Prostitution in China (Teil 1)

Super 8. Was in der Hauszeitung dieser Hotel-Kette nicht steht, das ist Bedeutung für die ortsansässigen Prostituierten, die günstige Hotels haben.
Super 8. Was in der Hauszeitung dieser Hotel-Kette nicht steht, das ist Bedeutung für die ortsansässigen Prostituierten, die günstige Hotels haben.

Es gibt keine Prostitution in China.

 

Denn Prostitution ist in China illegal. 

 

Ob es über Zuhälterei ein Gesetz gibt, dessen bin ich mir nicht so sicher. Aber Prostitution ist schlicht verboten.

 

Soweit die juristischen Rahmenbedingungen.

 

 

Und während in Deutschland aktuell von verschiedenen Seiten das Thema erneut diskutiert wird, schreibe ich nicht darüber, weil ich meine Meinung zur Diskussion in Deutschland ungefragt beitragen möchte, sondern weil mir heute Abend etwas für China Typisches und ganz Normales passiert ist. 

 
Ein typisches Hotelzimmer, wie es ebenso häufig von Prostituierten wie von Reisenden genutzt wird.
Ein typisches Hotelzimmer, wie es ebenso häufig von Prostituierten wie von Reisenden genutzt wird.

Ich bin zur Zeit in einer Stadt in Südchina im Rahmen einer Fortbildungsveranstaltung für Lehrerinnen und Lehrer. Für diese Zeit bekam ich ein Zimmer in einem „Super 8“ Hotel zur Verfügung gestellt. 

 

Kein Luxus, aber ein geräumiges Zimmer, mit zwei Sesseln, großem Bett, großem Schreibtisch, Dusche und WC. Mehr braucht man nicht. Es ist sauber und relativ ruhig, aber zentrumsnah gelegen. 

 

Nach dem Einchecken ging ich mit ein paar Kolleginnen zum Essen. Als ich wiederkam, klopfte es an der Tür, und eine ziemlich aufgedonnerte, viel zu stark geschminkte, dralle Chinesin schmachtete mich mit mit Dackelblick an. 

 

Ich schloss die Tür und rief die Rezeption an. Seit wann ihr Hotel ungefragt Prostituierte auf die Zimmer schicken würde. 

 

„Nein, die wurde nicht von uns geschickt. Wir arbeiten mit solchen Leuten nicht zusammen. Verzeihen Sie, ich rufe sofort den Wachmann, der sich darum kümmern wird.“

 

Natürlich würde niemals ein Wachmann in einem Hotel eine Prostituierte bei der Arbeit behindern. Es geht ja schließlich um Cross-Selling in diesem Business…

 

Normalerweise wird man in einfachen Hotels bis spät in die Nacht alle halbe Stunde von verschiedenen Damen belästigt, die entweder nach dem Zufallsprinzip oder gezielt an einzelne Türen klopfen. Bei verschiedenen Hotels in China ist mir das schon passiert. 

 

Außerdem werden mehrmals täglich Visitenkarten mit Fotos von halb nackten oder nackten Damen unter der Tür durchgeschoben. 

 

Das alles könnte einem ja eigentlich egal sein, wenn man eben abends nicht recht erschöpft wäre und morgens früh raus müsste. Da nervt das ständige Klopfen und Klingeln an der Tür nämlich schlicht.

 

Natürlich werden die Damen von der Rezeption geschickt! 

 

Denn es gibt nur einen einzigen Eingang. Und ein Blinder mit Krückstock kann erkennen, welchen Beruf diese Damen ausüben. Sie werden also zumindest geduldet. Wenn aber eine Stunde nach dem Check-In und durchaus lange vor der üblichen Hauptgeschäftszeit im horizontalen Gewerbe die erste Dame an die Tür klopft, dann scheint es naheliegend, dass der Portier die Informationen über Geschlecht, Anzahl der Mitreisenden und Zimmernummer direkt nach dem Check-In weiterleitet. 

 

Und die jungen Herren, die stets in der Lobby herumlungern, passen auch durchaus zum Erscheinungsbild in dieser Branche. 

 

Gehen Sie in China in eine Disko, und Sie haben die freie Auswahl. 

 

Je nach Geldbeutel zwischen Busengröße, Augengröße und Teint. Für die Damen je nach Geldbeutel zwischen Körpergröße, Muskelmasse, Größe des Geschlechtsteils und Alter der jungen Männer.

 

Die Prostituierten werden hier meist umgangssprachlich als „kleine große Schwester“ bezeichnet, die männlichen Prostituierten als „kleiner großer Bruder“ - wobei letzteres deutlich ironischer klingt und für viele höchstens wie ein alberner Scherz klingen mag.

 

Die männlichen Prostituierten bedienen verschiedene Zielgruppen: Männer und Frauen. 

 

In der Regel sind die männlichen Prostituierten heterosexuell, haben aber irgendwoher gelernt, was schwule Männer erwarten oder mögen. Und sind bereit, so ziemlich alles für relativ wenig Geld zu tun. 

 

Frauen, die sich von ihren Männern vernachlässigt fühlen, greifen auch gerne auf einen bezahlten Liebhaber zurück, um wieder einmal Spaß im Bett haben zu können. 

 

Je älter und je wohlhabender, umso eher tun die Frauen dies. Und nicht nur in Shanghai oder Hongkong, sondern auch in Gegenden, die man eher für nicht so offen einschätzen würde. Inzwischen wird davon sogar hin und wieder im deutschen Radio berichtet. 

 

Prostitution ist illegal. Aber offene, direkte Angebote, wie man sie in Deutschland vielleicht höchstens auf der Reeperbahn erhalten würde, sind hier alltäglich. Getarnt als Fussmassage, Ganzkörpermassage-Salons, Friseursalons, Karaoke-Bars oder ganz einfach Hotels, überall findet man die einschlägigen Geschäftsräume. 

 

 

Sex ist zur Ware geworden. Ganz offen und transparent. Für jedermann offensichtlich.

 
 
Rudolf Rainald Runge
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