Business-Etikette für China (Teil 1)

Ein In-Restaurant in Quanzhou. Viele glauben, die Tischmanieren wären besonders kompliziert und wichtig in China.
Ein In-Restaurant in Quanzhou. Viele glauben, die Tischmanieren wären besonders kompliziert und wichtig in China.

Benimm-Regeln in China

 

Oft fragen deutsche Freunde: "Sag mal, wie macht man das in China, wenn man in einer Geschäftsverhandlung ist?" oder: "Sag mal, in China darf man doch nicht xyz machen, oder?" oder "In China darf man sicher nicht xyz sagen, denn das bedeutet einen Gesichtsverlust, nicht wahr?"

 

Wir Ausländer tendieren dazu, das soziale Miteinander als ein Set von Regeln, Vorschriften und Tabus wahrzunehmen.

Vor allem wir Deutsche sind vermutlich gut darin.

 

Die meisten Business-Seminare zu China befassen sich daher intensiv mit der sogenannten Business-Etikette oder ganz allgemein mit Benimmregeln für China.

 

Während meines ersten Jahres in China begegnete ich vielen Ausländern, die mir, mit vielen dramatischen Beispielen garniert, erklärten, worauf ich unbedingt aufpassen müsste in China und was ich auf gar keinen Fall tun dürfte.

 

Regeln, Verbote, Tabus - so verstehen die meisten Leute interkulturelle Kommunikation, vor allem in der Begegnung mit Asien.

 
 

Das Märchen von dem einen Asien

 

Viele verstehen ganz Asien als eine kulturelle Einheit. "Die Asiaten sind so und so ... ", hört man oft. 

 

Wer Asien bereist hat, weiß es vielleicht ein bisschen besser, und sagt: "Die Menschen in Ost-Asien sind so und so ..." Dabei meint er dann, dass die Menschen in Japan, Süd-Korea und China irgendwie gleich oder zumindest ähnlich wären.

 

Je genauer man aber Asien oder Ostasien kennt, desto eher wird man dieser Meinung widersprechen. 

 

Die Chinesen haben sich sehr verändert und kulturell weiterentwickelt, vor allem im Vergleich zu ihren Nachbarn haben sie viele Traditionen hinter sich gelassen. Viele alte Bräuche sind - wie auch im Westen - ausgehöhlt, viele traditionellen Werte sind nur noch Lippenbekenntnisse oder Teil der staatlichen Propaganda. 

 

Wie auch in Deutschland, so ist es für Politiker oft vorteilhaft, wenn sie sich im Rahmen einer politischen Kampagne auf alte Traditionen und Werte berufen.

 

Während viele Chinesen und Ausländer vor allem den Werteverfall in China beklagen, meine ich, dass man hier im Alltag eher eine Weiterentwicklung, eine Evolution der Gesellschaft beobachten kann. 

 

Gleichzeitig setzen sich viele Chinesen, nicht nur junge Menschen und nicht nur diejenigen, die im Ausland studieren oder arbeiten, intensiv mit anderen Kulturen auseinander. 

 

Wir Ausländer meinen vielleicht, wir müssten besonders viel über China und typische chinesische Kommunikationsweisen lernen. Gleichzeitig gibt es aber viel mehr Chinesen, die intensiv und weit erfolgreicher als wir Fremdsprachen lernen und mit fremden Kulturen spielerisch umgehen lernen. 

 
Ein typisches Restaurant in Guangzhou (Kanton). Hier trifft man sich zum Essen, Tee Trinken und Plaudern. Benimmregeln? Viel wichtiger ist, dass sich alle wohl fühlen.
Ein typisches Restaurant in Guangzhou (Kanton). Hier trifft man sich zum Essen, Tee Trinken und Plaudern. Benimmregeln? Viel wichtiger ist, dass sich alle wohl fühlen.

Welches China meinen Sie?

 

Wenn Sie also nach China kommen, egal ob als Touristen, Geschäftsleute, Lehrer oder Praktikanten, dann werden Sie - vor allem in den ganz großen Städten wie Peking, Shanghai, Kanton und Hongkong - auf Chinesen treffen, die weit mehr über Europa und Amerika wissen als wir über China. 

 

Sie treffen Chinesen, die Englisch oder sogar Deutsch sprechen, und die völlig ungezwungen und unbeschwert alle interkulturellen Schwierigkeiten meistern oder sie mit einem Lächeln unter den Tisch kehren. 

 

Das sieht aber anders aus, wenn Sie in die die kleineren Städte der sogenannten zweiten Reihe kommen. "Klein" heißt hier Städte mit 2 bis 6 Millionen Einwohnern. Städte, in denen, wie hier in Xiamen zum Beispiel, der durchschnittliche Lebensstandard höher zu sein scheint als in Berlin oder Hamburg. In China gelten sie aber als "zweite Reihe". Vielleicht, weil der Arbeitsmarkt hier nicht so vielseitig und verheißungsvoll ist wie in anderen Städten. 

 

Und die Menschen in diesen Städten der zweiten Reihe sind durchaus weniger an Ausländer gewöhnt.  Man wird angestarrt, die Menschen rufen einem hinterher "Schau mal, ein Ausländer." Und die Menschen sprechen in diesen Städten sehr selten Englisch. Auch wenn es an jeder Straßenecke Kindergärten mit Englischlehrern zu geben scheint. Aber auch das ist eben nur ein Marketing-Gag.

 

Dann gibt es auch noch kleinere und weniger "entwickelte" Städte, die immer noch weit größer als Hamburg oder Berlin sein können, aber sehr jung sind. Sie wurden vor 10 oder sogar erst vor 5 Jahren aus dem Boden gestampft. 

 

Die Menschen in diesen Städten der dritten Reihe leben gedanklich noch in einer Agrarregion, obwohl sie de facto bereits in einer hochmodernen Stadt leben. 

 

Und dann gibt es noch die ländlichen Gebiete, in denen die Zeit stehen geblieben zu sein scheint.  

 

Wenn Sie über China oder über ein sinnvolles interkulturelles Training nachdenken, dann denken Sie bitte daran, dass es „das China“ im Sinne eines einzigen Landes nicht gibt. 

 

Mit Bezug auf die sozialen Schichten und die kulturelle Entwicklung werden Sie in verschiedenen Regionen ganz unterschiedliche Erwartungen vorfinden.

 

China-Erfahrene wissen natürlich auch, dass die Menschen im Norden ganz anders sind als im Süden, im Osten ganz anders als im Westen. Die Unterschiede sind auch regional beträchtlich. 

 

Wenn also jemand behauptet, es gäbe so etwas wie in ganz China allgemein verbindliche oder gültige Regeln, dann ist dies zumindest viel zu oberflächlich. Oft aber auch einfach falsch.

 

(Die Fortsetzung dieses Artikels finden Sie hier.)

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