Essen in China - Kao Yu (烤鱼), Teil 2

Kao Yu (烤鱼), gebackener Fisch, irgendwo unter dem Berg an Gemüse liegt er und wartet darauf, gegessen zu werden.
Kao Yu (烤鱼), gebackener Fisch, irgendwo unter dem Berg an Gemüse liegt er und wartet darauf, gegessen zu werden.

 

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Essen in China - Kao Yu (烤鱼), Teil 1

 

 

Was genau ist also Kao Yu?

 

Zum ersten Mal habe ich Kao Yu in Peking gegessen. Es gibt westlich der U-Bahn-Station „Dongzhimen“ eine Straße, die im Volksmund „Gui Jie“ genannt wird. Ich glaube, es ist die Dongzhimen Neidajie, bin mir aber nicht mehr sicher (und grad zu faul, den Stadtplan rauszukramen …). Dort gibt es einige wirklich empfehlenswerte Restaurants, in die man sich auch als Tourist verirren kann, ohne etwas falsch zu machen. 

 

Vor etlichen Jahren habe ich dort zum ersten Mal einen Kao Yu gegessen. Er war scharf, lecker, und für chinesische Verhältnisse teuer. 

 

 

Hier in Xiamen, Fujian, habe ich sehr viele Restaurants gesehen, die das anbieten. Viele Leute essen sogar abends auf der Straße gegrillten Fisch, wenn nach Einbruch der Dunkelheit viele kleine Stände auf den breiten Gehwegen aufgeschlagen werden. Einige bringen einen riesigen Grill mit und das gesamte Equipment, das man für einen richtigen Kao Yu braucht. 

 

Im Prinzip ist es ein ganzer (natürlich ausgenommener) Fisch, der geputzt, aufgeschnitten, aufgefaltet und mit der Haut nach oben in eine große Blechwanne gelegt wird. Er wird kräftig mit dem hier üblichen Grill-Gewürz gewürzt, dazu kommen dann noch 3-5 Arten von Gemüse - je nach Restaurant unterschiedlich, am besten fragt man nach -, eine Unmenge an gegrillten Peperoni und oben drüber noch irgendein Öl-Gemisch. 

 

Eigentlich ist es also kein gegrillter Fisch, sondern eher einer in Öl gekochter oder gesottener Fisch. Das heißt, man kann davon wunderbar zunehmen, wenn man auch noch zusätzlich als Beilage Reis oder Nudeln isst. Und wenn der Wirt kein hochwertiges Öl verwendet, dann kann man sich auch ganz gehörig den Magen verderben. 

 

Aber bleiben wir bei den angenehmen Seiten. 

 

An Gemüse wird in der Regel Chinakohl reingeschnitten, außerdem möglicherweise Gurken, Sojabohnensprossen, Mu-Er-Pilze, Lotus-Wurzeln oder Kartoffeln in Scheiben, und natürlich Frühlingszwiebeln und Koriander, der fast nie fehlen darf. Manchmal gibt’s auch Karotten oder anderes Gemüse. Drei oder vier Gemüse sind Standard, und das genügt eigentlich auch. 

 

 

Der Fisch ruht auf glühenden Kohlen. Im Winter angenehm warm, im Sommer bei über 30 Grad auf jeden Fall schweißtreibend.
Der Fisch ruht auf glühenden Kohlen. Im Winter angenehm warm, im Sommer bei über 30 Grad auf jeden Fall schweißtreibend.

Kao Yu 2.0

 

Hier in der Stadt gibt es ein kleines Restaurant, das eigentlich für nichts wirklich berühmt ist, außer dass es fast alles hier gibt. Es ist schmuddelig genug, um nicht zu teuer zu sein. Und es ist relativ günstig gelegen, nicht im Stadtzentrum, sondern in der Nähe der Uni, aber abseits der Touristen-Ballungszentren. Kürzlich habe ich übrigens sogar Hund auf der Speisekarte gefunden, aber noch nie jemanden gesehen, der es auch gegessen hat. Ich schätze, man muss dieses Gericht wirklich vorbestellen, zumal Hund hier im Südosten wirklich sehr selten angeboten wird. 

 

Wir waren aber eigentlich beim Thema Kao Yu.

 

Das Besondere an diesem Restaurant ist, dass sie den Fisch zuerst grillen und dann anschließend in dem stark gewürzten Öl mit frischem Gemüse servieren, so dass alles auf dem Tisch weiter garen kann. Ich habe auch schon ein Restaurant gesehen, dass in einer ähnlichen Weise Tintenfisch oder Muscheln serviert. In einem Restaurant gab es neben dem Fisch auch noch Muscheln zwischen dem Gemüse. Erkundigen Sie sich einfach nach dem Rezept des Hauses.

 

Der Fisch wird zusammen mit dem Gemüse in einer Metallwanne serviert, die auf einer zweiten Wanne steht, in der sich glühende Kohlen befinden. Zuunterst gibt es dann noch eine dritte Wanne, die mit Wasser gefüllt wird, damit der Tisch darunter nicht gleich Feuer fängt.

 

Da sitzt man also und schaut dem Fisch erst mal beim Köcheln zu. Man kann aber auch sofort mit dem Essen beginnen, und in diesem Falle fängt man meist mit dem Fisch an. Das Gemüse braucht meistens länger. Wenn man schnell isst, dann ist man nach einer Stunde damit fertig. Wenn man sich mehr Zeit nimmt und nebenher viel quatscht, dann dauert es auch länger. 

 

Weil in unserem Lieblingsrestaurant der Fisch zuerst gegrillt wird, muss man mindestens eine halbe Stunde darauf warten, eher 45 Minuten. Für viele Chinesen eine Zumutung, weshalb der Kao Yu für viele dann nur der Abschluss eines größeren Gelages einer größerer Gruppe von Gästen ist. Wir kommen meistens zu zweit und rufen eine Stunde vorher an. Der Wirt kennt uns schon (Welcher Ausländer ruft schon in einem einfachen Restaurant an, um vorzubestellen?), und wenn wir ankommen, dann serviert er meist schon nach wenigen Minuten den gebackenen Fisch in der großen Wanne auf den glühenden Kohlen. 

 

Chinesen trinken dazu, wie fast immer, dieses furchtbare Chemie-Bier (natürlich lauwarm!), von dem ich bestenfalls Kopfweh bekomme - was aber auch einfach damit zu tun haben kann, dass ich keinen Alkohol vertrage. 

 

Wir trinken meistens einfachen Tee dazu, den es in fast allen Restaurants sogar kostenlos zum Essen gibt. Reis, wie gesagt, braucht man keinen dazu, wenn man zu zweit ist (oder isst). Wenn man zu dritt oder viert ist, dann kann man noch eine Schüssel Reis und eine Suppe dazu bestellen. Das genügt. 

 

Guten Appetit!

 

 

 

Rainald Runge

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