Essenszeiten in China (Teil 2)

An solchen Ständen kann man tagsüber und auch abends einen Snack kaufen. Das meiste ist ungenießbar, weil zu fettig und ölig. Wenn Sie einen Snack essen möchten, gibt es viel bessere und oft billigere
An solchen Ständen kann man tagsüber und auch abends einen Snack kaufen. Das meiste ist ungenießbar, weil zu fettig und ölig. Wenn Sie einen Snack essen möchten, gibt es viel bessere und oft billigere Plätze in China. Essen Sie nichts an solchen Ständen.

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Essenszeiten in China (Teil 1)

 

 

„Du brauchst eine Frau!“

 

Männer stehen in China morgens nicht in der Küche. Und wenn die Frau selbst berufstätig ist und es keine Oma oder Haushälterin gibt, dann gibt’s eben nur Reste vom Vortag, gedämpfte Brötchen oder eine Tasse Tee vor dem Gang zur Arbeit.

 

Wenn ich jemandem erzähle, dass ich oft zu Hause koche, dann ernte ich mitleidvolle Blicke und es kommt meistens sofort eine Frage wie: „Möchtest Du nicht eine chinesische Frau finden? Darf ich Dir dabei helfen, eine Frau zu finden? Chinesische Frauen sind wirklich gut.“

 

Niemand kommt auf die Idee, dass ein Mann gerne kochen könnte. Sicher kein Mann über 40 oder ein Ausländer. Diesen Satz höre ich von Frauen und Männern gleichermaßen, jung wie alt.

 

Da fällt mir ein. Ich kannte einmal einen Geschäftsmann, Mitte 40, aus Guangzhou (Kanton), der tatsächlich für sein Leben gern gekocht hat, nicht rauchte und fast nie Alkohol trank. Aber er nahm gerne harte Drogen zum Zeitvertreib. Er konnte es sich leisten, denn seine Firma warf (noch) gute Gewinne ab.

 

 

Aber zurück zum Thema.

 
Ein ziemlich heruntergekommenes Restaurant mit ziemlich guter Küche kurz vor der allabendlichen Rushhour.
Ein ziemlich heruntergekommenes Restaurant mit ziemlich guter Küche kurz vor der allabendlichen Rushhour.

Essenszeiten in Südostchina

 

Das Frühstück nimmt man zu Hause ein, bevor man das Haus verlässt. Alle Mahlzeiten in China sind warme Mahlzeiten. Es ist unvorstellbar für Chinesen, eine kalte Mahlzeit wie z.B. das gute, deutsche Butterbrot, zu essen oder als Mahlzeit zu betrachten. Für diejenigen, die aus irgendeinem Grunde im Morgengrauen nicht gerne in der Küche stehen und Zwiebeln schälen, Gemüse putzen oder Fleisch hacken, gibt es an fast jeder Straßenecke von 6 bis 9 Uhr mobile Verkaufsstände mit Mantou (gedämpften Brötchen), warmer Instant-Sojamilch, Tetrapacks oder Beutel mit Milch (keine echte natürlich, sondern aus Milchpulver angerührte), und einigen anderen extrem ungesunden, weil aus gebleichtem Weizenmehl unter Zugabe von viel Zucker und Backtriebmitteln hergestellten „Broten“, wie die Chinesen alles aus Teig nennen.

 

Wenn man so früh frühstückt, dann knurrt natürlich spätestens um 11 Uhr der Magen. So etwas wie ein zweites Frühstück gibt es in China in der Regel nicht, zumindest traditionell nicht. Ein Pausenbrot um 9:30 Uhr im Büro oder um 10:15 Uhr in der Schule gibt es auch nicht. Deshalb beginnt die Mittagessenszeit gegen 11 Uhr, allerspätestens aber um 12 Uhr. Wer um 12 Uhr noch nicht gegessen hat, der ist Schichtarbeiter, Friseur (die beginnen oft um 10 Uhr mit der Arbeit und essen deshalb etwas später). Um 13 Uhr ist das meiste Essen in billigen Restaurants oder Garküchen bereits ausverkauft. Und um 14 Uhr, spätestens um 14:30 Uhr schließen die Restaurants bzw. möchten die Angestellten dort Pause machen. Man wird dann tatsächlich - auch aus teuren Restaurants - rausgeschmissen. 

 

Wer also wie in Deutschland denkt, man könnte um 7 Uhr frühstücken, um 9:30 Uhr einen kleinen Snack einnehmen und dann um 13 Uhr zum Mittagessen gehen, der wird hier in Südostchina, aber auch in anderen Regionen, wenig Glück haben. In den Kantinen oder in den Mensen der Schulen und Unis sind um 12:30 Uhr nur noch die kalten Reste des Essens übrig, das die anderen verschmäht haben. 

