Hausstaub in China

Gulangyu, Xiamen.
Gulangyu, Xiamen.

Woraus besteht Hausstaub? 

 

Wikipedia erwähnt mindestens 15 Bestandteile und beginnt richtigerweise mit Hautschuppen. Irgendwo tauchen auch tote Tierchen auf, wie z.B. Hausmilben, und natürlich der Kot von allen möglichen Tieren, die wir im Haus haben. 

 

Bei uns hier in Südchina wäre das also auch Kot von Kakerlaken und kleinen Haussalamandern. Na, lecker!

 

Während wir in Deutschland uns also eigentlich ganz gelassen zurücklehnen könnten, weil unser Hausstaub zu über 90% aus Teilen unseres eigenen Körpers besteht, sieht das in China ganz anders aus. 

 

Xiamen, Blick vom Wohnzimmer auf die Stadtautobahn und auf Gulangyu
Xiamen, Blick vom Wohnzimmer auf die Stadtautobahn und auf Gulangyu

Hausstaub in Peking

 

In meiner Wohnung in Peking (vor 2009) hatte der Hausstaub ganz unterschiedliche Farben. Übrigens gab es generell mehr Staub in der Wohnung. Viel mehr Staub! Wenn ich nur eine Woche unterwegs war, aber alle Fenster geschlossen hatte, dann fand ich den Boden, Tisch, Stühle und Regale mit einer gräulich-schimmernden Schicht überdeckt. Vielleicht trügt meine Erinnerung. Aber in Deutschland schien mir das nie so extrem. 

 

Warum ist das in China anders? Weil zum einen die Fenster in der Regel nicht dicht sind. Die meisten Fenster sind schlecht angepasste Schiebefenster, die teilweise fingerbreite Ritzen haben. Zum anderen gibt es Löcher in  der Wand.

 

Löcher in der Wand?

 

Ja. Und zwar an den Stellen, an denen der Schlauch der Klimaanlage von innen nach außen geführt wird. In der Regel hat das Loch in der Wand dafür einen Durchmesser von 8 cm, der Schlauch aber nur einen von 4 cm. Üblicherweise wird hier nichts abgedichtet. Wenn der Vermieter eine bisher selbstgenutzte Wohnung nach ein paar Jahren vermietet, nimmt er in der Regel seine Klimaanlagen beim Auszug mit und installiert nicht in allen Zimmern eine neue. In einigen Zimmern klafft also ein Loch in der Wand. Dadurch pfeift nicht nur der Wind, sondern der Staub dringt ein.

 

 

Wenn man also mit einem Papiertaschentuch über den Tisch wischt, dann wird man erstaunt feststellen, dass das Taschentuch nicht wie bei uns grau wird, sondern ganz verschiedene Farben annimmt. In Peking war das je nach Wetterlage schwarz oder gelb. Im Winter sicher schwarz. Warum?

 

Im Winter heizen die kleinen Blockheizkraftwerke, die sich zumeist inmitten der Wohngebiete befinden, mit Kohle oder gar Holz. Der romantische schwarze Rauch, der aus den gemauerten Schornsteinen dringt, landet letztlich zum Teil auf unseren Tischen. Und in der Lunge, aber das ist eigentlich wurscht, da die Mehrheit der Bevölkerung raucht, mit Vorliebe in geschlossenen Räumen. Jeder bekommt also seine Portion Krebs sowieso im Alltag ab. Und daran ist diesmal nicht die Regierung schuld. Wirklich nicht.

 

Der Verkehr trägt sicher auch seinen Teil dazu bei. Aber der Verkehr in Peking war 2007 ein Witz im Vergleich zu dem, was wir heute erleben. 2007 konnte man tagsüber entlang der 2. Ringstraße in Peking spazieren gehen. Wo man heute neben einem Dauerstau laufen würde, gab es damals erstaunlich wenig Probleme und demnach deutlich bessere Luft. Die Leute schimpften damals schon ständig. Worüber eigentlich?

 

Das Schöne am Klima in Peking, vor allem im Vergleich zu anderen Großstädten in China, ist der Wind, der mitunter heftig durch die Straßen fegt und die Luftverschmutzung wegträgt. Während in anderen Städten die Luft also dauerhaft schlecht ist, so waren das in Peking eher nur einige Phasen im Jahr, wenn nämlich der Wind zu schwach blies.

 

Der starke Wind brachte aber häufig Sand aus den benachbarten Wüsten. Mehr als einmal kam nach einem Großputz plötzlich ein Sandsturm auf, und kurz darauf konnte ich noch einmal putzen.

