Essen in China - das Abenteuer beginnt (Teil 1)

Die Gäste am Nachbartisch haben gerade das Restaurant verlassen. An diesen Anblick müssen sich viele Deutsche womöglich erst noch gewöhnen.
Die Gäste am Nachbartisch haben gerade das Restaurant verlassen. An diesen Anblick müssen sich viele Deutsche womöglich erst noch gewöhnen.

 

Essen verbindet. Gemeinsame Mahlzeiten verbinden!

 

Das mit Abstand schönste, interessanteste, vielfältigste und lustigste Thema mit Bezug auf China ist Essen.

 

Und die meisten Chinesen werden Ihnen nicht einmal böse sein, wenn Sie das so plump sagen. Denn auch sie reden gerne und viel übers Essen, denken oft ans Essen. "Liebe geht durch den Magen." Das gilt in China ganz sicher für Geschäftsbeziehungen, aber auch für Familientreffen, und irgendwie auch mit Bezug auf das gesamte Land. 

 

Kürzlich belauschte ich im Restaurant ein Gespräch zwischen einem jungen Mann und einer jungen Frau - es klang sehr deutlich nach einem Eheanbahnungsgespräch -, das im wesentlichen aus einem sehr intensiven Austausch von Gerichten und Rezepten bestand. Man wollte herausfinden, ob die Geschmäcker kompatibel sind. Solche Gespräche sind nicht unüblich in China. Auch nach einer Urlaubsreise werden die Heimkehrer intensiv befragt, was sie denn alles gegessen hätten. 

 

 

Manchmal scheint es so, als wäre das Essen der Mittelpunkt des gesamten Lebens. Richtig so! Stimmt ja auch. 

 
Unser Abendessen. Zwei Personen. Vorne rechts gedünstete Spargelblätter, im Hintergrund gedünstete Bittermelone, vorne links Auberginen-Gulasch
Unser Abendessen. Zwei Personen. Vorne rechts gedünstete Spargelblätter, im Hintergrund gedünstete Bittermelone, vorne links Auberginen-Gulasch

 

Ausländer können China nicht verstehen…

 

Ohne Essen geht hier gar nichts. Und wer alleine isst, der muss schon eine sehr, sehr gute Begründung haben, wenn er nicht als seltsam gelten möchte. 

 

Natürlich werden auch hier wieder viele Chinesen widersprechen. Dies wäre eine völlig verzerrte oder falsche Darstellung der Kultur. 

 

Klar, wie immer. Egal, was ein Ausländer beobachtet, es muss immer falsch oder zumindest ungenau sein. Das gilt besonders für alle Details, die auch nur den Hauch einer Kritik an China enthalten könnte. Und zu behaupten, es wäre quasi verboten, in China alleine zu essen, das geht natürlich überhaupt nicht...

 

 

 

Jetzt mal im Ernst: Man isst gemeinsam!

 

Es gibt gute Gründe dafür, alleine in einem Restaurant oder in einer Garküche zu essen, z. B. wenn man plötzlich Hunger bekommt und niemand erreichbar ist, der einen begleiten könnte. Oder wenn man weit weg von daheim etwas zu erledigen hat und kein Bekannter in der Nähe wohnt oder arbeitet. Oder z.B. wenn man sich als Studentin gerade auf eine Prüfung vorbereitet. Dann spart man Zeit, wenn man schnell etwas allein herunterschlingt. 

 

Nicht vergessen: Prüfungsvorbereitung ist immer Last-Minute-Vorbereitung. Also rund um die Uhr. Mahlzeiten sind dann Zeitverschwendung oder ein notwendiges Übel.

 

Aber jeder Chinese wird Ihre Meinung teilen, wenn Sie sagen, alleine schmeckt's nicht so gut wie in Gesellschaft. Nicht nur in China, auch in anderen Kulturen ist dieses Phänomen beobachtbar. Aus irgendeinem Grund fällt es mir in China aber besonders auf. Ah, richtig. Ich lebe ja hier…

 

Wenn ich ein Restaurant oder eine Garküche betrete, in der ich zuvor schon einmal war, dann kommt statt der Frage "Wie viele Personen?" nur die Bemerkung "Hä, du bist heute allein unterwegs?" Nicht weil ich immer einen Tross mit Fans hinter mir herziehen würde, sondern weil es eben normal ist, nicht alleine zum Essen zu gehen. 

 

Viel stärker als in Deutschland weht mir da ein warmer Wind des Mitleids entgegen. 

 

In Deutschland:

"Du isst alleine?"

"Ja."

"Ach so."

 

In China: 

"Du isst alleine?"

"Ja."

"Warum? Sind deine Freunde alle krank?" (oder so ähnlich)

 

 

 

Regionale Spezialitäten und Snacks

 

Aber das ist hier eigentlich gar nicht das Thema. Es geht in den folgenden Tagen um chinesische Gerichte und um chinesische Snacks. 

 

Mit "Snacks" meine ich hier das Äquivalent der deutschen Currywurst, der Stuttgarter Roten oder der guten alten Pommes, oder auch des LKW (Leberkäsweckle, wie man in meiner Heimat sagt).

 

In China gibt es eine Unmenge von solchen Snacks, ursprünglich in  bestimmten Regionen beheimatet, aber aufgrund der wachsenden Zahl der Arbeitsmigranten gibt es fast alle regionale Spezialitäten fast überall in China. 

 

Es ist also völliger Unsinn, wenn Ihnen jemand weismachen will, dass man für Dim Sum nach Kanton oder gar Hongkong gehen müsste, für die Peking-Ente nach Peking oder für richtig scharfes Essen nach Sichuan. Vergessen Sie das! Der Koch, der die Peking-Ente in Peking zubereitet, kommt sowieso aus Hunan, der Kellner aus Gansu und die Frau an der Kasse aus Kanton. Es ist alles durchmischt, und man mag das gut oder schlecht finden, aber so ist es eben im modernen China. Es gibt nur sehr wenige lokale Spezialitäten, die wirklich lokal geblieben sind. 

 

Und das hat auch oft seinen guten Grund. Nur die wirklich seltsamen Gerichte bleiben lokal oder regional. Hier ein paar Beispiele.

 

Rainald Runge

 

 

(Fortsetzung)

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