 

Wenn man so früh zu Mittag isst und keine Kaffeepause einlegt, denn natürlich gibt es weder eine Kaffeepause noch eine Teatime, der bekommt irgendwann vor 17 Uhr bereits wieder Hunger. Und das ist auch die Zeit, zu der man sich zum Essen trifft oder Feierabend hat. Viele Angestellte aus Regierungs- oder Verwaltungsorganisationen rüsten sich spätestens gegen 16:30 Uhr fürs Abendessen. 

 

In den Restaurants und Garküchen beginnt der Hochbetrieb um 17:30 Uhr. Man sieht aber tatsächlich in den Restaurants bis 19 oder 20 Uhr Menschen, die dort gemeinsam essen. Für einen Ausländer ist es fast unmöglich, ein System dahinter zu erkennen. 

 

 

So etwas wie ein Betriebsausflug zum Jahresende. Bitte mit nicht kaltem Bier! Und wie immer in China, so sitzt man zusammen, spielt auf seinem Handy, anstatt sich zu unterhalten.
So etwas wie ein Betriebsausflug zum Jahresende. Bitte mit nicht kaltem Bier! Und wie immer in China, so sitzt man zusammen, spielt auf seinem Handy, anstatt sich zu unterhalten.

Abendessen - zum Ersten, zum Zweiten … 

 

Das Abendessen ist die wichtigste Tageszeit für die Pflege von Geschäftsbeziehungen, denn man kann gemeinsam Alkohol trinken. Egal welchen Fusel, aber richtige Männer trinken eben Alkohol. 

 

Besonders amüsant, aber nichtsdestotrotz typisch für China, fand ich eine Situation gestern Abend. Wir waren etwas früher mit Essen fertig, an den Nachbartisch setzte sich eine große Gruppe. Der Kellner fragte: „Was trinkt ihr?“ Einer der Gäste rief: „Bier“. (kein richtiges Bier, sondern gelbes, chemie- und alkoholangereichertes Wasser mit Kohlensäure; schmeckt widerlich und führt garantiert zu einem mordsmäßigen Brummschädel am nächsten Tag) 

 

Der Kellner fragte: „Kalt oder nicht kalt?“ Einer der Gäste rief: „Natürlich nicht kalt. Wer will schon im Winter kaltes Bier trinken!“ 

 

Wir haben zur Zeit abends um die 12 Grad. 12 Grad an der Küste mit einer steifen Brise sind gefühlte 0 Grad, und das ohne Heizung und bei meistens geöffneten Fenstern. Klar möchte man da nicht noch weiter auskühlen. Aber lauwarmes Bier?

 

Also - um es kurz zu fassen: Man isst oft zweimal abends. Einmal gegen den Hunger oder mit Freunden, das zweite Mal zur Beziehungspflege und meistens mit Alkohol. Deshalb haben die Restaurants abends mehr Betrieb als tagsüber. 

 

Die kleinen, billigen, leckeren Garküchen öffnen aber um 17 Uhr. Und das Essen ist in der Regel um 19 Uhr längst ausverkauft. Wer dann noch etwas zum Essen sucht, bekommt zumindest nicht mehr die günstigen, leckeren Angebote. Auch in der Mensa unserer Uni beginnt das Abendessen um 17 Uhr, und um 18:30 Uhr ist nur noch das Zeug übrig, das niemand so recht essen möchte. 

 

Natürlich ist die Nacht lang, wenn man so früh zu Abend isst. Deshalb gibt es hier das sogenannte „kleine Vesper“. Nicht alle nehmen es ein, und nicht immer. Aber wenn man um 17 Uhr isst und sich nicht den Bauch vollschlägt, dann muss man spätestens um 22 Uhr noch einen Happen nachschieben. Traditionell gibt es hier in der Gegend um Xiamen ein paar leckere Gerichte, vor allem gebratene Nudeln mit Shrimps und Lauch. Alternativ dazu eine Nudelsuppe, aber auch eine im Ofen gegarte Süßkartoffel oder ein gedämpfter Maiskolben. 

 

Ich trinke gerne vor dem Schlafengehen eine Tasse Kaffee (koffeinfreier Instantkaffee) mit einem oder zwei kleinen Keksen, oder manchmal esse ich einen Apfel oder knabbere ein paar geröstete Sonnenblumenkerne, Kürbiskerne oder Pistazien (leider sündhaft teuer hier). 

 

In den Monaten, in denen ich mehr auf mein Gewicht achte, muss ich abends ein Glas selbst gemachte Sojamilch trinken, sonst hält man die Nacht wirklich nicht durch. Aber so oder so knurrt der Magen gegen 6 Uhr morgens, und man wacht auch ohne Wecker auf. 

 

Rainald Runge

 

 

(Fortsetzung)

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