Prostitution in China (Teil 2)

Ein einfaches Hotelzimmer. Üblicherweise gibt es zwei Tarife: für 3 Stunden und pro Tag.
Ein einfaches Hotelzimmer. Üblicherweise gibt es zwei Tarife: für 3 Stunden und pro Tag.

Dies ist die Fortsetzung des Artikels Prostitution in China (Teil 1)

 

 

Es gibt keine Prostitution in China.

 

Denn Prostitution ist in China illegal.

 

Seit aber immer mehr Frauen zuerst auf ihre eigene Karriere achten und dann mit Mitte dreißig zwar wohlhabend aber noch Single und im Prinzip kaum mehr vermittelbar sind, floriert der Markt der Männer, deren Broterwerb in der Befriedigung körperlicher und romantischer Bedürfnisse von Damen besteht. 

 

 

Wenn man in einer Nacht so viel verdienen kann, wie ein Akkordarbeiter in einem Monat, dann wird der (Neben-)Beruf des Callboys durchaus attraktiv. Auch für die Freundin des jungen Mannes, die darauf hofft, mit Hilfe des Nebenjobs ihres Schatzes später einmal die Eigentumswohnung finanzieren zu können. 

 

Was hier zynisch und verächtlich klingen mag, das ist für einige junge Chinesen durchaus gelebter Alltag. Und das ist nicht zum Lachen. Und es ist auch kein Zuckerlecken.

 

Eine weitere wichtige Zielgruppe der „kleinen großen Brüder“, wie man hier manchmal scherzhaft die männlichen Prostituierten nennt, sind Damen aus dem horizontalen Gewerbe, die sich nach einer anstrengenden Woche oder einem harten Wochenende auch einmal von einem „Traummann“ verwöhnen lassen möchten. 

 

Man trifft sich in einer Disko. Dort präsentieren die jungen Männer sich und ihre Körper.

 

Dabei gibt es verschiedene Kategorien. 

 

Zur Kategorie A gehören große, junge, schlanke Männer, möglichst noch sportlich oder bepackt mit ein paar Muskeln an den richtigen Stellen. Die sind auch richtig teuer.

 

Zur Kategorie B gehören mittelgroße bis große, junge Männer, die vielleicht einen schönen Körperbau haben, aber kein so vorteilhaftes Gesicht. Oder umgekehrt. Immer noch recht kostspielig.

 

In der Kategorie C wird’s dann bezahlbar. Hier finden sich die durchschnittlich großen Männer mit entweder durchschnittlichem Körperbau, oder mit nur durchschnittlichem Gesicht. 

 

Darunter gibt es keine echten Kategorien mehr. Das wäre ein Witz.

 

Ist die Zielperson einmal ausgemacht, dann gönnt man sich durchaus zuerst einen romantischen Abend. Man geht gemeinsam eine Kleinigkeit essen, oder setzt sich an die Bar. Man genießt den Flirt, man lässt es langsam angehen. 

 

Während des Essens kann man dann auch durchaus ganz pragmatisch über die Rahmenbedingungen der bevorstehenden Nacht sprechen. Über Vorlieben und Abneigungen. Relativ offen.  

 

Mir ist manchmal schleierhaft, wie Prostituierte ihre Figur behalten können, wenn sie jeden Abend, manchmal auch mehrmals, zuerst zum Essen ausgeführt werden.

 

In unserem Vorort saßen einmal zwei Jungs mit zwei Mädchen in einem Gartenrestaurant an der Straße und unterhielten sich bei der Nudelsuppe über Positionen beim Geschlechtsverkehr. Ich war erschrocken, mein Begleiter sagte, das wären Geschäftsanbahnungsgespräche. Denn es handelte sich um zwei Prostituierte mit ihren Kunden im Verkaufsgespräch. Das Verkaufsgespräch ist ein gemeinsames Abendessen. 

 

 

Ein Freund von mir arbeitete einmal in einem Friseurgeschäft. Sein Boss war ein ehemaliger Callboy, der nach 10 Jahren in diesem Job genug Geld beisammen hatte, um einen eigenen Laden zu eröffnen. Und er erzählte gerne nach dem zweiten Bier Geschichten, die man besser für sich behalten sollte. Zum Beispiel von seiner eigenen Vergangenheit. 

 

Eine russische Kollegin von mir, die gut Chinesisch spricht, erzählte mir einmal, dass sie bei einem Friseurbesuch zwei Mitarbeiter dabei unfreiwillig belauscht hat, wie sie sich über sexuelle Praktiken unterhielten, die von ihren weiblichen Stammkunden gewünscht werden. 

 

Die Jungs ahnten ja nicht, dass die Ausländerin verstand, wovon sie da redeten.

 

Ich schätze, in China ist es ungefähr so schwer, eine Prostituierte (egal, ob Mann oder Frau) zu finden, wie einen Laden, der Zigaretten verkauft. 

 

Prostituierte gibt es aber nur dort, wo es auch Kunden gibt. 

 

Jungs gehen manchmal gemeinsam in den Puff, nachdem sie ihr Abitur geschafft haben. Ein Schüler erzählte mir einmal ganz stolz nach bestandenem Abitur davon. Ich war schockiert. Und er war schockiert darüber, dass ich schockiert war. Denn er hatte gehört, dass Ausländer immer sehr offen mit dem Thema Sex umgingen. 

 

Wer es übrigens bis zur Abschlussprüfung an der Uni nicht geschafft hat, eine Freundin zu finden oder einmal zu einer Prostituierten zu gehen, der fasst sich meist spätestens dann ein Herz und bezahlt für eine Nacht. Auch daraus ergibt sich die saisonale Überlastung der Damen in den Sommermonaten.

 

Denn später, im Beruf, kann man immer wieder in die Situation geraten, in der ein Geschäftspartner, Kollegen oder der Boss von einem erwarten, dass man sie ins Bordell begleitet. 

Und auf diese Situation möchte man ja schließlich vorbereitet sein.

 

Warum darüber niemand spricht? 

 

Weil man über Offensichtliches nicht zu sprechen braucht. Das ist einer der Kernpunkte der chinesischen Kommunikation: Über Offensichtliches wird nicht gesprochen. 

 

Das ist banal, und darüber zu sprechen blamiert höchstens den Sprecher, weil er so eine Banalität, so eine offensichtliche Tatsache verbalisiert. Man stellt sich selbst als naiv oder als plump dar, wenn man über gewisse Dinge laut spricht. Und deshalb tut man es nicht. 

 

Deshalb spricht man in der Regel nicht über Prostitution.

 

Polizeiaktionen gegen Prostituierte in China oder Schauprozesse gegen hohe Beamte wegen Förderung der Prostitution haben also stets einen anderen Hintergrund. Es geht nicht um Prostitution, sondern irgend jemand ist da irgend jemandem auf dem Schlips getreten. 

 

 

Es geht um Rache.

 
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