind Schnittlauch-Stücke.

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Essen in China - süß und salzig (Teil 1)

 

 

Salz zu Süßem in China

 

Sie wissen bestimmt, dass Äpfel schnell braun werden, wenn man sie aufschneidet und auf einen Teller legt. Im Obstsalat beugt man dem mit Zitronensaft vor. In China mit Salz. Ich bin ganz schön erschrocken, als man mir zum ersten Mal eines schönen Sommertages Apfelstücke reichte, die ziemlich heftig gesalzen waren. 

 

 

Aber es macht ja eigentlich auch Sinn. Die Äpfel werden so nämlich nicht braun, und im Sommer schwitzt man sowieso so viel, so dass ein wenig Salz sicher nicht schaden kann.

 
Vom teuren japanischen Snack-Stand Reisröllchen mit süßem Hackfleisch und natürlichlich Mayonnaise.
Vom teuren japanischen Snack-Stand Reisröllchen mit süßem Hackfleisch und natürlichlich Mayonnaise.

Soweit so gut. Eines Tages waren aber die aufgeschnittenen Birnen ebenso heftig gesalzen. 

 

Ich fragte, warum. Die Antwort: "Damit sie nicht braun werden." Ich erwiderte: "Aber Birnen werden an der Luft nicht braun." Die Antwort war ein ziemlich empörtes: "Doch! Selbstverständlich werden die braun, wenn man sie nicht salzt!" Brav wie ich bin, dachte ich, dass die Birnen hier in China womöglich andere wären als in Deutschland, oder dass sie vielleicht aufgrund des Wetters braun würden. Tun sie nicht! Ich habe alle mögliche Arten von Birnen durchprobiert. Sie werden auch ohne Salz nicht braun. Trotzdem sind fast alle Birnen gesalzen, wenn ich irgendwo zu Besuch bin. 

 

Menschen können schon ziemlich resistent gegenüber Tatsachen sein ...

 

 

Mayonnaise!

 

Als ich zum ersten Mal in China war, fragte mich einer meiner Gastgeber, was ich denn so gerne essen würde. Ich antwortete ganz ehrlich: alle Arten von Obst und Gemüse, und zwar am liebsten roh. 

 

Wenn Sie das zu einem Chinesen sagen, dann schaut der Sie meist an, als kämen Sie direkt vom Mars. Nur Gekochtes oder Gebratenes gilt in China nämlich als vollwertiges Essen. Ein Salat also per definitionem nicht. Höchstens als Augenweide. Ich war damals aber ziemlich unerfahren und mein Gastgeber sehr geduldig. Er bestellte also als Nachtisch einen großen Obstsalat. Ich freute mich wie ein Schneekönig, als ich die Schüssel sah. Sogar Sahne oben drauf! Nur war die Sahne leider Mayonnaise. Mir hätte sich fast der Magen rumgedreht. Ich musste das furchtbare Zeug aber aus Höflichkeit essen. Und ich habe mich tatsächlich danach zu Hause übergeben müssen, was aber vermutlich daran lag, dass die Mayonnaise auf dem Obstsalat nicht nur deplatziert war, sondern auch noch verdorben. Na, prima! 

 

Und seitdem habe ich nie wieder in China Obstsalat angerührt, es sei denn, ich habe ihn selbst gemacht. 

 

Chinesen - vor allem Jüngere - scheinen ganz versessen auf Mayonnaise zu sein. Sie tun sie fast überall drauf. In diesen Momenten vermisse ich immer die selbstgemachte Mayonnaise meines früheren Vermieters in Deutschland, der Franzose und leidenschaftlicher Koch in seinem eigenen Restaurant war. Wenn man die einmal probiert hat, greift man nie wieder zu diesem gruseligen gelblich-weißen Zeugs, das man im Supermarkt kaufen kann. Zu Currywurst kann ich Mayo ja noch verstehen, aber zum Obstsalat? Nein, da nun wirklich nicht. 

