Weihnachten in China (Teil 1)

"Merry Christmas" an einer Schaufensterscheibe in Quanzhou.
"Merry Christmas" an einer Schaufensterscheibe in Quanzhou.

Weihnachtsbäume in China

 

Weihnachten in China, das ist so eine Sache für sich.

 

Zuerst die berechtigte Frage: Feiern die Chinesen überhaupt Weihnachten? Gibt es Weihnachten in einem kommunistischen oder buddhistischen oder konfuzianischen Land überhaupt?

 

Die Antwort ist ein ganz klares Jein.

 

Wer keine Lust auf lange Erklärungen hat, der kann sich die Fotos auf dieser Seite anschauen. Die kurze Erklärung ist: Weihnachten in China ist schrill, schräg und laut.

 

 

Weihnachtsdeko in einem Hotel in Südchina, 2013.
Weihnachtsdeko in einem Hotel in Südchina, 2013.

Mein erstes Weihnachten in China erlebte ich im Jahr 2007. Eigentlich eine bescheuerte Idee, zu Weihnachten nach China zu fahren. Aber ich hatte Urlaub und wollte unbedingt China (genauer gesagt: Peking) einmal im Dezember erleben. 

 

Aus beruflichen Gründen musste ich in den Jahren 2007 und 2008 oft nach China. Hotels sind einfach lästig, oft verraucht und nicht unbedingt hygienisch. Es sei denn, man kann und will sich 5 Sterne leisten. Außerdem wollte ich nicht immer Kleidung für 3 Wochen mitschleppen. Also mietete ich eine (überraschend günstige) Wohnung, ganz in der Nähe des Lama Tempels, also wirklich zentrumsnah.

 

Ich kam also immer mit kleinem Gepäck. Für meine Wohnung kaufte ich ein paar Handtücher, Bettwäsche, ein paar Teller, Tassen, Gläser. Und im Schrank lagen ein paar Oberhemden, im Schuhschrank standen ein paar Schuhe bereit. Wenn man wusste, wo, dann konnte man damals für 100 EUR wirklich einen ganzen Kleiderschrank oder Schuhschrank voll machen. Aufgrund der Inflation hat sich das leider geändert.

 

Übrigens sind die Wohnungen fast ausnahmslos möbliert. Das machte die Sache noch einfacher. Es war ein Erstbezug, also war die Matratze auch noch originalverpackt und kam vermutlich ohne ungebetene Mitbewohner. In jeder Hinsicht war diese Wohnung besser als ein Hotel.

 

Man muss wissen, dass die Stadtluft im Jahr 2007 fantastisch sauber war, verglichen mit 2013. Es war also fast eine Traumwohnung: mitten in Peking, Neubau. 

 

 

Die große Weihnachtspyramide von Peking, 2007. Man sieht an der Bildqualität deutlich: Dies war die Zeit, als Handy-Kameras noch ziemlich furchtbar waren.
Die große Weihnachtspyramide von Peking, 2007. Man sieht an der Bildqualität deutlich: Dies war die Zeit, als Handy-Kameras noch ziemlich furchtbar waren.

Zurück zum Thema: Weihnachten 2007

 

Ein damaliger chinesischer Mitarbeiter sagte zu mir: „Den schönsten Weihnachtsbaum meines Lebens habe ich in Beijing gesehen. Den muss ich Dir zeigen.“ Wir gingen hin. 

 

Was ich dort dann sah, war schwer zu beschreiben. Es war kein Weihnachtsbaum. Als naiver Süddeutscher vom Lande war ich ziemlich geschockt, was hier alles als „Weihnachtsbaum“ durchgeht, obwohl ich mittlerweile weiß, dass in vielen Ländern der Welt der Weihnachtsbaum anders aussieht als … naja, sagen wir als es im Buch steht.

 

Der „Weihnachtsbaum“ in Peking war (und ist) ein Metallgestell, an dem ein paar bunte, überdimensionierte Kugeln und ein paar Lichterketten befestigt sind. Zum Glück blinkte er nicht auch noch in verschiedenen Farben. 

 

Weihnachten in China, das ist aus Sicht traditioneller oder christlich-gläubiger Deutscher ein schlechter Witz. Denn niemand in China kennt wirklich den historischen Hintergrund, die Bedeutung der biblischen Geschichten oder gar die Entstehungsgeschichte des Weihnachtsfestes, wie wir es heute feiern (mit gänzlich unchristlichem Hintergrund natürlich). 

 

 

Warum gibt es in dieser Konditorei keine Weihnachtsdeko am Heiligen Abend? Weil Konditoreien ihr Geld mit Hochzeiten und Geburtstagen verdienen, nicht mit Feiertagen. Oder die simple Antwort: Zu viele
Warum gibt es in dieser Konditorei keine Weihnachtsdeko am Heiligen Abend? Weil Konditoreien ihr Geld mit Hochzeiten und Geburtstagen verdienen, nicht mit Feiertagen. Oder die simple Antwort: Zu viele Umstände, die Deko zu ändern. (太麻烦)

Weihnachten in China, das ist ungefähr genauso wie der Valentinstag oder der Muttertag in Deutschland. 

 

Oh ja, und natürlich gibt es den Valentinstag in China auch (sogar zwei Mal), und den Muttertag. Aber das ist hier ja nicht das Thema. 

 

Bei Weihnachten geht es um Kommerz, ums Verkaufen, um den Umsatz. Die Menschen haben nicht einmal Urlaub hier. Nur die Mitarbeiter deutscher Firmen (wie auch des Goethe-Instituts oder der Konsulate) haben ein paar Tage frei. Alle diejenigen, die in chinesischen Firmen oder an der Uni arbeiten, die waren auch in diesem Jahr jeden Tag brav bei der Arbeit. Denn der Heilige Abend fiel auf einen Dienstag. 

 

 

Lebkuchenhäuser in einer Konditorei in Quanzhou. Natürlich nicht aus Lebkuchen. Aber aus braunem Brotteig. Oben steht passenderweise drauf "Happy New Year".
Lebkuchenhäuser in einer Konditorei in Quanzhou. Natürlich nicht aus Lebkuchen. Aber aus braunem Brotteig. Oben steht passenderweise drauf "Happy New Year".

Wenn man einen Chinesen fragt: „Feiert Ihr eigentlich auch Weihnachten?“, dann kommt ganz sicher die Antwort: „Ja, sicher!“ Und wenn man weiter fragt: „Wie feiert Ihr Weihnachten?“, dann kommt ganz sicher die Antwort: „Genauso wie Ihr Deutschen, mit der Familie und mit Freunden, und mit einem Weihnachtsbaum, und mit Geschenken. 

 

Der Grund für diese Art der Antworten liegt allerdings darin, dass Chinesen in vielerlei Hinsicht wie die alten Römer denken. Wenn Sie die Geschichte Roms kennen, dann werden Sie wissen, worauf ich anspiele. Mit Bezug auf die Feste: Sie nehmen alles mit.

 

Chinesen feiern die Feste, wie sie fallen.

Soweit, so gut. Das ist aber nur die halbe Geschichte. 

 

Rainald Runge 

 

(Fortsetzung)

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