China und Ausländer (Teil 4)

Der typische Ausländer. Dieses Paar macht Werbung für Waffeln und lächelt uns in Millionen von Shops, Supermärkten und Kaufhäusern entgegen. Man kann ihnen nicht entkommen.
Der typische Ausländer. Dieses Paar macht Werbung für Waffeln und lächelt uns in Millionen von Shops, Supermärkten und Kaufhäusern entgegen. Man kann ihnen nicht entkommen.

Dies ist die Fortsetzung des Artikels China und Ausländer (Teil 3)

 

 

 

Laowai - Versuch einer Annäherung

 

Wir würden das komplexe Verhältnis der Chinesen zu den Angehörigen anderer Nationen viel zu sehr vereinfachen, wenn wir es als "gut" oder "schlecht" oder "positiv" oder "negativ" bezeichnen würden. Hier geht es ja nur um einen Aspekt, der aber eher selten diskutiert oder gesehen wird.

 

Das Wort "Laowai" in China ist zunächst eine neutrale Bezeichnung für alle, die keine chinesische Vorfahren haben. Es ist also eine klare, negative Nationalitäts- oder Rassenzuschreibung. "Negativ" heißt hier, der Begriff sagt nicht, wozu man gehört, sondern nur, wozu man nicht gehört. "Negativ" bedeutet hier nicht "schlecht".

 

 

Im Wort "Laowai" schwingen viele Konnotationen mit, die man hier von Kindesbeinen an mitbekommt. Diese Konnotationen müssen nicht explizit formuliert werden, aber bei allen erwachsenen Chinesen schwingen im Begriff "Laowai" mehrere (aber nicht alle) der folgenden Aspekte mit: 

 
  • ist reich
  • muss nicht viel arbeiten
  • verdient in China für weniger Arbeit mehr Geld als Chinesen
  • kommt aus einem Land, in dem alles besser ist als in China (meint höheren Lebensstandard)
  • blickt auf China herab
  • kritisiert fast alles in China, vor allem möchte er dauernd über Politik sprechen
  • kommt aus einem Land, in dem Chaos herrscht (Dieses Bild möchte das staatliche Fernsehen gerne vermitteln.)
  • ist unkompliziert (Manche Chinesen bevorzugen eine Freundschaft mit einem Laowai, weil sie meinen, Ausländer wären viel leichter zu handhaben und eine Freundschaft mit ihnen würde weniger Konfliktstoff bieten; zumindest müsse man nicht auf so viele chinesischen Traditionen und Konventionen Rücksicht nehmen.)
  • bleibt nur für kurze Zeit (Auch das macht für eine Freundschaft oder auch für eine Liebesaffaire attraktiv, denn man legt sich nicht langfristig auf eine komplizierte Beziehungspflege fest, wie es bei Chinesen der Fall wäre. Wer es gerne simpel haben möchte, der sucht sich - vor allem in den Megastädten - ausländische Freunde. Wer aber seine privaten Beziehungen ernst nimmt, der macht um Ausländer einen Bogen.)
  • man kann viel von einem Laowai lernen (eine Fremdsprache, fremde Kulturen, wie man im Ausland lebt oder gut reist)

 

 

Außerdem sind folgende Vorurteile über Ausländer weit verbreitet, über die zum Teil auch auf diesem Blog wiederholt gesprochen wurde:

 

  • kann kein Chinesisch
  • spricht (nur) Englisch
  • Ausländer können jede Sprache (außer Chinesisch) schnell lernen
  • isst jeden Tag Steak und/oder Hamburger
  • trinkt jeden Tag Bier und/oder Wein
  • hat sehr viel Sex, mit häufig wechselnden Sexualpartnern
  • die Frauen haben alle große Brüste (was als sexuell attraktiv gilt)
  • die Männer haben alle eine starke Körperbehaarung und übergroße Geschlechtsteile (was hier beides als Zeichen besonderer sexuellen Leistungsfähigkeit gilt)
  • Schule im Ausland ist viel einfacher, nur chinesische Schüler müssen wirklich hart arbeiten (d.h. die Schüler im Ausland sind verwöhnt und/oder haben ein schönes Leben.)

