Essen in China - Kao Yu (烤鱼), Teil 1

Kao Yu (烤鱼), gebackener Fisch, wird üblicherweise in einem solchen Gestell serviert. Auch vier Personen können davon satt werden.
Kao Yu (烤鱼), gebackener Fisch, wird üblicherweise in einem solchen Gestell serviert. Auch vier Personen können davon satt werden.

 

Wenn heute der letzte Tag Deines Lebens ist, dann geh Kao Yu (烤鱼) essen. So könnte man dieses Thema zusammenfassen. 

 

Wir sprechen hier von einem der absolut fantastischsten Gerichte, die Fischliebhaber in China genießen können. 

 

Gut, wir vergessen hier fürs Erste den Hummer oder die Krabben, den Kaviar oder die Seegurken. Ganz zu schweigen die Haifischflossensuppe. Oder die Austern hier in Südostchina!

 

 

Ja, ich habe auch schon Haifischflossensuppe gegessen. Zwei Mal. Bei diesen zwei Malen wusste ich überhaupt nicht, was ich da in der Schüssel hatte. 

 
Dies ist das Standard-Geschirr und Besteck in einem normalen chinesischen Restaurant. Für den Kao Yu braucht man allerdings nur die Essstäbchen.
Dies ist das Standard-Geschirr und Besteck in einem normalen chinesischen Restaurant. Für den Kao Yu braucht man allerdings nur die Essstäbchen.

Das erste Mal war ein großes Bankett, gesponsert von einer örtlichen Parteigröße. Irgendwann im Verlauf des Banketts kam eine Schüssel mit gelblicher, glibberiger Suppe, die nicht wirklich spannend aussah, hinterher sich aber als ziemlich lecker gewürzt herausstellte. 

 

Beim zweiten Mal war es die Jubiläumsveranstaltung eines sehr erfolgreichen Unternehmers zum zehnjährigen Bestehen seiner Firma. Natürlich gab es da auch Haifischflossensuppe, zumindest weiß ich heute, dass die Suppe dort Haifischflossensuppe war. Und natürlich esse ich so etwas heute nicht mehr. Das liegt aber weniger daran, dass ich für es ethisch fragwürdig halte (tue ich!), sondern vor allem daran, dass ich die Restaurants meide, in denen Menschen verkehren, die so etwas essen. 

 

Damals wusste ich nicht, was es war, weil damals niemand den Namen des Gerichts auf Englisch übersetzen konnte. 

 

Wie es schmeckt? Wie alle exotischen Gerichte, inklusive Schnecken, Schildkrötensuppe oder Hund: langweilig, es sei denn, es sind irgendwelche leckeren Gewürze beigegeben. 

 

Man hat nichts verpasst, wenn man das noch nicht gegessen hat. 

 

Heute meide ich daher auch die Schickimicki-Kreise, in denen so furchtbares Essen geschätzt wird, so weit wie möglich. Ich mag bodenständiges Essen, vor allem, seit ich in den Außenbezirken unserer Stadt in Südostchina, fernab vom Geldadel, wohne. 

 

Es gibt viele, sehr gute Fisch- und Meeresfrüchte-Gerichte in China. Ziemlich bodenständig und ziemlich lecker, und ganz sicher ganz anders als das, was man in einem sogenannten „China-Restaurant“ in Deutschland essen kann. 

 

Die Fischgerichte hier sind aber nicht mit der mediterranen Küche vergleichbar. Die Gewürze sind anders, und nicht alles ist hervorragend. Aber einige Gerichte sind es definitiv. 

 

Manche Gerichte sind schwer zu beschreiben. Vielleicht helfen die Fotos.

Heute geht es um Kao Yu (烤鱼).

 

 

Zur Wortbedeutung

 

Die Wortbedeutung ist ziemlich einfach und schnell erklärt. Die zwei verwendeten Schriftzeichen finden sich auf fast jeder Speisekarte hier am Meer:

 

kao3 (烤) bedeutet gegrillt oder gebacken. Man kann die Bedeutung des Schriftzeichens auch ganz gut erraten. Die linke Hälfte ist das Zeichen für Feuer (Aussprache huo3), sie zeigt die Bedeutung des Wortes an. Die rechte Hälfte legt in diesem Fall die Aussprache fest, denn die rechte Hälfte heißt „kao3“.

yu2 (鱼) heißt Fisch. 

