Kapitel 2

Willkommen zum zweiten Monat dieses Blogs!

 

Der erste Monat war gefüllt mit täglichen Einträgen, die zwischen 700 und 1000 Wörtern lang waren. Es waren größtenteils Notizen aus den vergangenen vier Jahren mit oft ironischen oder zynischen Kommentaren. 

 

In China sitzt man oft lange im Bus. Man sitzt, wenn man Glück hat. Sonst steht man. Man verbringt viel Zeit mit Warten auf Anrufe, Antworten, Informationen oder auf verspätete Verabredungen. 

 

 

Chinesen konsumieren in dieser unproduktiven Zeit gerne die aktuellen Gerüchte und Nebensächlichkeiten, wie sie auf Weibo, Sina, Weixin oder QQ zu finden sind. Ähnlich wie bei Twitter oder Tumblr (die hier in China natürlich durch die staatliche Zensur blockiert sind) kann man einen nie enden wollenden Strom von Nachrichten, Kurzmeldungen, Kommentaren oder Fotos auf sein Handy laden und immer dann lesen, wenn man Zeit hat. 

 

Ein wesentlicher Unterschied zwischen dem heutigen China und dem Deutschland, an das ich mich erinnere liegt darin, dass Menschen fast aller Altersgruppen, von 10 bis 50 Jahren oder älter, jede freie Minute dazu nutzen, auf ihr Handy zu blicken, zu lesen, oder eine kurze Nachricht zu schreiben, die oft nur lautet: „Warte grad auf den Bus.“ oder „Bin hungrig.“ oder „Heute sind so viele Leute unterwegs.“ Oft genügen sogar ein paar untätige Sekunden, und der Griff geht zum Handy. Fast niemand steht im Auto an der roten Ampel wartend, ohne zum Handy zu greifen. Und wenige fahren ohne Handy am Ohr. Motorrad und Fahrrad fahren, während man telefoniert oder Kurzmeldungen schreibt? - Kein Problem. 

 

Reizarmut scheint schwer zu ertragen zu sein für die Menschen, die in den letzten Jahren einen unbeschreblichen wirtschaftlichen Aufschwung miterlebt haben. Und während neu angekommene Ausländer sich darüber noch lustig machen mögen, so passt man sich schneller an, als man denkt.

 

Da ich noch aus einer Zeit stamme, in der Ablenkbarkeit als eine negative Eigenschaft galt, fällt es mir zugegebenermaßen schwer, Gefallen an dieser Art der Nutzung des Internets und des Handys zu finden. Aber ich habe mich daran gewöhnt, meine Zeit effektiver zu nutzen. Auch ich greife oft zum Handy, und sei es nur, um eine kurze Notiz zu machen oder um eine kurze Sprachmeldung aufzuzeichnen. 

 

China ist ein guter Lehrer. China zeigt, wie man Geduld, Gelassenheit und Effizienz mit einander verbinden kann. Dank des Handys. Oft stehe ich aber an der Bushaltestelle und frage mich: „Was würde eigentlich geschehen, wenn in China sämtliche Telefonnetze und Internetdienste für 24 Stunden ausfallen würden?“

 

 

 

Der zweite Monat, das zweite Kapitel sozusagen, wird kürzere, tägliche Artikel enthalten. Der Stoff stammt diesmal nicht aus Notizen der vergangenen Jahre bestehen, sondern aus aktuellen Beobachtungen oder spontanen Gedanken, die ich, im Bus sitzend, kurz notieren werde. 

 

 

Daher wird der zweite Monat vermutlich weniger Bilder enthalten als der erste. Wir werden sehen.

 
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