 

Meine chinesischen Freunde sagten einmal: "Aber das ist doch süße Mayonnaise! Die gehört doch zum Obstsalat, sonst schmeckt's doch nicht." 

 

Gut, dass wir drüber geredet haben ...

 

 

Brot in China

 

Nur ganz am Rande sei hier das Brot in China noch erwähnt. Historisch gibt es ja eher keine Brotkultur in China in der Art, wie wir sie in Europa kennen. Im Norden vielleicht noch das Fladenbrot, das dort aber auch nicht "Brot" heißt. In China eher üblich sind gedämpfte Brötchen, die Mantou, oder die Baozi (gefüllte, gedämpfte Brötchen).

 

Für Brot verwenden die Chinesen das Wort Mian4 Bao1 (面包). Übersetzt bedeutet das vielleicht Teigtasche oder Teigwickel. Wenn man in China Mianbao in einem Geschäft sucht, dann bekommt man oft etwas, das so ungefähr wie Toastbrot aussieht. 

 

Das Geniale dabei: Dieses Brot scheint nie auszutrocknen. Keine Ahnung, woraus es besteht, aber es scheint fast ewig haltbar zu sein. Es stammt natürlich aus industrieller Fertigung. Es sieht aus wie Toastbrot, und es schmeckt wie Toastbrot, das sehr viel Zucker enthält. Mit anderen Worten, eher wie Kuchen, denn wie Brot. Kein Wunder, dass Chinesen die Augen verdrehen, wenn man ihnen erzählt, dass Deutsche Wurst oder Käse aufs Brot legen oder Honig oder Marmelade draufschmieren. Das würde auch kein Deutscher mit dem sogenannten Brot aus chinesischen Bäckereien tun. Brot ist absolut Neuland für Chinesen, die zum ersten Mal nach Deutschland kommen.

 

 

Den süßen Kuchen oder den extra süßen Kuchen?

 

Kürzlich war ich in einem Mc Café und bestellte dort einen Cappuccino. Der junge Mann an der Kasse fragte mich, ob ich dazu gerne einen Muffin hätte oder lieber etwas Süßes. Ich verstand nur Bahnhof und fragte nochmal nach. Er wiederholte den gleichen Satz nochmal: "Willst du noch etwas Süßes oder nur einen Muffin?" Ich war verwirrt und fragte, ob das ein Witz sein sollte. Er war jetzt ebenso verwirrt und erklärte, dass die Muffins nur ganz leicht gesüßt wären, eigentlich gar nicht. Die Kuchen hingegen, die wären richtig süß. 

 

Haben Sie einmal die Muffins bei Mc Donald's probiert? Die sind pappsüß! In China genauso wie in Deutschland. Offensichtlich aber nicht für junge Chinesen. Die brauchen was Stärkeres.

 

Da fällt mir das selbstgemachte Baklava ein, das mein früherer Türkischlehrer manchmal mitbrachte. Das wäre für einen Chinesen wohl angemessen süß gewesen. Wenn Sie Baklava kennen, dann wissen Sie, was ich meine.

 

Weil ich immer und immer wieder erfolglos versucht habe, meinen Studentinnen und Freunden zu erklären, wie wir Deutsche Brot essen, habe ich schließlich begonnen, selbst Brot zu backen und ihnen welches mitzubringen. Eine chinesische Kollegin hat inzwischen auch begonnen, selbst zu backen, aber ich glaube, sie bäckt süßes Brot ...

 

 

 

Fazit und Tipps 

 

Wenn Sie in China sind, sollten Sie nach Möglichkeit sowieso alles einmal probieren. Egal wie gruselig es aussehen mag oder wie abstrus der Name des Gerichts klingen mag, probieren Sie es einmal. Ganz besonders empfehlenswert sind die verschiedenen Kombinationen von Süßem, Salzigem, Scharfem und Bitterem während warmer Mahlzeiten. 

