Von China lernen

Ein Gebäude im Kaiserpalast in Peking im Winter.
Ein Gebäude im Kaiserpalast in Peking im Winter.

Von China kann man viel lernen. Und in China kann man viel lernen. Denn von den Chinesen kann man viel lernen. 

 

 

Ich lerne in China jeden Tag Neues, oft sogar viele verschiedenen Dinge. Egal ob ich mit Freunden zusammen bin oder die Nachbarn auf dem Balkon beobachte (Neugier ist eine der Nationalsportarten in China, und endlich darf man ganz ungeniert alle und alles anschauen, so wie die alte Frau im Dorf am Fenster, die das Leben spannender als den Fernseher findet!), egal ob ich zur Arbeit gehe oder spazieren gehe: China ist ein guter Platz, um etwas zu lernen. 

 

Über sich selbst, über das Menschsein, über den Kapitalismus und den Kommunismus, über Umweltschutz und -zerstörung, über Religion und Atheismus, über gutes Leben und gutes Sterben. 

 

China ist ein guter Lehrmeister. Manchmal denke ich, für mich ist China der beste Lehrmeister, den ich finden konnte.

 

Einige der Dinge, die man in China lernen kann, erscheinen immer wieder als Motive in diesem Blog. Dazu gehören:

 

  • einfach mal die Klappe zu halten
  • sich rauszuhalten
  • wegzuschauen
  • fünfe gerade sein zu lassen
  • mit Enttäuschungen umzugehen
  • die Bedeutung des Wortes „kafkaesk“ in der Praxis
  • die Fähigkeit, eine Situation eskalieren oder de-eskalieren zu lassen
  • zu genießen
  • Lärm zu ertragen oder gar als angenehm zu empfinden
  • niemals aufzugeben (eine Grundvoraussetzung für das Erlernen der chinesischen Sprache)
  • aufzugeben
  • Man begegnet sich immer zweimal im Leben. (mindestens)
  • ein Essen mit dem Nachtisch zu beginnen und mit der Suppe zu beenden
  • einen Winter ohne Heizung klaglos zu überstehen
  • gesundes Misstrauen (Das deutsche „Grundvertrauen“ geht hier bestenfalls als Naivität durch.)
  • blind zu vertrauen (Wenn man das nicht kann, wird man spätestens dann wahnsinnig, wenn man in einem Taxi in weniger entwickelten Städten sitzt.)
  • völlig entspannt längere Zeit in der Hocke verharren zu können (Eine äußerst hilfreiche Kompetenz an einem Ort, an dem es keine „normalen“ Toiletten gibt, wie z.B. in 99% aller Bürogebäude in China)
  • mit Geld sparsam umzugehen (Wenn du nicht mindestens die Hälfte deines Einkommens sparen kannst, dann lebst du über deine Verhältnisse, denken manche Chinesen.)
  • niemals etwas zu kaufen, ohne zu handeln
  • Sorgen zu ignorieren
  • angestarrt zu werden
  • angefasst zu werden (Chinesen können es manchmal nicht verstehen, warum man an den Unterarmen Haare hat. Im Bus bin ich schon wiederholt ungefragt von Fremden, Erwachsenen und Kindern, angefasst worden.)
  • zu verstehen, was es bedeutet, ein Analphabet zu sein
  • zu verstehen, wie sich Ausländerhass in Deutschland für die Migranten anfühlen muss
  • in einer ausschließlich hierarchisch angelegten Gesellschaftsordnung zu leben
  • jeden Tag zu lachen, unabhängig davon, ob es einen guten Grund dafür gibt oder nicht
  • auf die eigene Gesundheit zu achten (weil es keine Krankenversicherung gibt)
  • den Sonnenaufgang mehr zu genießen als den Sonnenuntergang
  • Schweiß zu ignorieren (den eigenen und den der anderen)
  • immer von einem Ausflug oder einem Urlaub Geschenke für alle Verwandten, Freunde, Kollegen und Bekannten mitzubringen
  • beim Essen immer zu teilen, auch wenn es nur ein kleiner Snack ist

 

Danke, China!

 

Rainald Runge

 

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