Taifune in den Medien

Unwetter bringen Einschaltquoten

 

Gemäß den Medien gab es im Jahr 2013 ungewöhnlich viele schlimme Taifune an Chinas Ostküste. 

 

Eigentlich waren es gar nicht so besonders viele, nur die Folgen waren verheerend. Das heißt, eigentlich waren auch die Folgen nicht besonders dramatisch. Stellen Sie sich bitte vor, welche Folge mehrere Taifune in einem Jahr in China vor einhundert Jahren gehabt haben müssen. Die Menschen in China leben ja heute überwiegend in ziemlich soliden Häusern in ziemlich sicheren Großstädten.

 

Was ist heute aber anders?

 
Das Westtor der Universität Xiamen, nach einem Taifun. Eigentlich war es aber nur ein Versagen der örtlichen Kanalisation nach einem relativ durchschnittlichem Regen. Das klingt nicht gut, also nannte
Das Westtor der Universität Xiamen, nach einem Taifun. Eigentlich war es aber nur ein Versagen der örtlichen Kanalisation nach einem relativ durchschnittlichem Regen. Das klingt nicht gut, also nannte man dieses Wetterereignis einen "Taifun".

Es zeigen sich zum einen die Folgen der zunehmenden Verstädterung, und zum anderen zeigt sich, welche Häuser, Straßen und Brücken schlampig gebaut wurden. 

 

Letztere werden dann nämlich einfach fortgespült. Das passiert in jedem Land und in jedem Jahr, aber nicht in so großem Stil wie in Asien. Es fehlt also an qualifizierten Ingenieuren und an der Entschlossenheit der Regierung, nicht in Korruption zu investieren, sondern statt dessen in qualitativ hochwertige Straßenbauprojekte. 

 

Dann darf man auch nicht vergessen, dass heute über Katastrophen besonders intensiv berichtet wird. Seit es Fernsehen und Internet gibt, rücken die Katastrophen näher. Es gibt nicht unbedingt mehr schlimme Ereignisse. Es fühlt sich eben nur so an.

 

 

Die Medien im Dienste der Politik

 

Die Chinesen befinden sich hier in einer schwierigen Situation, und zwar aus drei Gründen. 

 

Einerseits sind sie seit Jahrhunderten daran gewöhnt, in einer Region zu leben, die von außerordentlich folgenschweren Naturphänomenen wie Erdbeben, Trockenheiten, Überschwemmungen und Stürmen heimgesucht wird. 

 

Andererseits ist für jeden, der auch nur einen Funken gesunden Menschenverstand hat, deutlich erkennbar, dass die Gelder der öffentlichen Hand in vielen Fällen offensichtlich nicht in die Qualität der Bauwerke für die Allgemeinheit, sondern in die privaten Taschen der korrupten Funktionäre fließen. In einem totalitären System ist es wenig sinnvoll, offen darüber zu diskutieren. Oder gar im Internet. 

 

Gleichzeitig sieht, hört und liest man in den Medien von dem geheuchelten, aufopferungsvollen Einsatz derselben Kader, die eigentlich zumindest indirekt eine Mitschuld an der Katastrophe tragen. Diese Erfahrung der Ohnmacht können wir Deutsche möglicherweise nur schwer nachvollziehen.

 

Drittens bedeuten diese Katastrophen für viele immer einen materiellen Verlust, für einige auch den Verlust des Lebens, was uns alle daran erinnert, wie zerbrechlich wir sind und dass das Leben endlich ist. Auch deshalb leidet ganz China unter lokal begrenzten Katastrophen.

 

Und diese Erfahrungen werden mehrmals pro Jahr kollektiv von Neuem erlebt.

 

 

Das Westtor vom Campus aus gesehen bei normalem Wetter.
Das Westtor vom Campus aus gesehen bei normalem Wetter.

Deutscher „Journalismus“

 

Auch die deutschen Medien berichteten in diesem Jahr von den Taifunen in China. Bemerkenswert war, dass zahlreiche Redakteure sich überhaupt nicht mehr die Mühe der eigenen Recherche machten, sondern die staatliche Nachrichtenagentur Chinas, CCTV, als einzige Quelle zitierten. 

