Essen in China - Liang Pi (凉皮)

Liang Pi (凉皮) wird in manchen kleinen Schnellrestaurants in einem Pappbecher angeboten.
Liang Pi (凉皮) wird in manchen kleinen Schnellrestaurants in einem Pappbecher angeboten.

Es gibt in China unzählige Möglichkeiten, einen kleinen Happen zwischendurch zu essen, oder aber spät abends noch etwas zu naschen, wenn man zu früh zu Abend gegessen hat. 

 

Eine dieser hervorragenden Möglichkeiten ist Liang Pi (凉皮). Übersetzt bedeutet das so etwas Ähnliches wie „kalte Haut“. Aber eigentlich weiß jeder Chinese, was Sie meinen, wenn Sie Liang Pi sagen. 

 

 

Man isst Liang Pi oft mit diesen kleinen Einmal-Essstäbchen. Und: Nein, man steckt seine Stäbchen nicht in die Nudeln. Das habe ich nur getan, weil ich sie nicht auf dem Tisch ablegen wollte.
Man isst Liang Pi oft mit diesen kleinen Einmal-Essstäbchen. Und: Nein, man steckt seine Stäbchen nicht in die Nudeln. Das habe ich nur getan, weil ich sie nicht auf dem Tisch ablegen wollte.

Zur Aussprache hier ein kleiner Tipp: Beide Silben werden mit dem sog. zweiten Ton ausgesprochen, also mit einer steigenden Intonation, ähnlich einer Frage im Deutschen. 

 

Sprechen Sie einmal auf Deutsch ein sehr ungläubiges, langgezogenes „Hä?“ aus. 

 

Das ist dann ungefähr der zweite Ton im Chinesischen. Also Liang2 Pi2 - zweimal mit dem zweiten Ton, das muss man schon ein paar Mal üben. Der zweite Ton fällt den meisten Ausländern ganz besonders schwer. Weil es uns innerlich widerstrebt, in einem Aussagesatz ein Wort zweimal mit dem zweiten Ton zu „singen“, ist dieses Wort für viele besonders schwer.

 

Was ist Liang Pi eigentlich?

 

Man könnte es so beschreiben: Liang Pi sind Bandnudeln aus Reismehl. Sie werden natürlich gekocht. Aber als Liang Pi werden sie kalt zubereitet. Irgendwo im Restaurant oder auf dem Imbiss-Wagen befindet sich also eine große Schüssel oder ein Eimer mit kalten, vorgekochten Bandnudeln.

 

Vielerorts werden in die Liang Pi auch klein geschnittene Gurkenstreifen gegeben und Sojasprossen. Klingt doch insgesamt sogar ein bisschen gesund, oder?

 

Der Verkäufer oder die Verkäuferin rührt dann auch für jede Portion extra die Soße an. Ein paar Esslöffel Essig, einen Schuss Sojasoße, einen halben Teelöffel Glutamat (MSG), Salz, mindestens einen Teelöffel geschrotete Peperoni (das kann natürlich variieren), und meist noch eine Geheim-Mischung, von der ich am liebsten auch gar nicht wissen möchte, worum es sich eigentlich handelt. Manchmal ist es die Fleischbrühe vom Vortag, manchmal ist es eine Gewürzmischung. Es gibt unendlich viele Variationen, und jeder Stand und jede Garküche hat ein eigenes Rezept - das natürlich jeweils das einzig wahre ist. 

 

 

Liang Pi (凉皮) mit extra viel Xiang Cai (香菜)
Liang Pi (凉皮) mit extra viel Xiang Cai (香菜)

Und genau das ist der Punkt. 

 

Ich habe schon sehr viele Arten von Liang Pi gegessen. Ich habe mir dabei noch nie den Magen verdorben, aber oft dachte ich, es sei ein bisschen fade. Nichts, was mich vom Hocker reißen würde. Dann zog ich im Jahr 2012 in diesen Vorort, in dem alles ein bisschen chaotischer, schmuddeliger und interessanter ist als in der Großstadt, und hier gab es in einem Hinterhof in einer Seitengasse diesen kleinen Laden, der insgesamt halb so groß war wie mein Schlafzimmer. In Waschzubern standen da verschiedene, vorgekochte Nudeln auf dem Boden. 

 

Es war ein Wagnis, ein kleines Abenteuer. Und die Liang Pi schmeckten wirklich grandios! Genau das richtige Maß an Säure durch den Essig und genau das richtige Maß an Schärfe durch die geschroteten Pfefferschoten. 

 

Der Chef fragte mich, ob ich auch noch Dou Gan (豆干) dazu wollte. Dou Gan, das ist eine Art Tofu, und zwar getrockneter Tofu, eine gelbliche, zähe Masse. Stellen sie sich das einfach so vor wie Tofu, der zu lange in der Sonne stand. Schmeckt lecker, so ähnlich wie italienische Pasta vom Vortag - Italiener mögen es mir verzeihen.

 

 

Liang Pi (凉皮) mit Dou Gan (豆干) und Xiang Cai (香菜). Schmeckt genauso lecker, wie es hier auf dem Bild aussieht.
Liang Pi (凉皮) mit Dou Gan (豆干) und Xiang Cai (香菜). Schmeckt genauso lecker, wie es hier auf dem Bild aussieht.

Ein paar Stücke davon in die Liang Pi, und es wirkt alles gleich noch herzhafter. Der Chef gibt dann noch zwei Esslöffel geröstete Erdnüsse dazu - geröstete Erdnüsse passen zu vielen chinesischen Gerichten als Gewürz oder Beilage, und oben drauf noch gehacktes Xiang Cai (香菜, wörtlich übersetzt „duftendes Gemüse“). 

 

Zu Xiang Cai könnte man noch ein paar Worte verlieren. Die meistens Wörterbücher beschreiben es als Petersilie, es sind aber tatsächlich Korianderblätter. Dem Geruch nach bewegen sie sich irgendwo zwischen Petersilie und Liebstöckel. Man kann sich kaum ein chinesisches Gericht vorstellen, in dem nicht irgendwo eine Prise Xiang Cai drin wäre. Frisch gehackt eignet es sich hervorragend auch als Dreingabe zum Salat. Oder zu den Liang Pi eben. 

 

Eine Schüssel Liang Pi kostet hier ohne Dou Gan 5 RMB, mit kostet sie 6 RMB. Zu teuer, werden jetzt viele Chinesen sagen. Ja, das Essen ist teuer geworden in den letzten 5 Jahren. Das weiß man natürlich nicht, wenn man im Ausland lebt oder im Hotel Mama. Man kann mit so einer kleinen Schüssel gut satt werden. Und wenn’s nicht reicht, bestellt man sich noch eine Portion. Hab ich nur einmal gemacht nach einer vierstündigen Radtour durch die Berge. Damals war ich wirklich hungrig.

 

Liang Pi können Sie auch mehr oder weniger bedenkenlos an einem Stand am Straßenrand essen. In vielen Restaurants gibt es das auch als Vorspeise. Oft ohne Essig oder ohne Peperoni in der Soße, dann schmeckt’s langweilig. Wenn Sie Glück haben, finden Sie einen Platz, wo die Chefin genau die richtige, sauer-scharfe Mischung hinbekommt. Einfach grandios!

 

 

Guten Appetit!

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