Seien Sie kein Ei! (Teil 1)

So viele verschiedene Eier. Die großen sind übrigens Enten-Eier.
So viele verschiedene Eier. Die großen sind übrigens Enten-Eier.

 

Seien Sie kein Ei

 

 

Mit Bezug auf Ihr Auftreten gegenüber Chinesen - in Deutschland, in China und in anderen Ländern - ist vielleicht der wichtigste Tipp dieser: Seien Sie kein Ei!

 

Das Ei. Es ist außen weiß und innen gelb. 

 

Ein "Ei", so nennen Asiaten in den USA und anderswo Weiße, die so leben oder fühlen (möchten) wie Asiaten. Also jemanden, der als Weißer in seinem Heimatland lebt, aber sogar im Alltag asiatisch isst, asiatische Sprachen lernt oder bei jeder Gelegenheit spricht, asiatische Sportarten pflegt, (fast) nur asiatische Freunde hat, verschiedene asiatische Traditionen und Feiertage pflegt und jeden Urlaub in seinem asiatischen Lieblingsland verbringt. Das typische Ei begrüßt seine japanischen Freunde auf Japanisch, während diese mit einem fröhlichen "Hi!" antworten. Das typische Ei isst ständig mit Essstäbchen, während seine chinesischen Freunde zu Messer und Gabel greifen. Das typische Ei schaut sich abends immer Kung-Fu-Filme auf DVD an, während sich seine asiatischen Freunde den neuen Action-Streifen mit Jason Statham reinziehen.

 

So sind sie eben, die Eier: außen weiß, innen gelb. Egal, wie gelb sie auch versuchen zu denken und zu fühlen. Sie bleiben doch außen weiß.

 

Was vordergründig ziemlich rassistisch klingen mag - und ausnahmsweise sind wir Weißen einmal die Zielgruppe der rassistischen Sprüche - trifft im Kern vielleicht ganz einfach ins Schwarze.

 

 

 

Das Ei - Worum geht es?

 

Erinnern Sie sich noch an den einen oder anderen Schulkameraden, der oder die alles Asiatische toll fand?

 

Mangas, Kampfsport, Essen mit Stäbchen, Sushi oder Kimchi, Instant-Nudeln, Glückskekse (die ja gar nicht asiatisch sind), regelmäßig ins China-Restaurant oder zum Thailänder, an Karneval natürlich als Ninja verkleidet zur Disko ... 

 

Da gibt es außerdem Angehörige der Generation 50+, die damals zu Osho gepilgert sind. Da sind die Bildungsreisenden, die einen Buddha im Vorgarten oder auf der Terrasse stehen haben, weil sie sowas mal in Thailand, Burma oder in Japan gesehen haben. Oder wie eine liebe Freundin, die ganz stolz auf ihrer Facebook-Seite gepostet hat, dass sie zu Weihnachten eine japanische Suppe (so eine Art japanisches Fondue, nur eben mit Suppe, gibt’s in China auch. Aber beide Länder beanspruchen die Urheberrechte zu besitzen…) auf dem Tisch zubereitet hat.

 

Diese Dinge sind an sich ja noch nicht besonders aufregend, und ganz und gar nicht schlimm. Sie zeigen, dass alles Fremde auf uns Deutsche eine gewisse Anziehung ausübt. Und sei dies nun religiös-spirituell, künstlerisch oder kulinarisch. Und ich gehöre ja sicher auch zu dieser Gruppe. Ich hab mir ja auch nicht ohne Grund China angetan.

 

 

Tom Yam … was?

 

Apropos. Da fällt mir grad was ein. In Berlin gibt es im S-Bahnhof Friedrichstraße etliche asiatische Schnellrestaurants. Einer war ein Thailänder oder Vietnamese, er hatte vor ca. 10 Jahren die leckerste Tom Yam Suppe dort. Als ich ein paar Jahre später wiederkam, war sie nur noch durchschnittlich, dafür aber viel teurer.

 

Fällt Ihnen etwas bei dieser Geschichte auf?

Ich sagte gerade "ein Thailänder oder Vietnamese". Es ist uns Deutschen doch oft egal, aus welcher Gegend Asiens jemand kommt. Hongkong, China, Kanton? Alles dasselbe. Japan, Korea? Schmeckt doch alles gleich. Malaysia, Indonesien? Die Gerüche sind identisch. Und den scharfen Curry gibt es doch auch überall in Asien. Tom Yam blablabla, irgendwas aus Thailand - oder war es Taiwan?

