Essen in China - Jian Bing (煎饼)

Jian Bing (煎饼) am Straßenrand in Xian in Nordchina. Wenn man als Ausländer einen Jian Bing bestellt, dann kommt man um einen kleinen Smalltalk nicht herum.
Jian Bing (煎饼) am Straßenrand in Xian in Nordchina. Wenn man als Ausländer einen Jian Bing bestellt, dann kommt man um einen kleinen Smalltalk nicht herum.

In China gibt es so viele verschiedene Snacks und kleine Gerichte, die sich perfekt als Zwischenmahlzeit eignen, dass man sie kaum aufzählen kann. 

 

Viele sind wenig spektakulär. Zum Beispiel entdeckte ich hier in Xiamen einen Stand, der leckere Bratkartoffeln verkauft. Der Unterschied zu den guten, alten deutschen Bratkartoffeln liegt in der Menge des verwendeten Öls und in den Gewürzen. Man kann oft ein Gewürz herausschmecken, das entfernt an ein türkisches oder balkanisches Restaurant erinnert. Und natürlich sind die Bratkartoffeln nichts speziell Südchinesisches. Mir sind sie hier nur zum ersten Mal über den Weg gelaufen.

 

Eine Portion Bratkartoffeln als Zwischenmahlzeit führt garantiert zu beschleunigter Gewichtszunahme, und vor allem macht sie eher hungrig als satt, denn die Kartoffeln sind lecker.

 

Über die Liang Pi konnten Sie hier schon wiederholt lesen, und sicher in Zukunft noch mehr. An den Liang Pi ist ja gerade das Faszinierende, dass man sie auf so verschiedene Weise zubereiten und servieren kann. Das gilt eigentlich für viele der chinesischen Snacks oder Gerichte. 

 

 

Ein Snack, bei dem man nur wenig falsch machen kann, das ist der Jian Bing (煎饼). Männlich, wie so oft, weil es eine Art Pfannkuchen (DER Pfannkuchen) ist, und weil ich aus Stuttgart komme und bei uns fast alles männlich ist…

 

Der Jian Bing ist ursprünglich nicht nur ein Snack, sondern ein einfaches Gericht. Nur für uns verwöhnte moderne Menschen mag es als nicht mehr als ein Snack erscheinen. Ein Jian Bing ist ein sehr leckeres Frühstück im Norden Chinas.

 

Als ich im November 2013 wieder anlässlich eines Seminars in Peking war, entdeckte ich in dem Hinterhof einer Fabrik einen kleinen Tante-Emma-Laden, der im Eingangsbereich auch Jian Bing verkaufte.

 

Der Jian Bing ist ein dünner Pfannkuchen, oft mit einem Spiegelei als zweite Lage (das ist aber kein Muss), in den ein Stück knusprig-fritierte Nudel oder Waffel eingeschlagen wird. Das ist eigentlich alles. 

 

Die Mindest-Erfordernisse für einen leckeren Jian Bing, wie auch aus den Fotos ersichtlich ist, sind ungefähr diese: 

 

  • Eine äußerst sympathische Dame im mittleren Alter oder ein netter, älterer Herr
  • an einem leicht versifften oder zumindest grenzwertigen Arbeitsplatz,
  • eine Platte, wie wir sie von der Herstellung der Crêpes kennen,
  • eine Schüssel mit einer fragwürdigen Teig-Mischung,
  • Eier, frisch geschnittenes Schnittlauch oder Frühlingszwiebeln,
  • oft eine Gewürzmischung unbekannter Zusammensetzung oder zumindest schwarzer Sesam,
  • eine braune Soße, die mit einem beängstigend aussehenden Pinsel irgendwann auf den Pfannkuchen geschmiert wird,
  • entweder You Tiao (油条) oder andere in Öl ausgebackene Teig-Gebilde, die knusprig-trocken sein müssen.
So sieht ein fertiger Jian Bing aus. Schmeckt genauso lecker, wie er aussieht!
So sieht ein fertiger Jian Bing aus. Schmeckt genauso lecker, wie er aussieht!

