Weihnachten in China (Teil 3)

Weihnachtsdeko in einem Schaufenster in Quanzhou. Was sind das für Kreaturen rechts unten im Fenster???
Weihnachtsdeko in einem Schaufenster in Quanzhou. Was sind das für Kreaturen rechts unten im Fenster???

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Weihnachten in China (Teil 2)

 

 

 

 

Willkommen zum 50. Blog-Artikel bei China. Mittendrin.!

 

Im letzten Teil der Artikelreihe über Weihnachten in China geht es um ein ungewöhnliches Weihnachtsessen, einen heftigen Kater nach Glühwein und den nicht ganz einfachen Versuch, in der chinesischen Provinz ein wenig Weihnachtsstimmung im eigenen Heim zu zaubern.

 

 

Weihnachtsdeko in einem Bekleidungsgeschäft. Der Sinn dieser Deko muss im Abschrecken potenzieller Kunden liegen.
Weihnachtsdeko in einem Bekleidungsgeschäft. Der Sinn dieser Deko muss im Abschrecken potenzieller Kunden liegen.

Weihnachten, Thanksgiving und Pizza - das passt!

 

Im Jahr 2012 fand in einem Restaurant in Xiamen ein Weihnachtsessen statt. Es gab Truthahn, Pizza, Brokkoli und Salat. Und die Füllung des Truthahns, denn es war natürlich ein Thanksgiving-Truthahn. 

 

Der Besitzer wollte vermutlich den Ausländern eine Freude machen und bot dieses Essen für einen relativ guten Preis an, chinesischen Rotwein inklusive (den ich dann aber lieber doch nicht trank), und alle waren glücklich. An unserem Tisch saß noch ein amerikanisches und ein australisches Paar. Wir thematisierten die Zusammenstellung der Gerichte nicht. Und die anwesenden Chinesen (90% der Gäste waren Chinesen) dachten vermutlich: „Endlich einmal ein richtig westliches Weihnachtsfest!“

 

Es schmeckte alles sehr gut, das muss man sagen. Und die Gespräche mit den Tischnachbarn waren sehr anregend. In diesem Jahr (2013) wollte ich wieder dorthin gehen. Diesmal sollte es 180 RMB pro Person kosten. Umgerechnet in Euro ein Klacks, gemessen an meinem chinesischen Gehalt aber einfach überzogen. 

 

Warum diesmal so teuer? „Weil der Wein in diesem Jahr besser ist.“ - so die Antwort. Ich wollte keinen Wein trinken, aber natürlich gab es keinen Sonderpreis. Für 180 RMB pro Person kann man sich schon sehr viele, sehr gute Restaurants aussuchen, natürlich abgesehen dieser westlich anmutenden In-Plätze. Da kostet es das Zehnfache. Aber da geht man auch nicht hin, wenn man für seinen Lebensunterhalt noch arbeiten muss … 

 

 

Ich entschied mich, zu Hause etwas Einfaches zu kochen.

 
Weihnachtsdeko in einem Großmarkt in Quanzhou. Ja, sowas kaufen die Leute hier! Eine Woche später war alles ausverkauft.
Weihnachtsdeko in einem Großmarkt in Quanzhou. Ja, sowas kaufen die Leute hier! Eine Woche später war alles ausverkauft.

Im Jahr 2013 sollte Weihnachten wieder etwas mehr werden. Zwei deutsche Kollegen an der Uni hatten eine Feier mit allen Germanistik-Studentinnen organisiert. Fast alle kamen auch. Sie hatten mit einem studentischen Chor deutsche Weihnachtslieder geprobt, es gab ein Gewinnspiel zur Landeskunde, es wurde gewichtelt (jeder hatte ein kleines Geschenk mitgebracht), und anschließend gab es von einer Kollegin mit den Studenten gemeinsam gebackene Kekse und selbstgerechten Glühwein. 

