iPhone 5s in China: Es gibt keinen Schwarzmarkt!

Das goldene iPhone 5s ist in China erhältlich.
Das goldene iPhone 5s ist in China erhältlich.

 

Das neue iPhone ist da! Oder eigentlich die neuen iPhones. Das iPhone 5c und das iPhone 5s.

Apple-Jünger sind begeistert, Apple-Hasser zerreißen sich das Maul darüber, wie hässlich, altmodisch, unsicher, teuer oder unsinnig diese Geräte sind. 

 

In China ist alles anders, dies auch!

 

Nach der Präsentation durch den CEO, Tim Cook, kritisierten viele Berichterstatter die Farbenvielfalt. Warum Gold? Wer braucht schon Gold? Das ist ja wie die Diamant-besetzte Rolex, die bestenfalls ein Scheich für sich und seine Frau kauft. 

 

Ja genau!

 

Mit diesem abfälligen Kommentar über Rolex-Uhren im 20. oder 21. Jahrhundert liegen die Lästermäuler genauso falsch wie mit dem goldenen iPhone. 

 

Als ich von dem goldenen iPhone hörte, dachte ich nur: „Wie genial. Das wird der Renner in China.“ 

 

Auf der chinesischen Apple-Webseite kann man nachlesen, dass das iPhone 5c innerhalb von 24 Stunden lieferbar ist, das iPhone 5s allerdings erst ab Oktober.

 

Offiziell lieferbar ist es also momentan nicht, das iPhone 5s. 

 

Gestern Abend kam ich an einem der offiziell lizensierten Apple-Geschäftspartner der Provinz vorbei. Die Kette heißt Coodoo. Wie gesagt, offiziell und von Apple lizensiert.

 

Sie hatten die neuen iPhones da. Das 5c und das 5s. Keine Sau interessierte sich für die iPhone 5c, jeder fragte nach dem 5s, und es interessierte nur eine einzige Farbe: Gold.

 

Ja, es gibt auch noch zwei andere Farben. Ungeachtet dessen, wie Apple sie nennen mag, sind sie in Silber und graphitfarben gehalten. Ich persönlich finde das graphitfarbene am schönsten. Aber wenn ich es mir kaufen würde, dann müsste ich mir jeden Tag mehrmals die Frage anhören: „Warum hast du nicht das Goldene gekauft?“

 

Im Geschäft fragte jeder nur nach dem goldenen iPhone. Der Verkäufer wies auf die anderen Farben hin, nur das goldene interessierte die Kunden. Ich schaute mir das eine Weile an, dann spielte ich mit dem graphitfarbenem herum. Das wollte eh niemand anfassen. Zu gewöhnlich!

 

 

Heute bei Coodoo fragte ich: „Was kostet das iPhone 5s?“

„Welches?“

„Na, das 5s?“

„Ja, welches? Welche Farbe?“

„Gibt‘s da Unterschiede beim Preis?“

„Ja, sicher. Das schwarze und das weiße können Sie für 5.888 RMB kaufen.“

„Wie viel Speicherplatz?“

„16 GB“

„Und das goldene?“

„Das kostet 9.988 RMB“

„Wie viel Speicher?“

„16 GB natürlich.“

„Warum so viel? Bei Apple online kosten die alle gleich.“

„Ja, aber das goldene ist momentan schwer zu bekommen. Wenn Sie es haben möchten, ist es teurer.“

„Gibt es das goldene auch mit 32 GB und 64 GB?“

„Mit 32 GB, ja. Mit 64 GB noch nicht. Mit 32 GB kostet es 12.888 RMB.“

„Aber auf der Apple-Webseite kosten alle Farben gleich viel.“

„Ja, das ist auf der Apple-Webseite. Da müssen sie dann aber lange warten. Und es ist nicht sicher, wann sie es bekommen. Das kann sehr lange dauern.“

 

Natürlich hätte ich mir die zweite Hälfte des Gespräches sparen können. Es war natürlich auch überhaupt nicht höflich. Aber ich dachte, ich frag einfach mal. Ich war neugierig auf die Antwort.