 

Ja, so denken wir leider oft, wenn wir es uns einfach machen möchten. 

 

Meist brauchen wir Freunde aus einem dieser Länder, die uns dann aufklären, was genau die Unterschiede sind. Oder wir fahren ein paar Mal in Urlaub hin. Oder, was am besten wäre: Wir leben dort ein paar Jahre lang.

 

Aus der Distanz fällt es schwer, einen Unterschied zu sehen. Und genauso wie meine von Japan besessene Freundin China scheußlich findet, genauso findet ihr von China besessene Freund Japan gruselig. Was wir nicht kennen, fällt uns leicht zu hassen. Das war schon immer so. 

 

Nun, manche „Eier“ sind schon alleine deshalb peinlich, weil sie alles durcheinander bringen. Da gibt es das japanische Sushi mit den koreanischen Essstäbchen und der chinesischen Instant-Nudelsuppe. 

 

Andere wiederum fallen unangenehm auf, weil sie alles ganz genau wissen möchten. Und ganz genau tun möchten. Eben typisch Deutsch. Und dann am besten auch noch die Koreaner missionieren wollen, wie sie ihr geliebtes Kimchi verbessern könnten…

 

 

Zurück zum Thema!

 

Es ist für uns Deutsche genauso schwer, die asiatischen Kulturen von einander zu unterscheiden, wie es für Chinesen schwer ist, einen Unterschied zwischen Amerika, England, Frankreich und Deutschland zu sehen. Ich treffe immer wieder Chinesen, die mir sagen, ich wäre ganz bestimmt  Amerikaner, weil Europäer nicht so wie ich aussehen würden. Andere sagen mir, ich müsse Europäer sein, weil der Akzent der Amerikaner, wenn sie Chinesisch sprechen, anders klingen würde als meiner. Wieder andere sagen, ich müsse ein Russe sein. Denn ich wäre so groß und bärig (bin ich gar nicht...).

 

Mit anderen Worten: Es ist ganz normal, erstens dass Fremdes (vor allem wenn's gut schmeckt oder einfach schön ist) auf uns anziehend wirkt. Und es ist ganz normal, wenn wir uns damit schwer tun, die Details auseinanderzuhalten.

 

Zurück zum Thema. Was ist ein Ei?

Ein Ei ist also jemand, der dem Äußeren nach ein Weißer ist, aber innerlich sich wie ein Asiate fühlen möchte. Diese Leute sind dann auch meist "päpstlicher als der Papst", wenn es um die "Reinheit" der Tradition geht. Sie kochen japanischer als die Japaner, können besser Kalligraphie schreiben oder Tai-Chi als die meisten Chinesen, haben ihre Wohnung wie einen indischen Tempel eingerichtet oder ähnliches.

 

Manche Asiaten finden so etwas ziemlich ablöschend, nervtötend, albern.

 

Rainald Runge

 

 

(Fortsetzung)

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Kommentare: 2
  • #1

    Ull (Dienstag, 30 Dezember 2014 19:16)

    Ich kommentiere nur, weil mir dieser Eintrag sehr gut gefallen hat!

    "Erinnern Sie sich noch an den einen oder anderen Schulkameraden, der oder die alles Asiatische toll fand?" - ja... das war nämlich ich selbst!

    Ich muss aber klar stellen dass ich wohl kein Ei bin, so wie sie das hier darstellen. . aber mein Herz für China (und Ostasien) ist groß..

    Ich danke Ihnen für diesen ausgezeichneten Blog!

  • #2

    Mevrouwtje (Donnerstag, 25 Februar 2016 17:14)

    Ich bin auch seit Disneys Mulan ein Ei geworden wie alt war ich da 7 evtl? Dann kam anime,manga,Japan,Korea ,thailand etc.
    Jetzt bin ich schon ganz stolz über mein breitgefächertes Wissen und voralledem Interesse and asiatischer Kultur. China gehört zu den Ländern die ich gerne noch näher kennenlernen möchte, weshalb ich fuer diesen Blog um so dankbarer bin.

    Aber seien wir doch mal ehrlich ein bisschen "Ei"sind wir doch alle.
    (sonst währen wir nicht auf dieser Seite)

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