 

Der Hausstaub war dann natürlich gelb. Oder orange.

 

Das war die Farbe des Hausstaubs in Peking: selten grau, meistens schwarz, manchmal gelb.

 

 

Hausstaub in Xiamen am Meer

 

Hier in Xiamen hängt die Qualität des Hausstaubs sehr von der Wohngegend ab. Ich wohnte einmal gegenüber von Gulangyu. Das ist eine Insel neben der Stadt Xiamen, die  selbst auch auf einer Insel liegt. Gulangyu, dieser Namen klingt in den Ohren der Chinesen ähnlich wie die Namen Mainau oder Sylt in den Ohren der Deutschen. 

Xiamen. Blick vom Schlafzimmer auf die Stadtautobahn und den Hafen in Zhangzhou.
Xiamen. Blick vom Schlafzimmer auf die Stadtautobahn und den Hafen in Zhangzhou.

Ich fand mit meiner WG durch Zufall und über Beziehungen eine bezahlbare Traumwohnung mit Blick auf das Meer, den Hafen und Gulangyu (siehe Bild). Jeder beneidete mich darum. Die Freude währte nur kurz. Denn um die Siedlung herum führte die Stadtautobahn auf einer Hochbrücke. Und im Meer fuhren täglich 20-30 Schiffe mit Touristen. Aus den Schornsteinen der Schiffe quoll schwarzer Diesel-Rauch, und aus den Lautsprechern drang abwechselnd plärrende Musik oder die kratzende Stimme der gelangweilten Reiseführerin, die zum tausendsten Mal dieselbe Geschichte über Gulangyu herunterleiern musste.

 

Ursprünglich dachten wir, wir könnten die Fenster das halbe Jahr über geöffnet halten. Weil aber nachts die Lamborghini-Besitzer mit den Ferrari-Haltern nach 2 Uhr ihre Privatrennen fuhren, war trotz geschlossener Fenster selten an Schlaf zu denken. Tagsüber hörten meine Gesprächspartner am Telefon bei geschlossenem Fenster den Verkehr und fragten mich, ob ich auf der Straße stehen würde. So laut war es. Rund um die Uhr. Es gab höchstens zwischen drei und fünf Uhr morgens eine ruhige Phase. Und das auch nicht täglich.

 

Wenn wir im Frühling die Fenster auch nur eine Stunde lang geöffnet hielten, war die gesamte Wohnung mit einer dünnen schwarzen Rußschicht von den Auto- und Schiffsabgasen überdeckt. Der Staub auf dem Tisch und auch das Putzwasser waren also pechschwarz.

 

 

Hausstaub in Xiamen in den Vororten

 

Inzwischen wohnen wir weit außerhalb vom Stadtzentrum an der Grenze zum ländlichen Gebiet. Hier stehen alte dörfliche Straßenzüge und neue Wolkenkratzer nebeneinander. Während 80% der Wohnungen leer stehen, entstehen laufend neue Hochhaussiedlungen. Nur ein Nebeneffekt der seit Jahren immer weiter wachsenden Immobilienblase. Aber auch das ist ein Thema für ein andermal.

 

Es gibt hier auch noch Fabriken, die zwischen den Wohnvierteln stehen. Und, wie überall in China, vier- oder sechsspurige Straßen, die mehrere Stunden am Tag verstopft sind. 

 

Je nach Tageszeit oder Wetterlage ist unser Hausstaub also grau (nur selten, aber das wäre vermutlich unser geliebter eigenproduzierter Staub aus Hautschuppen, Kakerlaken- und Salamanderkot). Oft ist er schwarz. Das kommt dann von den Abgasen der Fabriken und der Autos, oder der Wind vom Hafen trägt die Schiffsabgase aufs Festland. Manchmal ist er in der Tat bräunlich-gelb, wenn nach einer Trockenperiode die Böen Erdpartikel ins Haus tragen. 

 

Eine Sache habe ich ganz vergessen: Die in Deutschland so verhassten Wollmäuse, also große Fusseln im Haus, gibt es in China eher selten. Man kann darüber diskutieren, ob das ein Vor- oder Nachteil ist.

 

Insgesamt erscheint es aber so, als würde der Durchschnittsmensch in China, auch ohne Raucher zu sein, seine tägliche Dosis Ruß und Teer abbekommen. Quasi von Geburt an. 

 

Eigentlich ein Grund mehr, mit dem Rauchen wieder anzufangen.

 
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