Essen in China - Henan Bing (河南饼)

Ein 河南饼, ein Fladenbrot aus Henan, gefüllt mit Sojasprossen, Koriander und Tofu. Lecker!
Ein 河南饼, ein Fladenbrot aus Henan, gefüllt mit Sojasprossen, Koriander und Tofu. Lecker!

 

Was kommt dabei heraus, wenn man ein italienisches Ciabatta und ein türkisches Fladenbrot miteinander kreuzt? 

Antwort: ein Henan Bing (河南饼).

Meinem Gefühl nach sind die meisten chinesischen Wörter männlich. Das kommt vielleicht daher, dass ich aus Stuttgart komme, wo man auch „der Butter“ sagt und „der Einser“ zur Straßenbahnlinie U1. Ich sage „der Mantou“, „der Bing“, „der Tofu“, aber „die Jiaozi“, weil es die chinesische Maultasche ist. Wahrscheinlich ist das linguistisch nicht ganz korrekt, ziemlich sicher ist es aber auch völlig wurscht, welchen Artikel man davor setzt…

 

 
Die Bäckerei besteht aus einem Handwagen, der so groß wie ein Tapeziertisch ist. Links auf dem Foto ist der Deckel des Kohleofens zu erkenne, auf dem die fertigen Brote warmgehalten werden.
Die Bäckerei besteht aus einem Handwagen, der so groß wie ein Tapeziertisch ist. Links auf dem Foto ist der Deckel des Kohleofens zu erkenne, auf dem die fertigen Brote warmgehalten werden.

Zur Wortbedeutung

 

Vorab kurz zur Wortbedeutung. Henan (河南) ist eine Provinz in Zentralchina. Wer bei „zentral“ an die Mitte Chinas denkt, liegt natürlich falsch. Gemeint ist aber, dass Henan keinen direkten Zugang zum Meer hat. Henan liegt im Nordosten. 

 

Ein Bing (饼) ist etwas Rundes, das aus Mehl zubereitet ist. Es kann gebacken oder gedämpft sein, es kann aus Weizen oder Reismehl zubereitet sein. Es kann süß oder salzig sein. Es ist also ein Kuchen, ein Brot, eine Pastete oder ein Keks, irgendetwas in dieser Richtung.

 

Ein Henan Bing ist also ein Fladenbrot aus der Provinz Henan. 

 

Bing ist nicht gleich Bing

 

Und obwohl viele Chinesen jetzt vielleicht „Aha!“ rufen und denken, sie wüssten, worum es sich handelt, so werden die Menschen aus dieser Provinz meist fragen: „Woher kommt der Bäcker oder der Verkäufer?“ Henan ist groß, ziemlich groß. Wenn man sich Deutschland der Größe nach vorstellt, dann liegt man damit gar nicht so falsch. Ungefähr 90 Mio. Menschen wohnen dort. Damit ist natürlich klar, dass es hier auch große, regionale Unterschiede bei den sogenannten „typischen“ Gerichten dieser Provinz gibt.

 

Um es vorwegzunehmen, der Henan Bing, um den es hier geht, ist ein etwa handtellergroßes Fladenbrot aus einer Art Weizen-Sauerteig, gebacken in einem traditionellen, tonnenförmigen Kohleofen. Der Ofen sieht also aus wie eine überdimensionale, chinesische Vase. Beheizt wird er mit Kohle-Stücken, die unten auf dem Boden liegen. Die Brote kleben an der Innenwand des Ofens. Wie kleben die dort? Die Innenwand ist rauh, und das Fladenbrot ist leicht feucht. Deshalb klebt es. In vielen Ländern der Erde wird auf diese Weise Brot gebacken. 

 

Die Fotos stammen übrigens aus unserer Nachbarschaft. Ein Vorort einer mittelgroßen, südchinesischen Stadt, und hier in einer Seitenstraße klappen viele Händler ihre Tische am frühen Abend auf und verkaufen bis spät in die Nacht hinein Gemüse, Obst, Nudelgerichte, gebackene Süßkartoffeln, Brot, oder auch einfach den üblichen Krimskrams, den man in einem Tante-Emma-Laden kaufen könnte. 

 

 

Das Ganze ist natürlich illegal, und an den Tagen der regelmäßig stattfindenden Kontrollen der örtlichen Polizei ist die Straße wie leer gefegt. Am nächsten Tag dann jeweils wieder der Mittelpunkt des Lebens in dem Vorort. Besonders lustig ist, dass dieselben Polizisten, die am Vortag die illegalen Stände vertrieben haben, heute an ebendenselben Ständen vorbeilaufen oder vorbeifahren, ohne irgendetwas zu monieren. Man kann hier ganz viel hineinphantasieren, oder einfach sich seinen Teil denken.

 

 

In dieser riesigen Wanne bringt die Bäckerin den vorbereiteten Sauerteig mit, in Tüchern eingewickelt. Wenn die Wanne leer ist, ist Feierabend.
In dieser riesigen Wanne bringt die Bäckerin den vorbereiteten Sauerteig mit, in Tüchern eingewickelt. Wenn die Wanne leer ist, ist Feierabend.

Es macht großen Spaß, dem Bäcker bei der Arbeit zuzuschauen. Und es gibt wirklich nichts Besseres als ein noch heißes, frisch gebackenes Fladenbrot, das mit eingelegtem Gemüse und Tofu-Haut gefüllt ist. Manche mögen es auch mit eingelegten Eiern, mit einer Art Gulasch oder sogar mit so etwas Ähnlichem wie Döner-Fleisch. 

 

Die Brote sind wirklich günstig. Trotz der galoppierenden Inflation kostet ein „leeres“ Brot (ja, so sagt der Bäcker dazu immer) nur einen RMB, ideal, um zu Hause ein Tomatenbrot toskanischer Art zuzubereiten oder ein Fladenbrot mit gedünsteten Pilzen und Zwiebeln. Mit Gemüse belegt kostet es 2 RMB. Selten esse ich zwei, meist ist man nach einem Brot wirklich schon satt. Ein komplettes Abendbrot für 2 RMB, und dazu noch eine lustige Unterhaltung mit dem Bäcker, seiner Frau und seinem Sohn, der inzwischen auch zum Team dazugestoßen ist. 

 

Im Stadtzentrum habe ich einmal eine alte Frau gesehen, die auf einem Leiterwagen einen solchen, vasenförmigen Ofen dabei hatte. Sie verkaufte diese Fladenbrote mit einer Art Hackfleischmischung gefüllt und zusammen gebacken. Das war auch ganz lecker. Aber mit frischem Gemüse schmeckt’s noch besser.

 

Unten noch ein paar Variationen des Henan Bing, wie wir ihn zu Hause manchmal essen: klassisch mit dem Gemüse des Bäckers, mit Pilzen und Zwiebeln, mit Tomaten und Koriander - übrigens am nächsten Morgen auf frisch getoastetem Henan Bing auch sehr lecker.

 

 

Guten Appetit!

 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0
TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogverzeichnis > </a> </body> </html>
blogwolke.de - Das Blog-Verzeichnis </body
Blogverzeichnis