 

Natürlich trank ich ein Glas. Und das war ein Fehler. Am Ende der Feier fragte ich die Kollegen, was das für ein Wein war. Sie sagten: „Ach, das ist chinesischer, den haben wir hier gekauft.“ Ich fragte: „Das war doch bestimmt sehr teuer, oder?“ - „Och nö, die Flasche für 12 RMB.“ 

 

 

Für 12 RMB pro Dreiviertel Liter bekommt man viel, aber keinen Wein. Auch wenn „Wein“ drauf stand. Das Kopfweh am nächsten Tag hatte es in sich … 

 
Warum klettern die als schottische Weihnachtsmänner verkleideten Schneemänner auf eine Leiter auf der einen Seite hoch und auf der anderen wieder herunter? Fragen über Fragen ...
Warum klettern die als schottische Weihnachtsmänner verkleideten Schneemänner auf eine Leiter auf der einen Seite hoch und auf der anderen wieder herunter? Fragen über Fragen ...

Weihnachten 2013 daheim in China - ein Versuch

 

Mein WG-Partner wollte gerne wissen, wie Weihnachten ist, also ging ich in ein paar Großmärkte, um nach Weihnachtsdekoration zu suchen. Das war wieder so ein Abenteuer. Es verschlägt einem den Atem, wenn man sieht, was es hier alles unter dem Begriff „Weihnachtsdekoration“ gibt. Ich war unentschlossen. Sollte ich die hässlichsten Dinge kaufen, im Sinne einer ironischen Weihnacht? Oder sollte ich versuchen, etwas „Deutsches“ zu finden. 

 

 

Ich entschied mich für den Mittelweg und kaufte einen kleinen künstlichen Baum, den man auf den Tisch stellen konnte, ein paar Sterne, die zwar furchtbar hässlich, aber dafür groß waren, und ich machte noch ein paar Fotos. Eine deutsche Kollegin hatte mir noch zwei Tüten mit den leckeren selbst gebackenen Keksen geschenkt, und ich kaufte noch ein wenig Schokolade, ein Glas chinesischer Nutella, und die konnten wir mit einem frischen, im Brotautomaten selbst gebackenen Brot essen. Das kam der der Weihnachtsstimmung dann noch am nächsten.

 
Unser Mini-Weihnachtsbaum 2013. Man beachte den Apfel auf dem Tisch. Typisch für Weihnachten in China.
Unser Mini-Weihnachtsbaum 2013. Man beachte den Apfel auf dem Tisch. Typisch für Weihnachten in China.

Einen Apfel zum Heiligen Abend

 

Hier noch eine kleine Zusatzinformation zur modernen chinesischen Alltagskultur. In China schenken sich junge Leute (und Geschäftsleute ihren Kunden) einen Apfel an Heiligabend. Einen Apfel, keine Orangen. Warum eigentlich?

 

Heiligabend heißt auf Chinesisch Ping An Ye (平安夜), wörtlich übersetzt heißt das friedliche (平安)

Nacht (夜). Apfel heißt aber auf Chinesisch Ping Guo (苹果), wörtlich Apfel (苹) - Obst (果). Das „Ping“ taucht in beiden Wörtern auf, wird ähnlich ausgesprochen, hat aber natürlich eine ganz andere Bedeutung. 

 

Ein Apfel ist aber keine Frucht des Friedens oder so ähnlich. Bei der Wort „Ping“ denken die Chinesen also entweder an Frieden oder an einen Apfel, abhängig vom Kontext. 

 

Deshalb gibt es zu Weihnachten immer einen Apfel. Meine chinesischen Studenten sind davon überzeugt, dass sie damit etwas typisch Deutsches oder zumindest etwas typisch Westliches tun. Einige denken, dass dies eine uralte chinesische Tradition wäre. Da Äpfel mein Lieblingsobst sind, freue ich mich und diskutiere nicht darüber.

 

Wie schon mehrfach gesagt: In China lernt man, einfach mal die Klappe zu halten und sich mit den anderen zu freuen. 

 

 

 

Hier ist der Weihnachtsmann schon vor der Bescherung blau.
Hier ist der Weihnachtsmann schon vor der Bescherung blau.

 

In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

 

Rainald Runge

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