  

Diese Konnotationen sind die häufigen, die mir immer wieder begegnen, wenn das Thema auf "Ausländer" zu sprechen kommt. 

 
Hier wird ein Bus mit Ausländern nach Quanzhou ins Taiwan-Museum gefahren. Da Ausländer grundsätzlich nie die Wahrheit über China kennen, müssen sie in China eines Besseren belehrt werden.
Hier wird ein Bus mit Ausländern nach Quanzhou ins Taiwan-Museum gefahren. Da Ausländer grundsätzlich nie die Wahrheit über China kennen, müssen sie in China eines Besseren belehrt werden.

Wenn übrigens jemand sagt, das Bildungssystem im Ausland wäre dem chinesischen überlegen, dann dürfen Sie das getrost als Bauchpinselei abtun. Natürlich ist es total "in" und cool und chic, im Ausland zu studieren, weil es sich nicht jeder leisten kann. Es ist ein Statussymbol. Oder ein Garant für eine spätere akademische Karriere in China. 

 

Wer z.B. in China im Grundstudium Parteimitglied wurde, dann im Ausland ein Masterstudium und anschließend seine Promotion abschließt, der bekommt bald nach seiner Rückkehr nach China eine Professur auf Lebenszeit mit allen Annehmlichkeiten. Nur nicht mit den hohen wissenschaftlichen Ansprüchen und Verpflichtungen, denen sich ein Professor in der heutigen Zeit im Westen gegenüber sehen würde.  Das heißt, wenn er oder sie das wünscht. Viele junge Chinesen möchten höher hinaus. Und eine wissenschaftliche Anstellung an einer Uni ist für viele Chinesen bestenfalls ein Nebenjob. Sehr viele Professoren haben noch eigene Unternehmen oder irgendeine Form des Zusatzeinkommens, das um ein vielfaches Höher als ihr Einkommen als Wissenschaftler ist.

 

Dies sind übrigens nicht meine Worte und nicht meine Meinung. Das habe ich so unzählige Male von Chinesen gehört. Und zwar solchen, die im Ausland studieren und von solchen, die auf einem Lehrstuhl in China sitzen. 

 

 

Ausländer haben keine Intimsphäre

 

Ja, es ist wirklich erstaunlich, wie weit manche chinesischen Gesprächspartner dabei versuchen, in intime Themenbereiche vorzudringen. Ich habe keine Hemmungen, über Sex zu sprechen. Aber bitte nicht mit Fremden, und auch nicht, wenn das Thema mit einer Frage nach meiner Körperbehaarung, nach der Beschaffenheit meines Penis oder nach der Anzahl meiner Liebschaften im letzten Monat beginnt. 

 

Auch hier wieder typisch. Wenn ich meinen chinesischen Freunden oder einem Studenten davon erzähle, worüber Fremde oder flüchtige Bekannte mit mir sprechen möchten, dann glauben sie es mir einfach nicht. 

 

Sie halten es schlicht nicht für möglich, dass ein Chinese mit einem Fremden, bzw. mit einem Laowai, über solche Themen spricht. Die in Büchern häufig zu findende und in der Schule tradierte Lesart ist: "Wir Chinesen sprechen nicht über Sex, und schon gar nicht in der offenen und direkten Weise wie die Laowai." Naja, und das bedeutet dann, dass ein Chinese, wenn er einen Laowai trifft, manchmal genau damit anfängt, weil er sich noch dunkel daran erinnert, dass sein Mittelschullehrer ihm dereinst sagte, die Ausländer würden immer über Sex reden.

 

Es sind mir so unglaublich viele Geschichten im Zusammenhang mit diesem Thema passiert, dass es kaum zu glauben ist. Und ich bin mir nicht sicher, ob ein Blog der richtige Ort ist, ausführlich darüber zu sprechen...

 

Rainald Runge

 

(Fortsetzung)

 

 

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