 

Kao3 Yu2 heißt also gegrillter oder gebackener Fisch.

 

 

Man trinkt dazu recht dünnen, einfachen Tee. Die Chinesen hier nennen es oft "Teewasser", und gemeint ist damit der Gratis-Tee, den es in vielen Restaurants gibt.
Man trinkt dazu recht dünnen, einfachen Tee. Die Chinesen hier nennen es oft "Teewasser", und gemeint ist damit der Gratis-Tee, den es in vielen Restaurants gibt.

Niemand muss hungrig nach Hause gehen

 

Die Zubereitung des Kao Yu ist ungefähr genauso kompliziert wie die eines Grillhähnchens, soll heißen: kinderleicht. Aber wie bei allen kinderleichten Dingen, so gibt es auch hier offenbar ein paar kleine Tricks, weshalb einige Kao Yu sehr lecker schmecken und andere eher als grenzwertig zu bezeichnen sind. 

 

Wenn Sie in ein Restaurant kommen, in dem man ihnen Kao Yu anbietet, dann sollten Sie zu allererst einen Blick in das Aquarium mit den Fischen werfen. Warum? 

 

Weil es nicht selten vorkommt, dass in einigen der Aquarien, die hier in China meist im Eingangsbereich der Restaurants stehen, einige Fische mit dem Bauch nach oben schwimmen. Einen bereits seit einigen Tagen toten Fisch sollten Sie vielleicht lieber nicht essen. 

 

Und weil es in China wirklich nicht an Fischrestaurants mangelt, drehe ich mich sofort auf dem Absatz herum, wenn ich in einem Restaurant einen halb oder ganz toten Fisch im Aquarium sehe. Ein solches Restaurant betrete ich nicht mehr. Andere Ausländer sind da möglicherweise großzügiger oder blauäugiger als ich. 

 

Ich habe kein Problem mit versifften Toiletten oder schmuddeligen, billigen Garküchen. Aber wer mir versucht, tote Fische oder Meeresfrüchte anzudrehen, der hat den Rubikon überschritten.

 

Sie sollten also wirklich zuerst einen Blick auf die Swimmingpools Ihres Abendessens werfen, bevor Sie einen Blick auf die Speisekarte werfen. Es lohnt sich. Nicht nur in China, aber auch in China.

 

Es gibt verschiedene Fische, die sich für den Kao Yu eignen. Hier im Südosten wird häufig eine Art Karpfen, er heißt „Graskarpfen“, genommen. Graskarpfen sind nicht so fett wie die Karpfen, die ich früher in Deutschland gegessen habe, das Fleisch ist fester, und der Geschmack neutraler. 

 

Wir sprechen hier von recht großen Fischen. Die kleinsten wiegen in der Regel 3 Pfund. In letzter Zeit habe ich mich mehr und mehr damit abgefunden, dass der Wirt uns mindestens einen Vierpfünder verkaufen möchte. Irgendwie muss der ja auch seine Miete bezahlen. Meine chinesischen Freunde schimpfen immer über den Wucher und die Abzockerei der Wirte hier. Ich finde auch 100 RMB für ein solches Abendessen akzeptabel, solange es nur gut schmeckt.

 

Man muss also mindestens zu zweit sein, zu viert wird man auch noch gut satt davon. Wenn man zu zweit ist, dann sollte man unbedingt auf sämtliche Beilagen (inklusive Reis) verzichten. 

 

Das ist natürlich aus Sicht der meisten Chinesen fast schon wieder ein Ding der Unmöglichkeit (Ohne Beilagen? Zu langweilig!), aber ich habe ein paar gute Freunde, die manchmal zu einer solchen Schandtat bereit sind, nämlich zu zweit einen vier oder fünf Pfund schweren Graskarpfen zu essen, also rund 1kg Fisch pro Person, zuzüglich Gemüse. 

 

Danach braucht man unbedingt einen längeren Spaziergang. Unbedingt!

 

Rainald Runge

 

 

(Fortsetzung)

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0
TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogverzeichnis > </a> </body> </html>
blogwolke.de - Das Blog-Verzeichnis </body
Blogverzeichnis