Serviert wird es in einer Papier- oder Plastiktüte. Das heißt, man verbrennt sich erst einmal gehörig die Pfoten, wenn man mit dem Essen beginnt. Im Winter hat man ja Handschuhe an, dann ist es weniger dramatisch. 

 

Ganz wichtig ist aber, dass man den Jian Bing bald isst und nicht erst 15 Minuten wartet, bis er kalt geworden ist. Was noch schlimmer ist, nichtsdestotrotz aber von vielen getan wird, ist, ihn als Snack ins Büro oder in den Bus mitzunehmen. Das sollte man nicht tun. Denn der Jian Bing schmeckt frisch am allerbesten: außen weich, vielleicht noch mit dem Geschmack des frischen Eigelbes und des Schnittlauchs, innen knusprig.

 

Ein Jian Bing ist einfach lecker. Manche Stände bieten noch verschiedene Variationen an. Mein Lieblings-Stand in Beijing hatte nur zwei Variationen: mit oder ohne Ei. Manche haben noch verschiedene Soßen mit unterschiedlicher Schärfe oder andere Füllungen. Die einfachsten Jian Bing sind aber oft die besten.

 

Ach ja - zur Worterklärung:

 

煎饼, korrekt ausgesprochen Jian1 Bing5. Der fünfte Ton (eigentlich gibt es ihn gar nicht) beschreibt den schwachen Auslaut. Die meisten Lehrbücher würden deshalb hier Jian1 Bing schreiben, also ohne Angabe eines Tones. 

 

Jian1 spricht man auf einer relativ hohen, gleichbleibenden Tonhöhe, also fast gesungen. Und das Bing5 spricht man dann einfach aus, in dem man die Stimme fallen lässt. Ach … was red’ ich denn hier! Die chinesische Aussprache in einem geschriebenen Text zu erklären, ist wirklich völlig blödsinnig! Wir waren ja auch eigentlich bei der Wortbedeutung.

 

煎 (Jian1) bedeutet in Öl gekocht, gebraten oder gesotten. Im Chinesischen gibt es ganz verschiedene Zubereitungsarten unter Verwendung von Öl. Im Deutschen haben wir gar nicht so viele Wörter, um den Prozess exakt zu beschreiben. Ich erkläre es immer so (natürlich unzulässig vereinfacht): Jian1 ist das, was wir im Deutschen als Braten bezeichnen würden. Ein Spiegelei ist demnach ein Jian1 Dan4 (煎蛋). 

 

饼 (Bing3) bedeutet Kuchen, Keks, Pfannkuchen oder irgendetwas in der Art: flach, rund, aus Mehl. Fragen Sie jetzt bitte nicht, warum hier der dritte Ton (Bing3) steht, die Erklärung führt wirklich zu weit …

 

Die einfachste und klarste Übersetzung für 煎饼 (Jian1 Bing5) wäre demnach „Pfannkuchen“. 

 

Wenn Sie einmal in Nordchina sind, dann probieren Sie einmal einen 煎饼 (Jian1 Bing5). 

 

 

Guten Appetit!

 

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Kommentare: 2
  • #1

    Ting Ting (Mittwoch, 12 Februar 2014 07:36)

    Au ja, dieses Essen liebe ich auch! Kann ich auch nur weiter empfehlen.
    Richtig leckere gibt es meistens nur so auf kleinen fahrbaren Ständen, die wirklich nicht immer so sauber ausschauen. Man kann manchmal wirklich schon versifft sagen....
    Aber naja, ab und zu kann man wegschauen und sich doch etwas leckeres gönnen ;)

  • #2

    China. Mittendrin. (Mittwoch, 12 Februar 2014 11:09)

    Unglaublich. Ich habe eine Webseite, bei der ich die Blog-Kommentare nicht beantworten kann! Soviel zu meiner Technik-Expertise ...

    Danke, Ting Ting, für Deinen Kommentar. Ich habe noch ein paar neue Snacks während des Frühlingsfests entdeckt. Mal sehen, wann ich dazu komme, darüber zu schreiben. Bis dann!

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