China und Ausländer (Teil 1)

"Schau mal, die Ausländer." Eine Gruppe Hilfspolizisten beobachtet neugierig, aber auf Distanz, eine Gruppe Touristen.
"Schau mal, die Ausländer." Eine Gruppe Hilfspolizisten beobachtet neugierig, aber auf Distanz, eine Gruppe Touristen.

 

Ausländer in China - ein schwieriges Erbe antreten

 

Es gibt in China keine Tradition der Immigration. Es gibt keine positive Geschichte des Kontakts mit dem Ausland. Die Ausländer kamen überwiegend als Ausbeuter, Kolonialherren oder als Gangster nach China. Die Geschichtsbücher nennen es leider manchmal noch "Kriege", man kann das, was z.B. auch der deutsche Kaiser in China hier angezettelt hatte, auch organisierte Kriminalität nennen. 

 

Ja, es gab auch Missionare. Aber auch die unrühmliche Geschichte der Missionare ist ausreichend dokumentiert. 

 

Man muss sich das einmal vorstellen: Jahrzehntelang haben die Engländer und andere Ausländer in China mit Opium bezahlt. Opium als Währung! 

 

Ganze Nationen waren in China als Drogenbarone aktiv. Die Engländer vorneweg. Dagegen sind die heutigen, mexikanischen Kartelle doch Anfänger.

 

Wir schimpfen heute über die Kommunisten in China und halten die Fahne des moralischen und verlässlichen Christentums hoch. Dabei sind es doch gerade die sogenannten Christen, die in China dafür gesorgt haben, dass Ausländer im heutigen China nicht nur in gutem Licht dastehen.

 

 

Aus den Augen, aus dem Sinn

 

In den letzten Jahrzehnten war China für uns nicht mehr als eine billige Möglichkeit, umweltschädliche Produktionsbedingungen und menschenunwürdige Arbeitsbedingungen auszulagern. Aus den Augen, aus dem Sinn! 

 

Und jetzt wundern wir uns über die katastrophale Umweltsituation in China und über die Einstellung der Chinesen, sich grundsätzlich nicht um die langfristigen, umweltschädlichen Folgen ihrer Handlungen kümmern zu wollen. Dabei haben wir ihnen das doch genau so beigebracht.

 

Plötzlich monieren sogenannte Bürgerrechts- oder Verbraucherschutzbewegungen medienwirksam die schlimmen Arbeitsbedingungen der Fabriken, in denen Apple seine iPhones produzieren lässt. 

 

Doch wer die Bilder durch die Internet-Videos kennt und die tatsächliche Lage in China, der weiß, dass sowohl die Arbeits- als auch die Wohnbedingungen der Arbeiter dort hervorragend sind im Vergleich zur überwiegenden Mehrheit der Arbeiter in China und in vielen anderen Ländern der Welt. Nein, die Arbeitsbedingungen bei Foxcoon & Co. sind nicht rosig. Ganz und gar nicht. Aber verglichen mit den Hunderten Millionen anderen Chinesen geht es den iPhone-Monteuren wirklich nicht schlecht. Wenn dies der rechtsverbindliche Maßstab für alle chinesischen Arbeiter wäre, dann wären Millionen Familien glücklicher. 

 

Statt dessen prangert man lieber den amerikanischen Computerhersteller mit dem Apfel im Logo an. Die Geltungssucht verschiedener Bürgerrechts-Organisationen befriedigt sich an den chinesischen Zuständen. Dabei hätte es nie soweit kommen können, hätten die Computerhersteller in der Vergangenheit auf Profite verzichtet oder die Kunden bereitwillig mehr Geld für ihre Computer und Hightech-Spielzeuge ausgegeben. Aber wer will das schon?

 

Welches Mitglied von Amnesty International oder von den grünen Parteien würde freiwillig 1000 EUR für ein Handy ausgeben, dass fair produziert wurde und ebenso gut funktioniert wie ihr kostenloses Samsung oder Apple Handy mit dem 2-Jahres-Vertrag?

 

Haben Sie IKEA-Produkte in Ihrem Haushalt? Oder einen Computer? Oder Kleidung? Denn fast unsere gesamt Kleidung stammt ja aus Fernost. Inzwischen nicht mehr aus China, weil China zu teuer geworden ist. Aber bis vor kurzem war das noch so.

 

Ausnahmen bestätigen die Regel

 

Es gibt auch die Einzelfälle unter den Ausländern, die ihr Leben - zumindest für einige Jahre oder Jahrzehnte - in den Dienst des chinesischen Volkes gestellt haben. Sie sind und bleiben aber in der Minderheit. Wir Ausländer haben hier in China noch einiges gut zu machen. Und wir sollten eigentlich vor allem die Klappe halten, wenn es um Ausbeutung und Umweltzerstörung in China geht. Denn wir haben diese Praxis schließlich nach China exportiert. 

 

Doch auch ich halte ja nicht die Klappe. Es ist dabei nicht einfach, beide Seiten zu sehen: die Untaten der Ausländer in den vergangenen 200 Jahren und die Untaten der heutigen Chinesen gegenüber ihren Landsleuten. Man möchte oft am liebsten einfach weglaufen, wegschauen oder  die Augen schließen. Man möchte am liebsten ganz weit weg gehen, zurück in die Heimat oder zumindest von einer Party zur nächsten. 

 

Die Ausländer in China und der Blick der Chinesen auf die Ausländer - das ist ein überaus komplexes Thema, um das die meisten Autoren einen großen Bogen machen. Man kann sich mit wenigen Themen in China schneller unbeliebt machen, als wenn man über die Meinung der Chinesen über Ausländer spricht. 

 

 

 

 

(Fortsetzung)

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