 

Auch die süßen, kalten Hackfleischpasteten kann man einmal probieren. 

 

Das mit der Mayonnaise ... Ich weiß nicht.

 

Und zum Schluss noch eine Warnung bezüglich allem, was aussieht wie Bratwürste oder kleine Wiener: Die Dinger schmecken völlig anders als das, was wir aus Deutschland kennen. Vor allem sind sie sehr süß. Ich vermisse eine gute schwäbische gegrillte Rote manchmal. Oder Fleischkäse. Diese Sachen gibt es in China nämlich nicht. Zumindest nicht in der Ecke hier. Und wenn es sie gäbe, dann wären sie sicher auch süß.

 

Der kandierte Schweinebauch à la Mao und die mit Honig marinierten, gebratenen Tauben sind aber tatsächlich ein Gedicht! Sie sollten die unbedingt einmal probieren.

 

 

Guten Appetit! 

 

Rainald Runge

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Kommentare: 2
  • #1

    Ting Ting (Montag, 12 Mai 2014 03:21)

    Ein hervorragender Artikel.
    Gesalzene Äpfel wurde mir zum Glück noch nie "untergejubelt". Fände ich irgendwie komisch. Ich habe aber schon einmal Sushi mit Fleisch (dieses Rou Song - welches auch bei dir glaub ich abgebildet ist) UND Apfel auf den Tisch serviert bekommen. Meine Geschmacksknospen haben einen Sprung gemacht...aber war überraschend lecker! Würde ich auch nochmal essen.

    Ich backe in China momentan selbst auch viel...und meine Gäste scheinen nie zufrieden zu sein.
    "Das ist doch viel zu hart!", "Das ist zu trocken!", "Die Kekse sind nicht knusprig genug!", "Das schmeckt ja nach gar nichts!". Also...ich weiß wirklich nicht, wie ich die Chinesen zufrieden stellen soll.

    Au ja..die Würste in China sind wirklich schlimm. Habe schon viel rumprobiert, aber nur selten schmeckte mir etwas. Nur die Selbstgemachte Wurst von meiner Bekannten schmeckt noch recht gut. Es schmeckt nicht so künstlich, was man sonst im Laden bekommt und hat auch noch eine leckere scharfe Note.

    Vor einiger Zeit plagte mich dann meine Sehnsucht und ich habe bei Taobao doch echte deutsche Nürnberger Bratwürstchen entdeckt. Jedenfalls laut Verkäufer sollten es echte Nürnberger sein... Für 80Rmb habe ich mir dann eine Packung bestellt. Ich muss sagen, der Geschmack ist noch OK. Aber die Echten sind das nicht. Meine Suche geht also noch weiter :D

  • #2

    China Mittendrin (Montag, 12 Mai 2014 05:00)

    Danke für die Blumen!
    Das wundert mich, dass Du noch keine gesalzenen Äpfel gegessen hast. Sei aber nicht traurig deshalb! ;-) Auf Gulangyu gibt es seit einiger Zeit eine fränkische Würstchenbude. Die kommen aus Passau, glaub ich. Zwei nette Jungs, die mit ihrer kleinen Würstchenbude 2 Familien ernähren können. Er von beiden macht die Würste selbst, denn er ist Metzger. Aber weil er die Rohmaterialien hier nicht zur gewohnten Qualität bekommt, ist er selbst nicht 100%ig zufrieden. Letztes Jahr hat mir ein Student aus Deutschland eine Dose Saitenwürste und getrocknete Linsen mitgebracht. Endlich konnte ich einmal unser schwäbisches Nationalgericht kochen: Linsen mit Spätzle und Würstchen. Meine chinesischen Freunde haben große Augen gemacht, vor allem als ich - nach guter schwäbischer Tradition - Essig über das Essen auf meinem Teller gegossen habe. :D

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