 

Ich bedankte mich artig und ging.

 

Anschließend rief ich bei meinem Freund von der China Telecom an. Ich fragte ihn, was bei denen das neue iPhone 5s kostete. 

 

Er meinte: „5.488 RMB mit 16 GB, wenn du 32 GB haben willst, dann musst Du 600 RMB draufzahlen.“

„Egal welche Farbe?“

„Ja klar, aber es kann sein, dass wir die goldene Farbe bestellen müssen, und da gibt es Lieferfristen.“

Ich sagte: „Bei Coodoo wollen die 9.988 RMB für das goldene.“

Er meinte: „Ja, das ist der aktuelle Preis, wenn du es schneller haben möchtest. Wenn du warten kannst, dann brauchst du aber nicht mehr zu bezahlen.“

 

 

Und die Moral von der Geschichte?

 

In China gibt es keinen Schwarzmarkt. Und schon gar nicht für iPhones.

 

In China gab es vom ersten Tag an iPhones, auch schon die der vorigen Generationen. Lange bevor sie in China offiziell verkauft wurden. Es gibt die iPhones vom ersten Tag an, an dem sie auch in anderen Ländern verkauft werden. Manche werden direkt vom Produzenten an verschiedene Handelsketten innerhalb Chinas verkauft, ohne dass Apple etwas dagegen tun könnte. Manche sind vom LKW gefallen, manche sicher von Managern bei Foxconn und den anderen Apple-Zulieferern verkauft worden. Das ist eine ganz normale und übliche Nebeneinnahmequelle von Managern in vielen Firmen. Und zwar beginnt das schon auf einer sehr niedrigen Ebene.

 

Eine kleine Managerin von China Mobile in der Nachbarstadt lässt regelmäßig ein paar Kartons mit nicht registrierten SIM-Karten mitgehen. Diese werden dann in den „freien“ Handy-Läden günstig verkauft. Nicht registriert, das ist wichtig, denn laut Gesetz müssen alle neue SIM-Karten auf den Namen und mit Ausweisnummer des Käufers registriert werden. Jeder weiß das in der betreffenden Stadt. Und alle sind dankbar, dass diese nette Dame das tut. Die Frau verdient sich eine goldene Nase, aber sie tut etwas fürs Volk. Nur ein kleines Beispiel für eine ganz normale, gängige Praxis im Alltag hier. Man muss nur wissen, wen man fragen kann.

 

Wer jetzt also sagen kann, er hat beim Apple-Vertragshändler ein neues, goldenes iPhone 5s gekauft, der steht ganz oben auf der Hitliste der Reichen und Coolen.

 

Ganz ehrlich: Ich finde das bunte iPhone 5c viel aufregender. Es gibt da eines in einer quietschigen Himbeer-Rosa-Mischung. Die froschgrünen sind auch wirklich lustig. Das viel teurere iPhone 5s ist dagegen richtig langweilig. 

 

Schade dass ich kein chinesischer Lehrer bin, sondern nur ein Ausländer. Sonst könnte ich beim nächsten Mal, wenn eine Schülerin auf der Kippe steht, einfach das neue iPhone ansprechen ... So läuft das hier. Auch wenn niemand darüber spricht. 

 

Bestechungen anzunehmen, das ist ganz normal. Darüber sprechen, das ist tabu.

 

iPhones auf Umwegen und zu Apothekerpreisen zu verkaufen, oder sie auf inoffiziellem Weg zu beschaffen, das ist ganz normal. Das als Schwarzmarkt zu bezeichnen, das ist geschmacklos. Es ist einfach zu alltäglich und rechtfertigt daher nicht dieses starke Wort.

 

Es gibt keinen Schwarzmarkt. 

Nicht in China. Und schon gar nicht bei iPhones. 

 

 

(Nachtrag. Online fand ich einen Artikel in englischer Sprache, der von demselben Phänomen berichtet, nur in etwas seriöserer Sprache. Hier nachzulesen.)

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