Leben und arbeiten in China - Interkulturelles Training als Vorbereitung (Teil 1)

Interkulturelle Trainings können Brücken bauen. (Diese Brücke steht übrigens in einem Park in Quanzhou (Fujian), China
Interkulturelle Trainings können Brücken bauen. (Diese Brücke steht übrigens in einem Park in Quanzhou (Fujian), China

 

Interkulturelle Kommunikation - Worum geht es?

 

Wer sich für interkulturelle Kommunikation interessiert, der tut dies selten aus rein wissenschaftlichem Interesse oder, um sich weiterzubilden. 

 

Wenn man sich nicht in der eher unglücklichen Lage befindet, im Studium einen Pflichtkurs zur interkulturellen Kommunikation belegen zu müssen, dann geht es mehr oder weniger um die Wurst: 

 

Viele Menschen beschäftigen sich mit einer fremden Kultur und deren Regeln und Tabus, weil sie es müssen. Sie tun das, entweder weil sie ins Ausland entsandt werden, oder weil sie denken, dass im Zielland bessere berufliche oder wirtschaftliche oder Bildungschancen auf sie warten. Oder vielleicht weil sie sich in einen Ausländer oder eine Ausländerin verliebt haben. Früher oder später muss man ja schließlich die Schwiegereltern kennenlernen, oder die Hochzeit findet im Ausland statt, oder man plant auszuwandern. 

 

 

Wer klug ist, der bereitet sich auf das Leben im Ausland vor, so könnte man meinen. 

Man kann sich aber nicht auf alle Eventualitäten vorbereiten. Und außerdem gibt es keine Standard-Situationen. Früher oder später (meistens früher) trifft man also auf ein Problem, das man so nicht erwartet hat, oder auf das man so nicht vorbereitet war. 

 

Während die meisten kommerziellen interkulturellen Anbieter irgendwelche Variationen eines „Knigge“ fürs Ausland anbieten, um Fettnäpfchen zu vermeiden oder Tabus zu beachten, so werden die meisten Menschen, die länger im Ausland leben, berichten können, dass das Leben dort viel, viel, viel komplexer und komplizierter ist, als man erwartet hat. Aber eben oft auch interessanter.  

 

 

 

Wie lange dauern interkulturelle Seminare? Und wer sind die Anbieter?

 

Das, was Ihnen die allermeisten kommerziellen Anbieter versprechen, das ist ein Wochenendseminar, oder noch besser: ein halbtägiges Seminar, das Sie mehr oder weniger fit machen soll für die Gespräche mit ihrem ausländischen Geschäftspartner. 

 

Warum dies in so kurzer Zeit (innerhalb von ein paar Stunden oder an einem Wochenende) geschehen soll, dafür gibt es vermutlich zwei bis drei Gründe. 

 

Erstens sind die meisten Trainer, die sich ein gewisses Image erarbeitet oder aufgebaut haben, teuer. Nicht unbedingt aus Geldgier, sondern weil gute Trainings ein nicht unerhebliches Maß an Vorbereitung, Nachbereitung und nicht zuletzt auch eine zeitintensive Akquise erfordern. Das will bezahlt werden. Denn auch ein Trainer muss irgendwie seine Miete und den Leasingvertrag für seinen Wagen bezahlen. Wenn das Budget begrenzt ist und der Trainer einen gewissen Stundensatz veranschlagt, dann sind am Ende eben nur zwei halbe Tage oder ein Wochenende drin.

 

Zweitens sind die Arbeitgeber oder Manager, die den Bedarf im eigenen Unternehmen identifiziert haben, ja auch keine Fachleute. Viele denken: „Ach, so ein paar Regeln für den Umgang mit den Kunden, die kann man doch schnell lernen.“ 

 

Man sollte eigentlich hinzufügen, dass man das aus einem oder zwei guten Büchern lernen können sollte, und das wäre dann sogar noch billiger. Aber wer liest schon? Und wer ist schon in der Lage, von dem was er liest, Regeln für die Praxis abzuleiten? 

 

Eben. 

