Weihnachten in China (Teil 2)

Weihnachtsdeko in einem Hotel in Südchina, 2013.
Weihnachtsdeko in einem Hotel in Südchina, 2013.

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Weihnachten in China (Teil 1)

 

Weihnachten im Südosten Chinas

 

Seit 2009 wohne ich in der Provinz Fujian in Südchina. In die anderen Regionen reise ich nur noch aus beruflichen Gründen oder, um die kulturellen Veränderungen der letzten Jahre zu dokumentieren.

 

Hier in Süd-Fujian, rund um die Stadt Xiamen, gibt es auch heute noch sehr viele Christen und christliche Kirchen. Sowohl die staatlich anerkannten (und offen staatlich kontrollierten Kirchen), als auch die sogenannten Hauskreise, also Gruppen, die sich privat treffen.

 

In Xiamen (genauer gesagt auf der benachbarten Insel Gulangyu) gibt es die älteste protestantische Kirche bzw. Gemeinde Chinas. Die Liturgie im Gottesdienst ähnelt sehr der in einer deutschen protestantischen Kirche. Man kann sogar die Lieder mitsummen. Alles wirkt irgendwie vertraut. Die Gottesdienste werden hier in Mandarin und in Minnan Hua (der örtlichen Sprache) abgehalten. 

 

 

Weihnachtspyramide in Xiamen auf der Zhongshan Straße (中山路), 2013.
Weihnachtspyramide in Xiamen auf der Zhongshan Straße (中山路), 2013.

Auch an Heiligabend gibt es Gottesdienste in den evangelischen und katholischen Gemeinden hier. Und viele Nicht-Christen gehen dorthin, weil sie denken, es gehöre sich so zu Weihnachten. Schließlich sieht man ja in allen westlichen Filmen, dass die Weißen immer zu Weihnachten in die Gottesdienste gehen. Und was die Weißen tun, ist schick, ist „in“. Deshalb tun es alle, die modern sein wollen, oder diejenigen, die sich auf ein Leben im westlichen Ausland vorbereiten. Die Inhalte und Hintergründe des Weihnachtsfestes spielen hierbei überhaupt keine Rolle. Man macht halt mit, weil’s modern und westlich ist. Genauso wie das Essen mit Messer und Gabel. Wir würden das „Verwestlichung“ nennen, hier nennt man es „in“.

 

In meinem Bekanntenkreis gibt es immer irgendwelche chinesischen Freunde, die mir entweder die Freude eines „typisch deutschen Weihnachtsfestes“ machen möchten oder die lernen wollen, wie man richtig Weihnachten feiert. In jedem Fall verspricht es, ein ziemlich groteskes Unterfangen zu werden. 

 

 

 

Weihnachts-Deko, von meinen Mitarbeitern organisiert. 2007.
Weihnachts-Deko, von meinen Mitarbeitern organisiert. 2007.

Ein Deutscher feiert Weihnachten in China

 

In besonderer Weise ist mir das Weihnachtsfest von 2007 in Peking in Erinnerung. Der bereits erwähnte Mitarbeiter wollte mir offensichtlich eine große Freude bereiten. Erst führte er mich zu dieser überdimensionierten „Weihnachtspyramide“, die mitten in Peking stand. Dann führte er mich in meine Wohnung, in der er mir zuliebe einen „richtigen Weihnachtsbaum“ vorbereitet hatte. Also einen ungefähr 50 cm hohen Plastikbaum im amerikanischen Design. Die Geste war aber wirklich so rührend, dass ich mich sehr darüber freute. Auch wenn der Baum etwas nackt im Wohnzimmer stand und Kerzen, Orangen, Kekse und Lebkuchen fehlten. Aber was soll’s!

 

Auf dem Tisch standen zwei Sektgläser und eine eine Flasche Schaumwein. Natürlich nicht aus dem Kühlschrank, denn Chinesen trinken eigentlich keinen kalten Sekt. Schon gar nicht im Winter. Genauso wie sie kein kaltes Bier trinken (Aber auch das ist eine ganz andere Geschichte…).

 

Und was noch auf dem Tisch stand: Ein Weihnachts-Kuchen. 

 

 

Ein Weihnachtskuchen.
Ein Weihnachtskuchen.

Als ich das sah, war ich so verwirrt, dass ich gar nicht wusste, was ich tun sollte. Also zückte ich mein Handy und machte ein Foto. Das passt immer, und darüber freuen sich immer alle Anwesenden.

 

Ich musste also eine pappsüße Sahnetorte mit, zugegeben sehr leckeren, Erdbeeren essen und ziemlich widerlichem, lauwarmen, billigen Sekt an Heiligabend trinken. So stellte sich mein Mitarbeiter „typisch deutsche“ Weihnachten vor.

 

Ich fand es rührend, aber ich konnte niemandem davon zu Hause erzählen. Sie hätten es mir doch nicht geglaubt. 

 

 

In den vergangenen Jahren bekam ich also jedes Jahr eine Einladung zu Weihnachten, oder es gelang mir, rechtzeitig vor den Feiertagen krank zu werden, oder ich musste glücklicherweise so viel arbeiten, dass ich keine Zeit für Feiern hatte. Das war die einfachste Lösung. 

 

Rainald Runge

 

(Fortsetzung)

TopBlogs.de das Original - Blogverzeichnis | Blog Top Liste Blogverzeichnis > </a> </body> </html>
blogwolke.de - Das Blog-Verzeichnis </body
Blogverzeichnis