Essen in China - süß und salzig (Teil 1)

Im Vordergrund breite Reisnudeln mit geräuchertem Fleisch, im Hintergrund mit viel Zucker überdeckte frittierte Kürbiskuchen. Alles zusammen ergibt eine leckere Kombination.
Im Vordergrund breite Reisnudeln mit geräuchertem Fleisch, im Hintergrund mit viel Zucker überdeckte frittierte Kürbiskuchen. Alles zusammen ergibt eine leckere Kombination.

 

Für viele Ausländer ist chinesisches Essen das, was man in Europa, in Amerika oder in anderen Teilen der Welt in einem sogenannten China-Restaurant bekommt: Ente Sezuan, Schweinefleisch süß-sauer oder Hühnchen Gong-Bao (Ich habe einmal auch Kong Po gelesen. Vielleicht wollte der wohlmeinende Besitzer dieses Restaurants auf die vier Buchstaben von Konfuzius anspielen ..). 

 

Dies sind die Gerichte, die viele Nicht-Chinesen als typisch chinesisch wahrnehmen. 

 

In manchen amerikanischen Fernsehsendungen holt man vom Chinesen gebratene Nudeln und empfindet das als exotisch. In viele Supermärkten kann man "chinesische" Instantnudeln für einen Euro kaufen. Ja, wer das für chinesisches Essen hält, der wird furchtbar erschrecken, wenn er einmal ein richtiges chinesisches Essen serviert bekommt. 

 

 

Keine Sorge, ich meine nicht frittierte Katzen oder sowas. 

 
Klebreiskuchen, ursprünglich eher Opferbeigaben, aber auch sehr lecker zum Kaffee oder Tee. Achtung! Es gibt die Dinger mit süßer und mit salziger Füllung. Also entweder mit Sesam oder auch mit Erdnüs
Klebreiskuchen, ursprünglich eher Opferbeigaben, aber auch sehr lecker zum Kaffee oder Tee. Achtung! Es gibt die Dinger mit süßer und mit salziger Füllung. Also entweder mit Sesam oder auch mit Erdnüssen oder aber mit so einer Art Hackfleisch.

Aber schon die Einschätzung dessen, was als süß und was salzig, was als bitter oder mild oder scharf oder fettig oder trocken wahrgenommen wird, unterscheidet sich ziemlich von der vieler Deutscher. 

 

Da fällt mir ein: In Deutschland kann man das ja auch erleben, dass Dosierungen von Gewürzen in anderen Kulturen irgendwie anders bemessen werden, wenn man zum Beispiel echtes griechisches oder türkisches Essen essen darf. Entweder zu viel Knoblauch oder zu viel Öl oder zu viel Zucker - irgendetwas finden manche Leute immer daran zu meckern. Ach, wir Deutschen ...

 

In China gibt's da aber noch ein paar Überraschungen obendrauf. Nehmen wir zum Beispiel einfach einmal die Begriffe süß und sauer und die Arten, wie man sie hier (in China) kombiniert. Das funktioniert ein wenig anders als in der deutschen Küche. 

 

 

Obst und Gemüse

 

In Deutschland scheint die Sache recht einfach: Obst ist süß, Gemüse ist salzig. 

 

... Wie zum Beispiel alle süß-sauer eingelegten Gemüse und ähnliche kleine Naschereien.  

 

Genau. Es ist nämlich überhaupt nicht klar! 

 

Während wir einerseits meinen, dass selbstverständlich alles Gemüse salzig zu sein hat, trinken wir andererseits süßen Karottensaft oder halten Preiselbeeren für eine ganz selbstverständliche Beilage zu Wild oder anderen Arten von Braten. Wann haben Sie eigentlich zum letzten Mal Gemüsemais in der Dose gekauft? Haben Sie mal drauf geschaut, wie viel Zucker da drin ist? 

 

Während wir also darauf beharren, dass Gemüse selbstverständlich salzig und Obst selbstverständlich süß zu sein hat, folgen wir in der kulinarischen Praxis manchmal ganz anderen Regeln.

 

Die Chinesen sind hier nur ein Stück konsequenter als wir. Nicht nur die Chinesen natürlich. Aber China ist nun einmal das Thema dieses Blogs. Im Folgenden daher einige Beispiele für den kreativen Umgang mit süß und salzig in China. 

