Essen in China - Bringdienst (Liangpi, Nachtrag)

Zwei Portionen Liang Pi im Papp-Becher geliefert frei Haus. Bis Nachts um 1:30 Uhr übrigens.
Zwei Portionen Liang Pi im Papp-Becher geliefert frei Haus. Bis Nachts um 1:30 Uhr übrigens.

 

Gestern Abend war es wieder einmal so weit. Wir hatten vergessen, rechtzeitig Gemüse auf dem Straßenmarkt zu kaufen, zum Abendessen waren wir auch nicht rechtzeitig losgezogen, so dass die normalen, bezahlbaren Restaurants quasi wieder geschlossen hatten. Und der Magen knurrte. Die Wintergrippe war im Anzug, weshalb ich nicht unbedingt vor die Tür wollte. 

 

 

In diesem Fall wählt man einfach die Telefonnummer der Garküche oder des Schnellrestaurants seines Vertrauens, und eine Viertelstunde später wird das Essen frei Haus geliefert. Manchmal muss man einen RMB draufzahlen. Oder wie im Falle unseres Liang-Pi-Lieferanten, hier muss man dann mindestens zwei Portionen bestellen. Für eine Portion macht der sich nicht auf den Weg. 

 

Um die Wahrheit zu sagen, deren Geschäft besteht vermutlich zu 80% aus Lieferdiensten. Ist auch verständlich, wenn man daran denkt, wie es in deren „Restaurant“ aussieht. Aber genug mit der Lästerei, denn die Liang Pi sind einfach köstlich! Zwei Portionen habe ich bestellt, eine selbst gegessen und eine meinem WG-Partner geschenkt. Der hat sich gefreut. 

 

In meiner Foto-Sammlung fand ich noch ein ganz altes Foto. Vielleicht vier oder fünf Jahre alt, vermutlich aus meiner Zeit in Peking. Als ich dieses Foto einem Freund zeigte, rief er: „看起来很北方的,像我们河南一样。” 

 

Hier die sinngemäße Übersetzung: „Das sieht nach Nord-China aus. Genauso wie unsere in Henan.“ 

 

Henan ist eine Provinz im Norden. Über die Menschen aus Henan gibt es mehr Vorurteile, Gerüchte und interessante historische Anekdoten, als es vermutlich Menschen in Henan gibt, aber darüber ein andermal … Für heute genügt die Information, dass die Leute in Henan wirklich gut kochen können. Die interessantesten Speisen sind aber wenig bekannt in anderen Gegenden Chinas oder gar im Ausland. 

 

 

90% der Taxifahrer in unserer Stadt kommen aus Henan. Sie wohnen mehr oder weniger in zwei Vierteln, eines liegt auf der Insel, eines auf dem Festland in unserer Nachbarschaft. Dort, wo die Taxifahrer wohnen, gibt es auch ein paar wirklich typische Henan-Restaurants und -Schnellküchen mit Spezialitäten dieser Provinz. Dort kann man interessante (im positiven Sinne!) kulinarische Erfahrungen machen und echtes Neuland entdecken.

 
Liang Pi in einer der vielen nordchinesischen Varianten, verkauft in der Plastiktüte. Typisch chinesisch und extrem praktisch.
Liang Pi in einer der vielen nordchinesischen Varianten, verkauft in der Plastiktüte. Typisch chinesisch und extrem praktisch.

Auf dem Foto anbei also ein Beispiel für Liang Pi aus Nordchina, verkauft in einer kleinen Tüte, was typisch für einen Straßenverkaufsstand ist.  

 

Und wenn Sie in China sind, vergessen Sie bitte nicht, die Garküche oder das Schnellrestaurant in Ihrer Nachbarschaft zu fragen, ob sie auch liefern. Und wenn ja, unter welchen Bedingungen. Es gibt fast nichts Gemütlicheres, als abends am Schreibtisch oder auf dem Sofa anstatt Kartoffelchips oder Ähnlichem Fabrik-Essen einen Teller leckerer Nudeln oder gegrilltem Gemüse zu essen.

 

Dies ist eines der wirklich angenehmen Erlebnisse in China, das man aber nur haben kann, wenn man - freiwillig oder gezwungenermaßen - in einem Umfeld lebt, in dem es keine oder nur wenige Ausländer gibt, und wenn man über ein durchschnittliches chinesisches Einkommen verfügt, nicht über das Einkommen eines „Expatriats“.

 

Verzeihen Sie, wenn ich hier so oft über Finanzielles spreche. Aber so ist das moderne China eben. Wenn Sie etwas Leckeres essen, dann lautet die Frage nicht: „Was isst du?“, sondern „Was kostet das?“ - Ebenso beim neuen Auto, beim neuen Handy, beim neuen Schal oder sonst irgend welchen Dingen. 

 

Manchmal ist das affig, oft aber kann man es auch wirklich nachvollziehen, wenn man die Lebensumstände der einfachen Leute kennt. Ich habe China erst kennengelernt, als ich mich vor ein paar Jahren dazu entschlossen habe, in eine Straße zu ziehen, in der es nur alte Wohnungen gab und in der kein Ausländer wohnte. 

 

Es war damals zuerst etwas gewöhnungsbedürftig, mit einer Rattenfamilie, zwei Salamandern und einer unbestimmten Zahl an Riesenkakerlaken als Untermietern zu leben. Aber die Nachbarn waren wirklich klasse. Ausgezogen bin ich erst, als die Vermieterin sich dazu entschlossen hatte, die Miete um 60% zu erhöhen. Für das Geld konnte ich auch eine Wohnung ohne Haustiere finden.

 

Die Jungs und Mädels, die den Liang-Pi-Laden betreiben, sind auch sehr nett, locker und unkompliziert. Vielleicht esse ich deshalb gerne zu Abend eine Portion, egal ob zu Hause oder in ihrem Restaurant. 

 

Essen verbindet.

 

 

Rainald Runge

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