Ein Taifun naht

Xiamen. Nach dem Sturm vom Sept 2013 ist von diesem Holzsteg nicht viel übrig geblieben.
Xiamen. Nach dem Sturm vom Sept 2013 ist von diesem Holzsteg nicht viel übrig geblieben.

Kürzlich zog ein Taifun vom Meer her nach Guangdong, in Richtung Shantou und Guanzhou, also nach Guangdong (Kanton). Die Ausläufer des Tiefdruckgebietes streiften unsere Provinz. Die Radiostationen und sogar die Telefongesellschaften warnten mehrmals vor diesem riesigen, bedrohlichen Taifun, und man solle drin bleiben, weil es draußen zu gefährlich war.

 

Der internationale Wetterbericht auf www.tropicalstormrisk.com sagte nichts von einer Gefahr für unsere Stadt. Er kündigte einen Sturm an, aber für unser Stadt keinen Taifun. Dass trotzdem Teile der Strandpromenade beschädigt wurden, lag eher daran, dass der Sturm mit der Herbst-Tagundnachtgleiche zusammen traf, während der die Flut einen sehr hohen Stand erreicht. Und an der schlechten Qualität des verwendeten Baumaterials bzw. der Konstruktion.

 

Überhaupt war das Wetter grandios in den letzten Tagen. Zuerst herbstlich kühl und trocken, knapp über 20 Grad. Dann plötzlich windig und furchtbar heiß, fast 35 Grad. Und so blieb es anderthalb Tage lang. Ich genoss den Wind und die relativ trockene Wärme. Jeder Spaziergang und auch der Gang zur Arbeit wurden zum Vergnügen. Wegen des Herbstfestes hatten wir auch ein paar Tage frei. Perfektes Wanderwetter.

 

Meine Bekannten aber hielten alle die Fenster verrammelt, saßen drin vor dem Fernseher und hatten die Klimaanlagen eingeschaltet. Ich fragte sie, warum, und sie antworteten nur: Wegen des Taifuns! Wir sollten die Fenster geschlossen halten. Ich verstand es nicht, sind meine Bekannten doch sonst so sparsam. 

 

Ich schüttelte innerlich den Kopf und genoss den warmen Luftzug der durch meine Wohnung blies, da ich alle Fenster offen hielt. Am dritten Tag kam der erwartete Platzregen, also schloss auch ich die Fenster, denn der Platzregen fällt meist auch waagerecht. Plötzlich fiel mir ein knirschendes Geräusch in der Wohnung auf. Und das sandige Gefühl, wenn ich meine Hände auf den Schreibtisch legte. Sogar die Decken der Zwischenböden im Bücherregal waren verstaubt. Alles und überall lag eine dicke Staubschicht. Oder war es Sand? In Peking wäre es sicher Sand vom Sandsturm, aber hier?

 

Das bedeutet, dass am Wochenende wieder ein Großputz angesagt ist. Diese Arbeit sparen sich alle meine chinesischen Freunde, die die Fenster beim Sturm geschlossen hatten. Sie haben einen Tag frei, während ich putzen darf. Das nenne ich praktische Weisheit.

 

Für einen unbeschwerten Aufenthalt in China gibt es viele Ratschläge. Der wichtigste ist für viele westliche Ausländer: „Klappe halten!“ Also keine Kritik, keine neugierigen Fragen, und keine allzu ehrlichen Aussagen zu Vorlieben und Abneigungen. 

 

Ebenso wichtig aber ist: „Tun Sie immer das Gleiche wie Ihre chinesischen Freunde und Nachbarn. Man kann nie wissen, wozu es gut ist.“

 
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