 

Mit Bezug auf Nordkorea mag das ja noch verständlich erscheinen. Aber China? 

 

China ist nicht aus der Welt. Es ist - abgesehen von einigen Regionen Tibets und Xinjiangs für Ausländer nicht unbedingt schwer zugänglich. China ist ein modernes Land, in dem viele Ausländer leben, die auch als Korrespondenten vor Ort berichten könnten.

 

 

Falsche Sturmwarnungen

 

Ein Taifun oder schon alleine die Erwähnung des Wortes flößt den Menschen in China Respekt ein. Eine Fülle von Geschichten, Traditionen, Bräuchen und Riten haben direkt oder indirekt mit diesen großen Naturphänomenen zu tun. Und auch einige Ratschläge der chinesischen Medizin beziehen sich darauf. 

 

Der Tempel, der Medizinmann des Dorfes, der Priester oder die Ältesten waren früher oft die einzige Quelle der Hilfe und der Information.

 

Zum Glück ist das heute nicht mehr so. Zum Glück gibt es den Wetterbericht. Und im Zeitalter des Internets sogar stündlich oder halbstündlich aktualisierte Wetterkarten mit der aktuellen Entwicklung der Tiefdruckgebiete und Stürme. 

 

Aber obwohl die Technik für alle verfügbar ist, sind Gerüchte und Mund-zu-Mund-Propaganda nach wie vor die zentrale Informationsquelle der meisten Menschen. So ist das in China eben. 

 

In diesem Jahr hatten wir in Xiamen keinen einzigen ernsthaften Taifun. Vor zwei Jahren konnte man im Stadtzentrum in fast allen Straßenzügen entwurzelte Bäume sehen. Kein Vergleich zu diesem Jahr. Wir bekamen in diesem Jahr nur ein paar Ausläufer der Taifune zu spüren, die in ein paar hundert Kilometern Entfernung vorbeizogen.

 

Trotzdem bekommt man regelmäßig Emails und SMS mit Taifunwarnungen. Und man hört immer wieder: "Geht nicht raus, es gibt Taifun!" oder "Häng nicht die Wäsche raus, ein Taifun kommt." oder "Geh nicht ans Meer, wir haben Taifun." 

 

Manchmal ist es lästig, manchmal einfach nur amüsant.

 

 

Zuverlässige Informationen finden

 

Es erfordert einiges an Geschick und Erfahrung, die Bedrohung durch Stürme einigermaßen korrekt einzuschätzen. Und die Berichte in den Medien, auch aus Europa und den USA zeigen immer wieder, dass wir Menschen uns entweder überschätzen oder die Gefahr nicht ernst genug nehmen.

 

Es macht aber dennoch wirklich wenig Sinn, sich auf die SMS von China Mobiles Wetterbericht zu verlassen oder die Nachrichten in den örtlichen Nachrichtensendern zu hören. 

 

Dass Blumentöpfe vom Balkon fallen können, ist nichts Neues. Dass Dächer abgedeckt werden können, ist auch bekannt. Aber man weiß eben nicht, ob der Blumentopf gerade dort, wo man die Straße entlanggeht, gerade in dem Moment, wenn man vorbeigeht, herunterfallen wird. 

 

Eine Warnung vor herabfallenden Blumentöpfen hilft nicht wirklich. Aber das ist beinahe das Einzige, das man in den Nachrichten als Sturmwarnung hört oder sieht.

 

Die besten Dienste in den letzten 4 Jahren hat mir die Webseite www.tropicalstormrisk.com geleistet. Man kann sich dort auch als Nutzer registrieren und eine Region und die Frequenz der gewünschten Updates auswählen. Ich bekomme alle paar Stunden eine Email für Taifune der Kategorie 1 und darüber. 

 

Alles darunter geht sowieso einfach als "Mistwetter" durch. 

 
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