 

 

Kennen Sie den leckeren Nachtisch in Südosteuropa, der aus gepresstem Sesam oder ähnlichem besteht? Dies hier ist ähnlich. Es gibt diese Snacks süß oder salzig oder süß-salzig. Die süß-salzigen sind s
Kennen Sie den leckeren Nachtisch in Südosteuropa, der aus gepresstem Sesam oder ähnlichem besteht? Dies hier ist ähnlich. Es gibt diese Snacks süß oder salzig oder süß-salzig. Die süß-salzigen sind sehr gewöhnungsbedürftig für deutsche Gaumen.

Beispiele für exotische süße Speisen in China

 

Zuerst die Grundlagen: Tomaten sind kein Gemüse, sondern Obst in China - zumindest die kleinen Kirschtomaten. Aber auch die großen Tomaten werden gerne als Nascherei für zwischendurch serviert, indem man großzügig Zucker darüber streut. 

 

Nach fast jedem größeren Mahl werden Kirschtomaten zusammen mit Melonen und anderen Früchten gereicht. In fast jedem Obstsalat findet man Tomaten und auch oben auf den meisten Sahnetorten zwischen den Ananasstücken und Apfelscheiben. Kirschtomaten sind Obst. "Deshalb heißen sie ja auch Kirschtomaten", hat einmal eine chinesische Freundin zu mir gesagt. 

 

Auch Gurken werden häufig gezuckert. Nicht die kleinen, sondern die großen, die Salatgurken. Ich habe einmal spaßeshalber gefragt, warum. Die Antwort war ebenso simpel wie traurig: "Weil Gurken sonst ja keinen Geschmack hätten." 

 

In China isst man zu bestimmten Jahreszeiten besonders gerne Bittermelonen als gedünstetes Gemüse. Manchmal auch mit Rührei zusammen gebraten. Ich find's ziemlich lecker, meine chinesischen Freunde spalten sich hier in zwei Lager: Die einen könnten das täglich essen, die andern finden's gruselig. 

 

Bittermelonen sind übrigens wirklich ziemlich bitter. Sie sehen ungefähr so aus wie nackte, aber ziemlich runzlige Salatgurken.

 

In Peking bekam ich einmal während eines extrem luxuriösen Banketts Bittermelonen in Streifen in einer kalten Suppe. Die Suppe bestand mehr oder weniger aus Sprite. Sie haben richtig gelesen, aus dieser pappsüßen Limonade. Es hat überraschend gut geschmeckt. 

 

In einem meiner Lieblingsrestaurants werden die Tauben vor dem Backen mit einer Art Honigpanade bestrichen. Und der berühmte Schweinebauch à la Mao Zedong (毛氏红烧肉) wird auch vor dem Kochen kandiert. Schmeckt lecker. Sehr lecker sogar!

 

Ach ja, eines hätte ich beinahe vergessen: süße, sehr süße mit einer Art Schweinehackfleisch gefüllte Kekse oder Pasteten. Ich find sie furchtbar. Fast alle Chinesen, die ich kenne, fahren aber voll drauf ab. Und vor ein paar Wochen brachte eine Freundin etwas von einer japanischen Snackbar mit, dass wie eine Mischung aus japanischem Sushi und koreanischem Kimbab aussah. Mit dem pappsüßen Hackfleisch innen drin und oben drauf als Garnitur sozusagen. 

 

Chinesen essen auch sehr gerne süße Kuchen oder Pfannkuchen während einer Mahlzeit. Nicht als Zwischengang wie man das vielleicht von einem französischen Restaurant kennt, sondern gleichzeitig mit den verschiedenen Sorten Fleisch, Fisch und Gemüse auf dem Tisch. Ein amerikanischer Kollege hat sich kürzlich beim Essen darüber mokiert. Ich hab nur gegrinst und mir einen von den leckeren Kürbiskuchen genommen, die da neben dem Schweinefleisch standen. 

 

Schmeckt nämlich prima zusammen! 

 

Eine Schülerin brachte mir kürzlich kleine Kekse oder Pasteten mit, die mit einem Gemüse gefüllt waren, dass entfernt an Sellerie oder Radieschen erinnerte. Auch die waren süß und schmeckten ziemlich interessant.

 

Rainald Runge

 

 

Fortsetzung

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