 

Also besser Seminare. Aber weil Zeit Geld ist und weil es dumm aussieht, wenn ein Abteilungsleiter seine halbe Mannschaft für fünf oder zehn Seminartage freistellt („Die haben offenbar nichts zu tun!“), deshalb dürfen solche interkulturellen Seminare eben nur einen oder maximal zwei Tage dauern.

 

Drittens (oder zweieinhalbtens) sind ja die meisten interkulturellen Trainer auch keine Fachleute. Im Falle des Marktes für China-Seminare ist der Kollegenkreis relativ übersichtlich. Es gibt im wesentlichen zwei (oder zweieinhalb) Arten von Anbietern: Deutsche mit Chinaerfahrung, Chinesen mit Auslandserfahrung und Pärchen von eben solchen. Der Ausbildung nach sind sie meist Betriebswirte, Ingenieure, Sinologen oder sie müssten als Ausbildung fairerweise angeben „bin mit einem Ausländer verheiratet“. 

 

So boshaft, wie das hier klingen mag, es scheint der Wirklichkeit recht nahe zu kommen. Und tatsächlich gibt es keine sinnvolle Qualifikation, die einen als idealen Anbieter von interkulturellen Trainings ausweisen könnte.

 

 

Wer viele Jahre im Ausland lebte und nicht nur mehrere Geschäftsreisen dorthin unternommen hat, der weiß allerdings, dass man die Erfahrungen dort nicht in ein paar Tagen vermitteln könnte. Und schon gar nicht an einem Nachmittag. 

 
Wenn Sie schon einmal in Peking waren, kennen Sie vermutlich dieses Gebäude, das ein Teil des "Tempels des Himmels" ist.
Wenn Sie schon einmal in Peking waren, kennen Sie vermutlich dieses Gebäude, das ein Teil des "Tempels des Himmels" ist.

China-Knigge oder wie man sich auf China vorbereitet

 

In akademischen Kreisen wird seit einer gefühlten Ewigkeit diskutiert, dass das Anpassen an eine Kultur oder der Austausch mit einer anderen Kultur ein recht komplexer Prozess ist. Warum eigentlich?

 

Weil es bei der Kultur um eine so große Menge an Regeln und Vorschriften, Perspektiven, Zusammenhängen, Gefühlen, Denkweisen und nicht zuletzt Werten geht, dass man das nicht in kurzer Zeit vermitteln könnte. Es ist einfach zu viel Stoff.

 

Was aber noch viel schwerer wiegt: Bei dem Austausch mit einer anderen Kultur geht es um eine Praxis, nicht um Theorie. Sie können noch so viele Regeln wie in einem „Knigge“ lernen, in der Praxis werden Sie schnell an Grenzen stoßen. 

 

In akademisch orientierten Seminaren oder guten Kursen an einer Universität geht es also vielmehr darum, dass man über typische Situationen diskutiert, gemeinsam reflektiert, Handlungsalternativen entwickelt und die schließlich ausprobiert. Das dauert Zeit, ist mühsam, und für viele mag das schlicht furchtbar langweilig sein. 

 

Und dann gibt es ja noch die tollen Trainer, die ein paar Stunden lang Entertainment betreiben, ein paar sogenannte Übungen einstreuen und dann hinterher eine hoch motivierte Meute in die freie Wildbahn entlassen.

 

 

 

Es gibt keine Abkürzung!

 

 

Wenn Sie als Unternehmer oder Abteilungsleiter denken, ein Wochenendseminar sei besser als gar keine Vorbereitung, dann kann man Ihnen zustimmen. Tatsächlich sollte man Ihnen aber sagen, dass Flickschusterei noch nie ein Zeichen von gutem Management war. Verzeihen Sie diese deutlichen Worte. Wenn die einzigen Ihnen zur Verfügung stehenden Alternativen aber „keine Vorbereitung“ und „Wochenendseminar“ sind, dann rate ich Ihnen zu einem Brainstorming. Es gibt immer mehr als zwei Alternativen. Ja, immer!

 

 

(Fortsetzung)

 

Rainald Runge

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