China und Ausländer (Teil 7)

Was machen Ausländer auf einer Betriebsfeier? Ganz einfach: Das Image des Chefs aufpolieren. Er hat zwar keine internationalen Kontakte, aber es sieht jetzt so aus, weil an jedem Tisch 2 Ausländer pla
Was machen Ausländer auf einer Betriebsfeier? Ganz einfach: Das Image des Chefs aufpolieren. Er hat zwar keine internationalen Kontakte, aber es sieht jetzt so aus, weil an jedem Tisch 2 Ausländer platziert sind.

 

Dies ist die Fortsetzung des Artikels China und Ausländer (Teil 6)

 

 

 

Als Ausländer im Vorteil

 

Es gibt aber auch handfeste Vorteile dabei, in China ein Ausländer zu sein. 

 

Die meisten denken, Sie könnten nur Englisch. 

 

 

Deshalb wird man komplizierte Situationen mit Ihnen vermeiden, weil es schwierig sein mag, sie zu lösen, wenn man nicht gut Englisch spricht. Zu diesen Situationen gehören auch die Verkehrskontrollen. 

 
 

Es macht großes Vergnügen, in eine Verkehrskontrolle in China zu kommen. Die Polizisten sind überfreundlich und tun alles, außer wirklich zu kontrollieren. Ich bin einmal deutlich zu schnell gefahren und wurde nur freundlich vom Polizisten begrüßt. Allerdings gebe ich zu, dass mir das hinterher wirklich peinlich war. Ich möchte nicht, dass ein Einheimischer zu Recht sagen kann, ich würde bevorzugt behandelt. Seitdem bin ich nie wieder zu schnell gefahren. Und bei Rot fahre ich sowieso nicht über die Ampel, auch wenn das hier in unserer Stadt normal ist. 

 

In den chinesischen Medien, vor allem im Internet, kursieren Gerüchte darüber, dass die Angehörigen der chinesischen Opfer nach dem großen Zugunglück im Jahr 2011 nur ein Nasenwasser bekommen hätten, während die Familien der wenigen Ausländer im Zug pro Kopf 30 Mio USD erhalten haben sollen. Die Zahl scheint so wahnwitzig hoch, dass die Geschichte überhaupt nicht wahr sein kann. Nicht desto trotz glauben es viel Chinesen. 

 

Mit anderen Worten: Viele Chinesen haben im Straßenverkehr Angst, dass sie - falls sie einen Ausländer anfahren - zu unglaublichen Schadensersatzforderungen herangezogen werden könnten. Aus diesem Grund hatte ich schon oft das Gefühl, als ob die Auto- und Motorradfahrer ganz betont vorsichtig fahren, wenn ich die Straße überquere. Das mag eingebildet sein oder wahr. 

 

Auf der anderen Seite birgt dies, sollte es wahr sein, in sich auch die Gefahr, dass der Unfallverursacher ganz sicher Fahrerflucht begehen würde, sollte mich jemals jemand überfahren. Denn es ist in jedem Fall billiger, den Polizisten zu bestechen, der die Überwachungskameras auswertet, als einen Ausländer oder dessen Angehörige zu entschädigen. 

 

Als Ausländer wird man in China also in vielen offiziellen oder komplizierten Situationen mit Samthandschuhen angefasst. Auf der anderen Seite muss man in vielen Situationen doppelt und dreifach bezahlen, weil der Andere unterstellt, wir Ausländer hätten alle sowieso zu viel Geld. Die Situation ist komplex und durchaus nicht logisch, aber eben typisch für China. 

 

 

Gruppenfoto mit allen Managern und mit einem Dutzend Ausländer. Die arbeiten zwar nicht in der Firma, sondern sind von der benachbarten Universität angekarrt worden, aber das muss ja niemand wissen. D
Gruppenfoto mit allen Managern und mit einem Dutzend Ausländer. Die arbeiten zwar nicht in der Firma, sondern sind von der benachbarten Universität angekarrt worden, aber das muss ja niemand wissen. Doch. Es weiß jeder! Aber man spricht nicht darüber.

Innen und Außen

 

In jedem Fall ist man als Ausländer exponiert. Die Trennung zwischen dem Innen und dem Außen ist einer der zentralen Faktoren der chinesischen Kultur. Sie können China nicht verstehen und in China nicht überleben, wenn Sie das nicht verstehen. Die Trennungslinie zwischen dem Innen und dem Außen verläuft klar und scharf. Diese beiden Dinge werden nicht vermischt. Niemals. 

 

Es gibt die Trennung zwischen der Familie und dem Rest der Welt. Es gibt eine Trennung zwischen den eigenen Gefühlen und dem, was man außen zeigt. Es gibt eine Trennung zwischen dem, was man denkt, und dem, was man sagt.

 

In diesem Sinne gibt es auch eine eindeutige Trennung zwischen dem Landsmann, dem Mit-Chinesen und dem Nicht-Chinesen, dem Ausländer (Laowai). In diesem Sinne bleiben die Auslandschinesen für immer Chinesen. Zumindest für die Familienangehörigen, zumindest wenn sie es im Ausland zu etwas gebracht haben. 

 

Für Sie als Deutscher gilt das Gegenteil. Sie gehören zum "Draußen". Auch wenn sie 50 Jahre in China gelebt haben, wird dies noch so sein. Und auch wenn Sie eine Chinesin oder einen Chinesen heiraten, wird dies noch so sein. Nur Sie selbst werden denken, dass dies für Sie nicht mehr gilt.

 

Mögen Sie so lange wie möglich und so glücklich wie möglich in dieser Illusion leben.

 

 

Rainald Runge

 

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