Was Angela Merkel von den Chinesen lernen kann

In Xiamen in der Nähe des Hauptbahnhofs. Sieht aus wie ein Apple-Store, innen und außen. Ist aber keiner. Und das ist ganz normal in China.
In Xiamen in der Nähe des Hauptbahnhofs. Sieht aus wie ein Apple-Store, innen und außen. Ist aber keiner. Und das ist ganz normal in China.

 

(Dies ist die Fortsetzung des Artikels „Betrug und Produktpiraterie“)

 

Mutti, wach auf!

 

Zurück zum Beispiel Merkel und NSA.

 

Wie naiv muss man eigentlich sein, um zu glauben, dass mächtige Geheimdienste nicht alle und jeden ausspähen? Natürlich tun sie das!

 

Natürlich werden alle Telefonverbindungen in China angezapft, alle SMS und Emails mitgelesen. Natürlich nutzt die amerikanische NSA sämtliche ihr zu Verfügung stehende Mittel.

 

Für Grenzüberschreitungen im Handeln des Staates, als Politiker oder in der Wirtschaft gilt stets nur dieses einzige Kriterium: Man darf sich nicht erwischen lassen. 

 

 

Nein, dies ist ganz und gar nicht meine Meinung, aber das ist die Schlussfolgerung, zu der man kommen kann, wenn man das Handeln von Regierungen, Politikern oder Wirtschaftsführern beobachtet. Sie haben zu oft bewiesen, dass sie der Meinung sind, für sie gelten keine Regeln. Sie stünden über dem Gesetz und über der Ethik. 

 

Im Westen haben wir es uns nur zur Gewohnheit gemacht, Staaten mit anderen politischen Systemen leidenschaftlich zu kritisieren, während wir dieselben Betrügereien und Lügen in unseren eigenen Reihen relativ schnell vergessen. Oder können Sie sich noch an den Skandal um Kurt Biedenkopf vor rund 20 Jahren erinnern? Oder Hans-Dietrich Genscher? Wahrscheinlich nicht. Diese Leute gelten heute als höchst ehrbare "elder statesmen".  

 

Aber die deutschen Zeitungen sind schneller gefüllt mit den Schandtaten der chinesischen Politiker. Das ist weit weg, das ist leichter zu kritisieren. 

 

Anhand der Schauprozesse in China wird dabei immer wieder deutlich: Nicht die Annahme von Bestechungen ist verwerflich, sondern sich dabei erwischen zu lassen oder damit zu prahlen, wie gut man bestochen werden kann. Nicht Mord ist verwerflich, sondern sich dabei erwischen zu lassen ist verwerflich. 

 

Darüber hinaus töten sowohl der chinesische als auch verschiedene amerikanische Staaten im Namen des Gesetzes. 

 

Quod licet Iovi non licet bovi.

 

Das ist eine alte Geschichte.

 

 

Jedem halbwegs paranoiden Deutschen oder Amerikaner war von Anfang an klar, dass die Geheimdienste in den USA alles mithören und mitlesen, was sie können. 

 

Seit Snowdens Enthüllungen weiß jeder denkende Mensch, dass der amerikanische Staat sich als über dem Gesetz stehend fühlt. Und hier sind die USA China sehr ähnlich.

 

Nur Frau Merkel blieb ahnungslos. Und jetzt ist der Jammer groß.

 

 

 

 

... und die Moral von der Geschicht‘?

 

Was zeigt die NSA-Affäre also über den Umgang der Deutschen mit Enttäuschungen?

 

Kurz gesagt: Die Deutschen können schlecht oder gar nicht mit Enttäuschen umgehen. Wenn man bedenkt, wie häufig das Thema „Gesichtsverlust“ im Zusammenhang mit China dramatisiert wird, so kann man sagen: Generell können die Chinesen sehr gut und sehr pragmatisch mit Enttäuschungen, Blamagen oder Niederlagen umgehen - im Gegensatz zu den Dingen, wie wir immer über China hören. 

 

Falls Ihnen jetzt 20 Beispiele einfallen, aus denen deutlich wird, dass die Chinesen im Vergleich zu uns Deutschen empfindlich oder mimosenhaft sind, dann kann ich Ihnen sicher an denselben 20 Beispielen verdeutlichen, warum genau das Gegenteil der Fall ist. Warum die Chinesen tatsächlich pro-aktiv, produktiv und pragmatisch mit Enttäuschungen umgehen können. 

 

 

Die Berichterstattung über Angela Merkels Umgang mit der Späh-Affaire und ihrem abgehörten Handy zeigt, wie „kindisch“ wir Deutschen aus der Sicht der Chinesen immer wieder erscheinen müssen. Die meisten Chinesen würden, wenn sie die Berichterstattung verfolgt hätten (was sie eher nicht taten), jetzt grinsen und innerlich denken: „Ja, die Ausländer.“ Oder „Ja, die Deutschen sind einfach zu unflexibel. Immer nur Regeln und Vorschriften.“ Öffentlich sagen würden sie das natürlich nie. Aber ich bin sicher, dass in Regierungskreisen einige in Peking dankbar für die Enthüllungen Snowdens sind.

 

 

Ich habe bisher viel von den Chinesen gelernt, und ich werde noch mehr lernen. Das Leben in China unter Chinesen hat mich realistischer, stabiler und positiver werden lassen. Vor allem aber lernt man, mit Frustrationen, Enttäuschungen, Blamagen und Niederlagen umzugehen. 

 

Vielleicht sollte Frau Merkel einmal ein paar Jahre in China leben, dann sieht sie auch die USA mit etwas realistischeren Augen. Und sie kann lernen, mit Enttäuschungen besser umzugehen.

 

Rainald Runge

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