Winter in Süd-China

Am 30.12.2013 war klar: Der Winter ist da. Zum Glück sagt der Wetterbericht auch, dass es übermorgen bereits tagsüber wieder über 20 Grad geben wird.
Am 30.12.2013 war klar: Der Winter ist da. Zum Glück sagt der Wetterbericht auch, dass es übermorgen bereits tagsüber wieder über 20 Grad geben wird.

Der Winter ist da!

 

Als ich heute auf das Thermometer meines Handys schaute, zeigte es abenteuerliche 1 Grad. 

 

Da lebt man nun im Süden Chinas in einer Stadt, die vermutlich das beste Wetter des ganzen Riesenreiches überhaupt zu bieten hat, und dann das!

 

 

Nun mal ganz langsam. 

 

Das beste Wetter?

Und wo bitteschön liegt das Problem bei 1 Grad?

 

Das Wetter in China ist ziemlich vielfältig, aber auch auf jeden Fall ganz anders als in Deutschland. Im Sommer heißer und im Winter kälter. Im Norden zumindest. In Xinjiang, im Nordwesten Chinas klettern die Temperaturen im Sommer auf fast 40 Grad, und im Winter weit unter Null. Im Nordosten sind minus 20 Grad fast der Normalfall im Winter, im Sommer sind deutlich über 30 Grad ebenso ganz normal.

 

In Peking ist es im Sommer wirklich heiß, deutlich über 30 Grad. Zum Glück weht meistens ein Wind, und der Smog schirmt die UV-Strahlen zum Teil ab, aber es ist heiß. Und man bekommt einen Sonnenbrand, wenn man sich nicht schützt.

 

Shanghai bietet deutlich über 30 Grad im Sommer und im Winter auch mal gerne unter Null. 

 

In Guangzhou (Kanton) und Hongkong wird das Wetter ein wenig tropischer, hat also längere Regen-Phasen. Aber auch hier kann man noch keine Regenzeit-Trockenzeit-Unterscheidung treffen wie weiter Süden. 

 

Der südlichste Zipfel Chinas ist eigentlich die Insel Hainan. Dort ist es schön angenehm warm im Winter, ein Paradies für Reiche und Neureiche. Aber im Sommer ist es wirklich unerträglich heiß dort. Und nur die hartgesottenen Einheimischen und die Soldaten, die dort sein müssen, halten sich dort im Sommer auf. 

 

 

Bei 10 Grad im Wohnzimmer auf dem Sofa entspannen

 

Und wo liegt jetzt das Problem bei den 1 Grad (plus) im Winter?

 

Das Problem liegt darin, dass es im Süden keine Heizungen gibt. Gar keine! Man hat sich daran gewöhnt, das es so ist, und niemand in China scheint die Entscheidung Maos infrage zu stellen, nach der man im Süden keine Heizung bräuchte.

 

Ein besonders krasses Beispiel ist Nanjing. Die ehemalige Hauptstadt im Süden ist teilweise von Bergen umgeben, so dass das Wetter - egal welches - sich dort irgendwie sammelt und hartnäckig hält. Im Sommer ist es brütend heiß. Und im Winter bitterkalt. Ohne Heizung mitunter eine Woche oder mehr bei minus 10 Grad auszuharren, das ist schon eine Meisterleistung. 

 

Man kann sich elektrische Heizlüfter ins Zimmer stellen. Aber versuchen Sie mal, eine 60qm-Wohnung mit einem oder mehreren Heizlüftern auf 18 Grad zu erwärmen, wenn gleichzeitig die Fenster nicht richtig schließen oder - wie in China weit verbreitet - die Löcher in den Wänden für die Klimaanlagen nicht verschlossen oder nicht richtig abgedichtet sind. 

 

Es ist ein ziemlich sinnloses Unterfangen. Wenn man es doch versucht, dann braucht man locker 300-500 RMB pro Monat, allein für die Stromrechnung. Und dann wird's eng mit einem durchschnittlichen chinesischen Gehalt. Nur wer hier in China mit Euros lebt, der wird sich das leisten können. 

 

Deshalb versuchen die Einheimischen im Süden gar nicht erst zu heizen. Es hat ja doch keinen Sinn.

 

Die Menschen in Nanjing haben natürlich auch eigene Methoden entwickelt, mit dem besonderen Wetter dort fertig zu werden. Ich bewundere sie nur. 

 
Jeder Sonnenstrahl wird ausgenutzt, um die Bettwäsche und auch sonst die gesamte Kleidung in der Sonne zu lüften. Alltag in der kalten Jahreszeit in Südchina.
Jeder Sonnenstrahl wird ausgenutzt, um die Bettwäsche und auch sonst die gesamte Kleidung in der Sonne zu lüften. Alltag in der kalten Jahreszeit in Südchina.

