Zahnhygiene

Frühlingsfest 2008, Peking. Ein Verkäufer.
Frühlingsfest 2008, Peking. Ein Verkäufer.

In Deutschland lernen wir, dass wir einmal pro Halbjahr zum Zahnarzt gehen sollten. Warum? Zur Kontrolle. Und viele Krankenkassen lehnen Zuzahlungen zu Zahnersatz ab, wenn man dieser Aufforderung nicht nachkommt.

 

Kürzlich fand ich auf Youtube ein Video der Serie „Sesamstraße“ aus den 1970er Jahren. Auf liebevolle Weise wird dort den Kindern durch ein Lied, gesungen von Menschen und Puppen, beigebracht, dreimal am Tag die Zähne zu putzen. Immer nach dem Essen. 

 

So haben wir es gelernt, und die Diskussion wurde in den letzten Jahren nur noch erweitert über Sinn und Unsinn von Zahnseide (Es gibt tatsächlich Zahnärzte, die davon abraten!), professionelle Zahnreinigung oder Bleichen der Zähne. 

 

Man kann tatsächlich viel für die eigenen Zähne tun. Und für den Umsatz des Zahnarztes. 

 

Chinesen haben auch in diesem Thema zu völlig anderen Gewohnheiten gefunden.

 

Es hängt stark davon ab, welche Gegend von China man zuerst erkundet. Denn die Gewohnheiten sind auch hier sehr unterschiedlich. Es hängt auch vom Geldbeutel ab, denn Zahnpflege, Zahnbehandlung und Zahnersatz sind Privatsache und müssen komplett aus eigener Tasche bezahlt werden. 

 

Mir hat einmal eine Freundin erzählt, sie wäre erschreckt gewesen, als sie nach beruflich nach China kam. 

Sie sagte: „Die Leute hier haben ja alle furchtbar schlechte Zähne.“

Ich fragte zurück: „Was meinst du mit schlecht?“

„Naja, schief, krumm. Und in den seltensten Fällen weiß. Meist gelb oder schwarz, in allen Abstufungen.“

 

Ich gab mich verständnisvoll: „Naja, die Leute hier haben halt nicht so viel Geld für schöne Zähne. Es gibt ja keine Krankenversicherung für so was.“

Sie erwiderte: „Nein, das meine ich nicht. Die Leute in unserer Firma halten wirklich nichts von Zahnpflege. Viele haben furchtbaren Mundgeruch. Und auch der chinesische Geschäftsführer, sicher kein armer Mann, hat schiefe Zähne, die zur Hälfte vom Rauchen schwarz sind. Seine Tochter, noch keine 12 Jahre, hat bereits gelbe und halb angefaulte Zähne. Vermutlich von den Süßigkeiten, die sie immer nascht.“

 

Ich fand ihren Kommentar ziemlich direkt, aber in der Sache hatte sie Recht. Im Bus verschlägt es einem manchmal wirklich den Atem, wenn jemand neben einem steht. 

 

In den letzten Jahren habe ich meine chinesischen Freunde nach ihren Methoden der Zahnpflege gefragt. 

 

 

Hier eine Zusammenfassung der vielen Antworten: 

 

  • Zähneputzen vor dem Schlafengehen und nach dem Aufstehen. (also nicht nach den Mahlzeiten, und auch nicht nach dem Naschen von Süßigkeiten!)
  • Wenn man Zahnschmerzen hat, dann probiert man es mit chinesischer Medizin. Man geht nicht zum Zahnarzt.
  • Wer mit der Stellung seiner Zähne nicht zufrieden ist, der trägt eine Spange. Aber nur, wer sich das leisten kann. (Ich habe auch fast 30jährige gesehen, die für die Verbesserung ihrer Heiratschancen sich für eine Spange entschieden hatten)
  • Zähne sind eigentlich egal. (Das sagten die meisten.)
  • Zähne sind sehr wichtig für gutes Aussehen (Das sagten wirklich nur die sehr Reichen in meinem Bekanntenkreis.)

 

 

Niemand wusste von dem Zusammenhang zwischen Zahnfäule und Herzerkrankungen. Niemand wusste von dem Zusammenhang von Süßigkeiten und Karies. Oder dass es so etwas wie Zahnbelag gibt. 

 

Von Mao erzählt man ja, dass er sich lediglich mit grünem Tee den Mund ausspülte. Dem entsprechend soll auch sein Mundgeruch gewesen sein. Vor allem in fortgeschrittenem Alter. Ich weiß nicht, ob das stimmt, oder ob das lediglich ein böswilliges Gerücht ist, um Mao zu verunglimpfen. Nach einigen Jahren in China halte ich es aber durchaus für möglich, dass diese Geschichte stimmt, weil ich Ähnliches tagtäglich erlebe.

 

In China fällt das übrigens oft wirklich nicht auf. Denn es ist ein Gebot der Höflichkeit, dass man im Gespräch nicht zu dicht neben einander sitzt. Die von uns im Westen oft gepflegte Sitzposition über Eck oder im Winkel von 45-90 Grad ist in China unüblich. Man sitzt sich gegenüber. Und meist hat man dann 2-3 Meter zwischen sich. Das gilt als höfliche, respektvolle Gesprächsdistanz. Und nur in Ausnahmefällen kommt man sich näher als 1 Meter. Und meist eben nicht, um sich zu unterhalten, wie eben im Bus.

 

Es ist schade zu erleben, dass so einfache Dinge wie vernünftige Zahnhygiene in manchen Ländern offenbar nicht gelehrt werden, obwohl sowohl fließendes Wasser als auch die finanziellen Mittel vorhanden sind. Aber es ist ein großes Glück für die auch in China wachsende Branche der Zahnpfleger und Zahnärzte. Denn je mehr Geld die Leute haben, desto mehr denken sie darüber nach, wie sie es ausgeben können. Und dazu gehört eben auch, sich für die Schönheit unters Messer zu legen oder die Zähne korrigieren zu lassen. 

 

Dass man aber etwas für den Erhalt der gesunden Zähne tun könnte, darauf scheint einfach niemand zu kommen. Wenn ich ins Büro eine Zahnbürste mitnehme und nach dem Mittagessen die Zähne putze, werde ich regelmäßig ausgelacht oder entsetzt gefragt, warum ich so etwas Unnötiges tun würde.

 

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