Essen in China - das Abenteuer beginnt (Teil 3)

Ein typischer Touristen-Snack in Suzhou. Zucker wird erhitzt und mit Sesam, Erdnüssen und Mehl gemischt. Es gibt verschiedene Rezepte. Das "Mischen" geschieht wie hier gezeigt durch Drehen und Ziehen.
Ein typischer Touristen-Snack in Suzhou. Zucker wird erhitzt und mit Sesam, Erdnüssen und Mehl gemischt. Es gibt verschiedene Rezepte. Das "Mischen" geschieht wie hier gezeigt durch Drehen und Ziehen. Was man nicht sehen kann: Die Masse ist heiß!

 

Dies ist die Fortsetzung des Textes Essen in China - Das Abenteuer beginnt (Teil 2)

 

 

Ungestört Essen - Fehlanzeige

 

Eine nicht normale Unterhaltung an einem normalen Tag mit einem völlig Unbekannten könnte so klingen:

 

Ein Fremder beginnt ein Gespräch mit mir. Meistens sieht mich jemand in einem Restaurant und hat gehört, dass ich mit der Kellnerin Chinesisch gesprochen habe. 

 

Vielleicht möchte er freundlich sein, kommt rüber zu mir an den Tisch, bietet mir eine Zigarette an (ich rauche nicht), zündet sich dann selbst eine an und schaut mir paffend beim Essen zu.

 

Ein wirklich typisch chinesischer Snack. Man kann ihn fast an jeder Straßenecke kaufen, manchmal auch in einem Restaurant. Halb verfaulter Tofu, frittiert. Die Ausländer nennen es "stinky tofu". Und d
Ein wirklich typisch chinesischer Snack. Man kann ihn fast an jeder Straßenecke kaufen, manchmal auch in einem Restaurant. Halb verfaulter Tofu, frittiert. Die Ausländer nennen es "stinky tofu". Und das ist noch untertrieben.

Alle Ausländer essen immer Steak

 

Der Fremde: "Ihr Ausländer esst ja jeden Tag Steak, richtig?"

Ich: "Nö, eigentlich nicht. Ich esse sowieso sehr wenig Fleisch, und Steak wirklich fast nie."

"Ihr esst nicht täglich Steak? Das sieht man aber dauernd im Fernsehen."

"Tja, vielleicht ist ja nicht alles richtig, was im Fernsehen kommt."

"Kann nicht sein, ich sehe dort immer Ausländer, die Steak essen."

"Ich nicht. Ich habe seit mindestens 4 Jahren kein Steak mehr gegessen."

"Was isst du dann? Hamburger?"

"Nein, ich bin doch kein Amerikaner?"

"Esst ihr Ausländer nicht alle das Gleiche?"

"Nö."

 

Pause. 

 

Der Fremde: "Wow, Du kannst ja mit Stäbchen essen! Ich dachte, das Gehirn von Euch Ausländern wäre dafür nicht gebaut."

Ich: "Echt? Ich habe schon als Jugendlicher gelernt, mit Stäbchen zu essen."

"Was isst du denn normalerweise?"

"Wahrscheinlich das Gleiche wie du."

"Kann nicht sein. Erzähl mal, was du so isst. Was hast du gestern zum Mittagessen gehabt?"

"Wie fast immer. Eine Schüssel Reis und drei verschiedene Sorten Gemüse dazu."

"Kein Fleisch?"

"Nein, wozu?"

"Das ist nicht gesund, ohne Fleisch."

"Ach?"

"Ja,  das sagen die Ärzte in China. Du solltest täglich Fleisch essen. Sonst wirst du krank."

"In Europa und in Amerika sagen die Ärzte, wenn du täglich Fleisch isst, wirst du krank und stirbst früher."

"Echt?"

"Keine Ahnung, das sagen die Wissenschaftler, aber die haben vielleicht keine Ahnung."

 

O.K., mein letzter Satz war natürlich fies. Denn jetzt muss der Gesprächspartner das Thema wechseln, um nicht etwas Schräges sagen zu müssen. Aber eigentlich würde ich gerne arbeiten, und das Gespräch stört einfach.

 

 

Der Fremde: "Was ist dein Lieblingsessen in China?"

Ich: "Oh, da gibt es viele. Mein Lieblingsessen ist vielleicht das uigurische Da Pan Ji (gebratenes Hähnchen in scharfer Tomatensoße mit viel Knoblauch, Zwiebeln und Tomaten), denn es erinnert mich an das Essen in Südosteuropa. 

 

Außerdem mag ich sehr gerne Jiang MuYa (im Tontopf gebackene Ente mit sehr viel Ingwer), denn das riecht so ähnlich wie unsere Weihnachtsgans in Deutschland. Hier in Fujian sind meine Lieblingsspeisen die Hong Chang (selbstgemachte, getrocknete und gebratene Schweinsbratwürste mit viel Knoblauch, Majoran und Schnaps drin), die gibt es hier in Xiamen und in der Umgebung als Spezialität bei Familienfesten - selbstgemacht! Die gekauften schmecken aber nicht so gut. Ich esse sie nie in einem Restaurant. 

 

Das Gleiche gilt für die Wu Xiang (Rouladen mit 5 besonderen Gewürzen, deshalb der Name "5 Geschmäcker"), auch die sind lecker, aber nur wenn sie selbst gemacht sind. Die Tante meines besten Freundes in Zhangzhou macht die immer, wenn ich zu Besuch komme. 

 

Ich mag auch Mei Cai Kao Rou (gedünstetes, eingelegtes Gemüse mit Kräutern und Schweinebauch, schmeckt so ähnlich wie Grünkohl und Pinkel und sieht auch ähnlich aus), weil mich der Geschmack an den Winter in meiner Heimat erinnert."

 

Der Fremde: "Du kennst China besser als ich, diese Speisen kenne ich selbst nicht alle."

Ich: "Nö. Ich muss noch sehr viel über China lernen. Ich verstehe vieles noch nicht,"

 

 

Die lange Antwort - so ehrlich sie war - war ziemlich fies von mir. Denn der Durchschnittschinese kennt mindestens die Hälfte der oben erwähnten Gerichte nicht, weil es sich um regionale Spezialitäten handelt. Man bekommt sie fast überall in China. Aber man bestellt im Restaurant ja nur das, was man kennt. 

 

Solche Unterhaltungen mit einer Prise Zynismus ereignen sich wirklich ungefähr einmal pro Monat. Manchmal bin ich alleine unterwegs, manchmal sind meine Freunde dabei. Und die liegen dann fast unter dem Tisch vor Lachen. Sie sind in diesen Situationen immer der Meinung, dass ich viel zu geduldig und freundlich sei. Ich weiß natürlich, dass ich absolut unverschämt war. Und oft tut es mir hinterher auch leid.

 

 

Wenn man lange genug in China lebt, kann man das verstehen. Aber das ist ein anderes Thema. Hier geht's ja erst einmal ums Essen.

 

 

Rainald Runge

 

 

(Fortsetzung)

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