Xiamen - So muss das Wetter im Paradies gewesen sein

 

Hier in Xiamen gibt es vielleicht an zwei, drei Tagen im Sommer über 35 Grad. In einem besonders heißen Jahr auch mal eine Woche, aber das ist eigentlich die Ausnahme. Ansonsten herrschen hier von Juni bis September ziemlich stabile 33 Grad. Der Küstenwind macht das Leben hier ziemlich angenehm. Und nur auf den geteerten Straßen ist es unangenehm heiß. Zu Hause kann man mit einem Ventilator gut klarkommen, auch ohne Klimaanlage. Als ich im 26. Stock direkt am Meer wohnte, brauchten wir weder Ventilator noch Klimaanlage. Es zog immer ein frischer Wind durch die Wohnung. Alle Fenster waren natürlich offen.

 

Man schwitzt halt. Ans Schwitzen gewöhnt man sich. Und ans Sitzen in Unterhosen oder im Unterhemd am Schreibtisch oder auf dem Sofa auch. Das ist hier die ganz normale Lebensweise.

 

Im Winter sinkt die Temperatur ums Frühlingsfest (Ende Januar oder Anfang Februar) für zwei Wochen vielleicht kurz unter 10 Grad (plus!). Es ist schon bitterkalt, aber man gewöhnt sich an das Tragen mehrerer Pullover und mehrerer Paar Strümpfe übereinander, Tag und Nacht. Und man steckt die Füße in irgendwelche Wärmekissen, wenn man am Schreibtisch sitzt. Viele Chinesen sitzen hier vor allem im Winter nicht "normal" auf einem Stuhl oder Sofa, sondern eher im Schneidersitz, oder sie hocken auf einem Stuhl. Dadurch können sie verhindern, dass die Kälte die Beine hoch kriecht. 

 

Wenn mich jemand nach dem Wetter hier fragt, sage ich immer: Im Sommer nicht so heiß wie Shanghai und im Winter nicht so kalt wie Shanghai.

 

Es gibt hier keinen Dauerregen wie vielleicht weiter im Süden. Frühling und Herbst sind manchmal regnerisch, aber das bedeutet auch nur, dass es den halben Tag regnet, und die zweite Hälfte des Tages relativ ist. Für deutsche Verhältnisse aber immer noch verdammt feucht. Man bekommt nach ein paar Tagen das Gefühl, dass die eigenen Knochen anfangen zu vermodern, aber nach ein paar Jahren hier lernt man, auch damit umzugehen. 

 

Ein wichtiges Thema ist der richtige Umgang mit den Fenstern (siehe dazu auch den Blog-Artikel Fenster auf, Fenster zu). Wenn man die Fenster zur falschen Zeit öffnet oder schließt, hat man den Schimmel im Haus, und zwar überall, auch im Kleiderschrank und in den Matratzen. 

 

Die Einheimischen hier begegnen diesem Problem mit zwei unterschiedlichen Strategien: Erstens niemals die Fenster schließen, damit immer ein wenig Luftbewegung in der Wohnung ist. Das hat den Nachteil, dass man eben im Winter auch 8 Grad in der Wohnung hat. Das könnte für manche Deutsche eine Herausforderung werden. Es sei denn, Sie haben den letzten Weltkrieg miterlebt. Aber dann sind Sie vermutlich auch schon so alt, dass Sie gar nicht mehr nach China reisen oder hier wohnen möchten ... 

 

Zweitens werden alle Bettdecken, Kissen, Matratzen und mehr oder weniger der gesamte Inhalt des Kleiderschranks in die Sonne gehängt, sobald sie sich einmal für einen Tag zeigt. Auf diese Weise vermeiden die Einheimischen hier im Südosten, dass der Moder sich im Haus festsetzt. 

 

 

 

Ein Hoch auf die Liebestöter

 

Erst in diesem Jahr habe ich ein paar Sets langer Flanell-Unterwäsche gekauft, in der Größe XXXL, wobei die Arme und Beine endlich nicht mehr viel zu kurz, sondern nur noch etwas zu kurz sind (Asiaten haben wesentlich kürzere Gliedmaßen bei gleicher Körpergröße, weshalb es sehr schwierig ist, passende und billige Kleidung zu finden, wenn man Europäer ist und größer als 180cm ist.).

 

Und endlich muss ich nicht mehr drei Monate durchfrieren. Mir ist es jetzt in diesem Jahr, ehrlich gesagt, wurscht, ob es zwei Wochen oder zwei Monate lang unter 10 Grad hat. Diese Flanell-Unterwäsche ist wirklich genial. 

 

Aber 1 Grad?

 

Heute früh habe ich meine Daunenjacke angezogen, einen Schal und Handschuhe. Aber ich habe die Mütze vergessen. Es war schon sehr, sehr, sehr kalt. Wenn man im Sommer 6 Monate mit über 30 Grad (quasi Tag und Nacht) lebt, dann sind Temperaturen um 1 Grad fast unerträglich kalt. 

 

Oder ich bin ein Weichei, das ist auch möglich. 

 

 

Ei ... Dabei fällt mir ein, eigentlich sollte heute das Thema "Seien Sie kein Ei" drankommen. Aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Übermorgen.

 

 

 

Rainald Runge

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